Stand: 11.05.2020 von Jörg Bernhard
Im Zuge der Corona-Krise werden Rettungspakete nicht mehr in Milliarden, sondern in Billionen bemessen. Dies lässt nur einen Schluss zu: Die seit Jahrzehnten zu beobachtende Geldentwertung dürfte sich eher beschleunigen als in Wohlgefallen auflösen.
Inflationsschutz Gold: Geldentwertung ante portas?

Globale Prognoseunsicherheit grassiert

Am vergangenen Donnerstag meldete sich EZB-Vizepräsident Luis de Guindos mit ernüchternden Prognosen zu Wort. Die Analysten der Europäischen Zentralbank rechnen nämlich für das laufende Jahr mit einem Einbruch der europäischen Konjunktur zwischen fünf und zwölf Prozent. Die enorme Bandbreite gilt als Beleg für die pandemie-bedingte erhöhte Prognoseunsicherheit. 

Außerdem nannte de Guindos trotz massiv steigender Geldmengen für den Monat April eine Inflation von 0,4 Prozent p.a. 

Zur Erinnerung: Im Januar war noch eine Rate von 1,4 Prozent gemeldet worden. Zugleich vertrat er die Ansicht, dass dieser Wert aufgrund des schwachen Ölpreises in den kommenden Monaten wahrscheinlich weiter fallen werde. 

Inflation im April 2020

Land April 2020 Jahrestief Jahreshoch
Deutschland (% p.a.) 0,8 0,8 1,7
Frankreich (% p.a.) 0,4 0,4 1,5
Italien (% p.a.) 0,0 0,0 0,5
Eurozone (% p.a.) 0,4 0,4 1,4
Russland (% p.a.) 3,1 2,3 3,1
Spanien (% p.a.) -0,7 -0,7 1,1
Indien (% p.a.) * 5,68 * 5,68 7,59
China (% p.a.) * 3,7 * 3,7 5,4
USA (% p.a.) * 0,4 * 0,4 2,5
Quelle: Trading Economics; * Analystenschätzungen

Für Konsumenten mag dies auf den ersten Blick eine gute Nachricht darstellen, allerdings sollten sich risikobewusste Anleger dabei folgende Frage stellen: Ist die EZB allwissend oder gar allmächtig? Wer daran zweifelt, sollte sich vor Augen führen, dass in den kommenden Monaten bzw. Jahren eine stark steigende Geldmenge vorprogrammiert ist und das Güterangebot im Zuge der Corona-Konsequenzen damit auf keinen Fall Schritt halten kann. 

Die Gefahr, dass im Gegensatz zu vergangenen Krisen, die Konsumentenpreise auf breiter Front anziehen könnten, ist daher nicht von der Hand zu weisen.

Unbegrenzte Spendierlaune ist riskant

Derzeit werden via Notenbanken und Regierungen Billionen von Dollars und Euros aus dem Nichts oder über das Aufnehmen neuer Schulden geschaffen. Der Ökonom Thorsten Polleit brachte in einem Interview die gegenwärtige Gemengelage auf folgenden Punkt und sagte: 

„Derjenige, der Geld hält, ist der Dumme“.

Mit Blick auf die wachsenden Schuldenberge rät er Anlegern, Gold vor allem als Währung zu betrachten, die seit Tausenden Jahren existiert. Auf lange Sicht habe sich der Goldpreis bei steigenden Geldmengen stets verteuert. Dem gelben Edelmetall attestiert Polleit einen weiteren großen Vorteil:

„Gold kann nicht entwertet werden.“

Weder Papiergeld noch andere Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen können dieses Merkmal für sich beanspruchen. 

Wer sich dies verinnerlicht hat, sollte unbedingt einen Teil seines Vermögens in Krisenwährungen wie Gold und Silber investieren. Beide verfügen zwar nicht über eine für den wirtschaftlichen Alltag praktikable Tauschfunktion, als Wertaufbewahrungsmittel eignen sich die Edelmetalle auf lange Sicht aber auf jeden Fall. Nach den jüngsten Erfahrungen mit dem Herunterfahren des Wirtschaftslebens, sollte aber eines nicht vergessen werden:

Auf das Halten möglichst üppiger Geldreserven sollte nicht völlig verzichtet werden.

Ausblick für die laufende Woche

An den internationalen Aktienmärkten herrscht wieder ein hohes Maß an Zuversicht. Dies lässt sich nicht nur an der aktuellen Erholungstendenz des DAX, sondern auch am Einbruch des Volatilitätsindex VDAX-NEW ablesen.

