Stand: 14.01.2011  1 Kommentare

Neueste Daten von Eurostat - der europäischen Statistikbehörde - zeigen eine sich beunruhigend beschleunigende Inflation im Euroraum. Die EZB macht gute Miene zum bösen Spiel und redet die Inflationsgefahren klein, obwohl die Inflation bereits deutlich über der EZB-Zielrate liegt. Auf ein Einsehen wird man bei der EZB noch eine Weile warten müssen. Qua Satzung wäre die EZB bei erkanntem Inflationsdruck gezwungen, die Zinsen zu erhöhen, was weder dem Wirtschaftswachstum noch den europäischen Banken gut täte.
Mit einer Jahresteuerung von derzeit im Januar 2,4 % brechen für die Edelmetalle goldene Zeiten an.

Inflation steigt in drei Monaten um 0,5 %

Was den Investoren am meisten Angst macht, ist nicht die Inflation von 2,4 % an sich, sondern vor allem auch die Steigerungsrate. Denn die Inflationsrate stieg in der Eurozone binnen dreier Monate um 0,5 %. Sie liegt inzwischen deutlich über der Zielrate der EZB von 2 %. Die UniCredit nennt sogar eine gefühlte Inflation von 3,25 % in Deutschland. Gleichwohl möchte die EZB keinerlei mittelfristige Gefahren für die Preiswertstabilität erkennen und beläßt daher die Zinsen bei einem Prozent. Zeitgleich werden nach wie vor Anleihen von der Zentralbank aufgekauft und damit die Geldmenge zusätzlich erhöht.
Steigende Rohstoffpreise, niedrige Zinsen, Quantitative Easing - die Gemengelage ist günstig für eine Entwertung des Geldes. Erst kürzlich wiesen wir nach, dass sich ein solches Umfeld positiv auf die Goldnotierungen auswirkt.

Euro-Inflation überschreitet EZB-Zielmarke Ende 2010
Die Inflation zog im Euroraum seit Ende 2009 im Euroraum merklich an

Goldpreis fällt trotz anziehender Inflation

Davon ist derzeit jedoch nichts zu sehen - im Gegenteil. Die Goldpreise fielen in den vergangenen Wochen sowohl auf Dollarbasis, als auch und sogar noch stärker auf Eurobasis. Anleger bauten zudem in großem Maßstab physische Bestände in Form von ETF-Anteilen ab. Allein der weltgrößte Gold-ETF musste seit Jahresanfang 52 Tonnen Gold verkaufen.
Ein Widerspruch? Nur, wenn man den enormen Goldpreisanstieg im Jahr 2010 ignoriert.

Wir wiesen nach, dass der Goldpreis vor allem in Phasen negativer Realzinsen positive Entwicklungen zeigt. Ein negativer Realzins ist gegeben, wenn die Inflationsrate über dem Leitzins liegt. Das ist in Europa zweifelsohne der Fall, die Inflationsrate liegt 1,4 Prozentpunkte über dem Leitzins - das Geld wird also real jedes Jahr weniger wert, selbst wenn man es zinsbringend anlegt. Eine Entwertung ähnlichen Umfangs gibt es auch in den USA. Theoretisch sollte der Goldpreis also steigen - tut dies aber natürlich nicht ununterbrochen und zu jedem Zeitpunkt. Vielmehr scheint es so, als hätte der Markt die jetzt beginnende Inflation bereits im Jahr 2010 vollständig antizipiert. Der Goldpreis stieg 2010 schließlich in Euro gerechnet um rund 40 % bei niedriger Verbraucherpreissteigerung.
Zudem erwarteten nicht wenige Marktbeobachter baldige Zinserhöhungen im Euroraum. Denn etwas anderes als goldpreisdämpfende Zinserhöhungen bleiben der EZB nicht, um die Inflationsgefahr zu bannen. Folglich wurden angesichts neuer Allzeithochs beim Goldpreis und der drohenden Gegenmaßnahmen zumindest der europäischen Zentralbank Longpositionen im großen Stil abgebaut. Daten der größten edelmetallhinterlegten ETFs zeigen seit Wochen Mittelabflüsse. Gold-ETFs leiden bereits seit Mitte 2010 unter Mittelabflüssen, die sich allerdings Anfang 2011 beschleunigten. Neu ist, dass es nun auch Silber ETFs trifft.

