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Stand: 15.03.2021 von Hannes Zipfel
Nach zum Teil widersprüchlichen Aussagen von US-Notenbankern steht am kommenden Mittwoch die Entscheidung des Offenmarktausschusses der Fed an. Zuletzt hatte Fed-Chef Jerome Powell die Märkte enttäuscht, indem er weder eine Umschichtung von kurz- in langlaufende Staatsanleihen in Aussicht stellte noch die Möglichkeit einer Zinsstrukturkurvenkontrolle erwähnte.
Inflation und Zinsen: Die Woche der Wahrheit

Weiterlaufen lassen bis zum Crash

Dass sich die Kapitalmärkte mit warmen Worten und Inflationsbeschwichtigungen nicht mehr abspeisen lassen, zeigt ein Blick auf die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen, die seit der letzten Rede des US-Notenbankchefs am vergangenen Donnerstag wieder in Richtung zyklischer Höchststände angestiegen sind.

Macht Powell am kommenden Mittwoch keine klaren Andeutungen in Richtung Zinskontrolle, könnte es nicht nur für die Finanzmärkte ungemütlich werden.

Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen

Bislang sind aus dem zwölf Mitglieder umfassenden Entscheidungsgremium der Fed noch keine konkreten Maßnahmen nach außen gedrungen.

Möglicherweise sind die Damen und Herren nach wie vor hin und her gerissen zwischen dem Entweichen von etwas Luft aus der Spekulationsblase an den Vermögensmärkten einerseits sowie der Schuldentragfähigkeit in Anbetracht der gesamtwirtschaftlichen Überschuldung andererseits.

Außerdem muss auch die Fed langsam ein Auge auf die Wertentwicklung ihrer Aktiva auf ihrer Bilanz richten. Zuletzt hatte bereits die Deutsche Bundesbank erstmals seit 1979 wegen Negativzinsen und Wertabschreibungen auf ihre Aktiva keinen Cent an das Finanzministerium in Berlin überweisen können.

Setzt sich der Verfall der Anleihekurse fort, werden Eigenkapitalnachschüsse in Milliardenhöhe nötig - das gilt auch für die EZB.

Für den Goldpreis ist das weitere Vorgehen der Notenbanker von entscheidender Bedeutung. Umso klarer wird, dass die Zentralbanken sich zwischen ihren Mandaten entscheiden müssen, wird das Vertrauen in die geldpolitischen Supermächte noch weiter schwinden.

Denn eines können Zentralbanken nicht:
In einer überschuldeten Wirtschaft die Zinsen anheben, ohne die Anleiheblase und zum Platzen zu bringen.

Goldpreis stabilisiert sich

Nachdem viel Indikatoren in den Bereich der „Überverkauftheit“ gedreht waren und sich die Stimmung zu Goldinvestment spürbar eingetrübt hatte, konnte sich der Goldpreis oberhalb der massiven Kreuzunterstützung stabilisieren. Wie es nun bei dem gelben Edelmetall weitergeht, hängt stark von den Entwicklungen in dieser Woche ab.

Aktuell notiert der Goldpreis in US-Dollar bei 1.728 US-Dollar pro Unze und damit wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 1.700. In Euro notiert das gelbe Edelmetall aktuell bei 1.450 pro Unze.

Montag, 15.03

Hinweis: Wegen der früheren Umstellung auf die Sommerzeit verschieben sich die Datenveröffentlichungen aus den USA um eine Stunde nach vorne.

Als Vorlaufindikator für künftige Inflation in Deutschland gilt der Großhandelspreisindex (WPI) von Destatis. Dieser wurde heute Morgen veröffentlicht und machte auf Jahresbasis im Februar einen mächtigen Satz nach oben auf aktuell 2,3 Prozent.

Noch im Januar betrug die Jahresveränderungsrate 0,00 Prozent.

Es ist seriös nicht mehr zu leugnen, dass nun eine Phase erhöhter Teuerung folgt, denn die Unternehmen werden aufgrund der pandemiebedingt in vielen Fällen ohnehin geschmälerten Gewinnspannen die höheren Input-Kosten an die Endverbraucher weitergeben müssen, um wirtschaftlich überleben zu können.

Dienstag, 16.03

Um 11:00 Uhr veröffentlicht das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sowohl die Einschätzung der Konjunkturlage als auch der Erwartungen für Deutschland. Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen befragt.

Zuletzt gab es eine enorme Diskrepanz zwischen den beiden Komponenten: während die Erwartungshaltung mit +74 Indexpunkten förmlich explodierte, verharrte die Einschätzungskomponente mit -62 Indexpunkten tief im negativen Terrain.

Mittwoch, 17.03

Der Mittwoch steht ganz im Zeichen der US-Notenbanksitzung und dürfte alle anderen Nachrichten überlagern. Um 19:00 Uhr MESZ wird die Fed sowohl ihre Zinsprognose als auch ein vorgefertigtes Statement zur Lage der Konjunktur in den USA veröfentlichen.

Richtig spannend wird es aber erst ab 19:30 Uhr, wenn Fed-Chef Powell sich den kritischen Fragen der akkreditierten Journalisten stellen und die jüngsten Entscheidungen der Fed erklären muss.

Anleger sollten sich an diesem Abend auf starke Schwankungen an allen Märkten einstellen.

Donnerstag, 18.03

13:30 MESZ: Wie in jeder feiertagsfreien Woche veröffentlicht das U.S. Department of Labor am Mittwoch die Zahlen zu den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung außerhalb der Landwirtschaft.

Nach wie vor sind die Zahlen im historischen Vergleich sehr hoch, wenn auch mit abnehmender Tendenz. Für die Vorwoche wird mit Neuanträgen von glatt 700.000 gerechnet, nach 712.000 in der Woche davor.

Freitag, 19.03

Zum Wochenausklang wird auch die drittgrößte Zentralbank der Welt, die Bank of Japan (BOJ) ihre Zinsentscheidung treffen und sich darüber hinaus nach der Veröffentlichung eines vorgefertigten Statements den Fragen der Journalisten Stellen.

Auch die Geldpolitiker Japans hatten bereits mehrfach im Vorfeld verbal gegen den unwillkommenen Anstieg der Kapitalmarktrenditen interveniert. Nun könnten konkrete Schritte z. B. in Form einer Zinsstrukturkurvenkontrolle folgen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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