Widerstand bei 1360 USD zurückerobert, Weg frei bis 1425 USD
Die erwarteten EZB-Gegenmaßnahmen angesichts drohender Inflation blieben aus - Gold reagierte am vergangenen Donnerstag mit einem fast vierprozentigen Kursanstieg

Krisenvorsorge Gold-ETF wenig gefragt

Die Bestände des weltgrößten Gold-ETFs erreichten Ende Januar den tiefsten Stand seit Beginn der Eurokrise. Dabei ist die Krise keinesfalls gelöst, im Gegenteil. Die Rendite griechischer Anleihen reichten im Januar an die Hochs vom Mai 2010 heran. Offenbar geht der Markt wie im Mai 2010 von der Pleite des Landes aus. Auch portugiesische Anleihen erreichten neue Renditehochs. Obwohl sich an den Krisenursachen nichts änderte, bauten die Anleger ihre Krisenvorsorge in Form von Gold-ETF-Anteilen im Laufe der vergangenen Monate sukzessive ab.
Über dem Niveau von Mai 2010 liegen nur die Bestände bei Silber-ETFs. Die dürften aber weniger als Inflationsschutz, als vielmehr als Depotbeimischung zur Renditesteigerung angesehen werden. Denn von der Eurokrise profitierten die Fonds zunächst gar nicht. Erst als Silber im Herbst 2010 aus seiner Seitwärtsphase nach oben ausbrach und sich Wertzuwächse von mehr als 50 % ergaben, stiegen auch die Bestände der Silber-ETFs.

ETF-Bestände erreichen bei Gold ein 12-Monatstief
Goldbestände werden bereits seit geraumer Zeit abgebaut, Silber erst seit wenigen Wochen

Spekulanten reduzieren Silber-Longposition um 60 %

Bestandsveränderungen ergeben sich auch bei den Futurepositionen der Spekulanten. Futures stellen eine noch kostengünstigere Möglichkeit als ETFs dar, mit Edelmetallen zu spekulieren. Für gleiche Ertragschancen muss bedeutend weniger Kapital bewegt werden. Futures eignen sich daher vor allem für kurzfristige Spekulationen.
Und an denen scheinen die Spekulanten kein Interesse mehr zu haben. Die Netto-Longposition - also die um Shortpositionen bereinigten Longpositionen - erreichte bei Gold Ende Januar den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren. Noch weniger Longpositionen wurden nur während der stürmischsten Phase der Finanzkrise gehalten, als die Spekulanten Positionen reduzieren mussten, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen.
Die Netto-Longposition bei Silber fiel immerhin auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Seit dem Hoch Ende September 2010 bauten die Spekulanten über 60 % ihrer Netto-Longposition ab.

Silberbestände reduzierten sich um 60%, Gold um über 30%
Die Netto-Longposition bei Gold reduzierte sich auf ein 18-Monatstief, bei Silber immerhin auf den tiefsten Stand seit Mitte 2010

FED heizt Inflation zusätzlich an

Von der EZB erwartete man bisher ein entschiedenes Auftreten gegen die Inflation. Die amerikanische FED muss sich mit diesen Erwartungen nicht herumschlagen - sie gibt unumwunden zu, Inflation sogar anzustreben. Mittel der Wahl ist bei der FED der massenweise Ankauf von Staatsanleihen am freien Markt - bezahlt wird mit frisch gedrucktem Geld. Zwischen Ende Oktober und Ende Januar kaufte die FED für fast 300 Mrd US-Dollar Anleihen auf und plant bis Jahresmitte weitere Käufe in dreistelliger Milliardenhöhe. Inzwischen ist die FED mit Abstand größter Einzelgläubiger der Vereinigten Staaten.
Gleichwohl zeigen die offiziellen Statistiken kaum bedrohlich wirkende Preisanstiege. Im Dezember lag die Jahresteuerung bei nur 1,5 %. Erwartet werden vom Markt auf Zehnjahressicht immerhin 1,8 %.

Notenbankpräsident Bernanke wird nicht müde zu betonen, wie unbefriedigend das Jobwachstum in den USA für ihn sei. In der Vergangenheit verknüpfte er diese Unzufriedenheit mit der Aussage, das Quantitative Easing 2 Programm sogar noch auszuweiten, wenn sich keine Wachstumsimpulse zeigen sollten. Je mehr Geld die FED erschafft, um Anleihen aufzukaufen, desto eher wird sich das auch in anziehenden Verbraucherpreisen zeigen.

Charttechnisch und fundamental gute Ausgangslage für Gold

Die unverändert laufenden Liquiditätsprogramme in den USA und Europa schaffen ein nach wie vor positives Investitionsklima für Edelmetalle. Kurzfristig litten die Notierungen unter Positionsauflösungen bei ETFs und Futures. Charttechnisch spricht aber einiges dafür, dass die Positionen schnell wieder aufgebaut werden.
Mit der Rückkehr über den Widerstand bei 1360 US-Dollar ist der Weg frei zum Allzeithoch bei rund 1425 US-Dollar. Ob das so schnell überschritten wird, ist momentan jedoch noch fraglich. Bereits drei Mal bissen sich die Bullen an diesem Widerstand die Zähne aus. Solange der Aufwärtstrend bei derzeit 1330 US-Dollar Bestand hat, ist das Chartbild jedoch grundsätzlich bullish.

Auf Eurobasis ist die Sache komplizierter. Die Notierungen kämpfen momentan mit der psychologisch wichtigen Grenze von 1000 Euro. Zwar ist der steile Aufwärtstrend gebrochen, die unerwartet laxe Haltung der EZB stützt aber die Preise. Weitere Gewinne bis 1030 oder 1050 Euro sind daher denkbar.
Scheitern die Notierungen bei 1000 Euro, kann es nochmals Gewinnmitnahmen geben. Ein attraktives Ziel ist dann der langfristige Aufwärtstrend bei 920 Euro.
Für langfristig orientierte Investoren bieten sich Preisrückgänge grundsätzlich für Nachkäufe an. Fundamental bessert sich das Umfeld für Gold mit jedem zusätzlichem Tag, an dem die Zentralbanken bei Niedrigstzinsen Quantitative Easing Programme fortführen.

Gold hadert mit wichtiger Preismarke von 1000 Euro
Die psychologisch wichtige Marke von 1000 Euro ist umkämpft

Weitere Gewinnmitnahmen bei Silber wahrscheinlich

Gleiches gilt prinzipiell auch für Silber. Steigt Gold, dann wird davon tendenziell auch Silber profitieren, wie man an der nachholenden Silberhausse seit Herbst 2010 sehen kann.
Charttechnisch deutet bei Silber kurzfristig aber vieles auf weitere Gewinnmitnahmen hin. In dieser Woche erreichte Silber abermals die Marke von 30,50 US-Dollar - und prallte nach unten ab. Damit haben wir auch bei Silber ein dreifaches Top, das nicht ohne weiteres überwunden werden kann. Im Gegensatz zu Gold notiert Silber aber noch in der Nähe der Hochs, so dass hier Gewinnmitnahmen bis wenigstens 28 US-Dollar wahrscheinlich sind. Diese Unterstützung wurde bereits einmal im Januar durchbrochen, woraufhin es zu weiteren Kursverlusten bis 26,50 US-Dollar kam.
Die Historie zeigt, dass Silber nach starken Kursanstiegen zu ähnlich starken Zwischenkorrekturen neigt. Angesichts des Kursanstiegs von 19,50 auf 31 US-Dollar seit Herbst 2010 hat Silber also noch einiges Korrekturpotential. Ob das voll ausgeschöpft wird, muss sich noch zeigen. Die Tatsache, dass Spekulanten bereits einen Großteil ihrer Longpositionen in Futures abbauten, spricht erst einmal für Silber. Die physisch hinterlegten ETFs mussten jedoch erst einen Bruchteil ihrer Bestände abbauen, so dass von ihnen eine beträchtliche Gefahr für den Silberkurs ausgeht. Spekulanten halten inzwischen weniger als 100 Mio Unzen Silber in Form von Futures. Allein der größte Silber-ETF vereint die dreifache Menge auf sich und stellt damit ein erhebliches Marktgewicht dar.

Silber dürfte nach dem Dreifachtop bei 31 USD unter Druck geraten
Trotz umfassender Positionsauflösungen erreichte Silber noch einmal die 31 US-Dollar

Mittelfristig ist daher bei Silber weiterhin Vorsicht angezeigt. Die überhitzten Kurse treffen derzeit auf ein Marktumfeld, das eher von Positionsauflösungen geprägt ist. Solange sich hier keine Trendwende abzeichnet, dürfte Silber das diesjährige Hoch von rund 31 US-Dollar nicht überschreiten können. Rücksetzer bieten sich aber grundsätzlich für vorerst vorsichtige Nachkäufe an. Größere Neupositionierungen erscheinen ab 23 US-Dollar chancenreich.

© Gold.de
Autor: Thomas Kallwass

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Kommentare [1]
  • von Martin Hark | 09.09.2014, 13:28 Antworten

    Die wirtschaftliche Entwicklung ist maßgeblich für das Wohlbefinden der gesamten Menschheit. In wirtschaftlich starken Zeiten wird es der Bevölkerung wesentlich besser gehen als in Zeiten einer Depression. Es gibt unzählige Faktoren, welche auf die Wirtschaft Einfluss haben ? Leitzinsen, Inflation, Deflation, Bevölkerungsentwicklung, technischer Fortschritt ? Mit der Kenntnis über die wirtschaftliche Entwicklung lässt sich auf Profit machen (Börsen). Durch eine ganze Anzahl von wirtschaftlichen Indikatoren kann man die wirtschaftliche Entwicklung frühzeitig erkennen. Jeder ist von der Wirtschaft betroffen, umso wichtiger ist es frühzeitig über die wirtschaftliche Situation Bescheid zu wissen. Ein wirtschaftliches Grundverständnis soll von jedermann mitgebracht werden. Die Leitzinsen, Inflationserwartungen, Bankenprobleme oder das Wirtschaftswachstum betreffen im Endeffekt alle!

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