Letzterer hat sich seit seinem Rekordhoch im März mittlerweile mehr als halbiert. Wenn ein Angstbarometer dermaßen stark einbricht, heißt dies im Umkehrschluss, dass der Optimismus stark angestiegen ist. 

Mit Blick auf den Blue-Chip-Index sollte man sich in Erinnerung rufen, dass dieser vor 32 Jahren geschaffen wurde und sich seither mehr als verzehnfacht hat. Im selben Zeitraum ist die deutsche Wirtschaftsleistung aber „lediglich“ um den Faktor vier angestiegen. 

Sollte das Rezept „Geldschwemme“ bei dieser Krise nicht funktionieren, dürften die Börsianer die „Vorschusslorbeeren“ wieder einkassieren. In den nächsten Tagen stehen wichtige Konjunkturindikatoren für den Monat April auf der Agenda. 

Nur ein Beispiel: In China sollen die Autoverkäufe im April um 36 Prozent eingebrochen sein. Es ist zu befürchten, dass der Corona-Schock der Konsumlaune einen nachhaltigen Dämpfer verpasst hat. Vorsichtige oder verunsicherte Anlegernaturen dürften mit einem Goldkauf definitiv ein niedrigeres Risiko eingehen als mit einem DAX-Investment. Diesen Schluss legen zumindest die entsprechenden Volatilitätsindizes nahe.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Besserwisser | 13.05.2020, 18:29 Antworten

Hallo Klaus,
liest man Ihren Beitrag, hat man den provisionsorientierten dynamischen
"freundlichen Anlageberater" einer Dorfbankfiliale vor Augen, dem nur das "Wohl"
seines Kunden am Herzen liegt.
Gold ist bei denen auch kein Thema und Geld abheben und horten schon mal gar nicht.


1 Antwort an Besserwisser anzeigen
von Jo | 13.05.2020, 17:13 Antworten

Graf von Henneberg: Nicht viel ist relativ.
Gemessen am weltweiten Goldvorkommen von ca. 250.000 t
von denen 200.000 t gefördert sind, besitzen die deutschen Privathaushalte 4 %
des geförderten Goldes.
In Relation zur Gesamtbevölkerung unseres Planeten ist das sehr viel,
zumal die größten Goldmengen im Besitz der Zentralbanken dieser Welt sind.
Insofern muss ich Ihnen da widersprechen.

1 Antwort an Jo anzeigen
von Klaus | 12.05.2020, 11:10 Antworten

Leute, Leute. Diese Stimmungsmache (auch bei Gold) kann ich nicht mehr nachvollziehen.
Und solche Aussagen im Artikel wie „Gold kann nicht entwertet werden.“ schon erst recht nicht!
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wert von Gold einseitig von den USA auf gut $ 34 festgelegt. Nach dem Hype in den 1980er ist Gold bis 2001 um 50 % gefallen. Oder schaut euch doch mal den Wertverfall des Goldes von rund $ 1900 auf rund $ 1000 an. War das etwa keine „Entwertung“.

Und solche Aussagen wie „Auf das Halten möglichst üppiger Geldreserven sollte nicht völlig verzichtet werden“ sind überzogen und wenig hilfreich, wie ganz aktuell die Corona-Krise zeigt.
Denn wenn Liquidität benötigt wird, dann wird auch Gold verkauft und fällt rapide.

Das bedeutet: Gold ist wie jedes andere Asset nur das wert, was wir als Anleger bereit sind dafür zu bezahlen.

Also den Ball bitte etwas flacher halten und mehr Sachlichkeit in den Artikeln. Das ist für uns Leser besser und hilft uns mehr als diese ständige Stimmungsmache.

2 Antworten an Klaus anzeigen
von Jo | 13.05.2020, 10:27 Antworten

TIM: Im deutschen Privatbesitz sollen sich lt. Branchenexperten über 8.000t Gold befinden.
Das ist mehr als die FED offiziell besitzt.
Des weiteren soll lt. Expertenmeinung 98 % der deutschen Bevölkerung
KEIN Gold besitzen.
Wer besitzt denn dann das viele Gold ?
Der Goldpreis steht deswegen nicht bei 5.000, weil er manipuliert wird.
Das weiss sogar meine Putzhilfe.
KLAUS: Gold ist noch nie entwertet worden und hat entgegen FIAT-Geld immer
einen gewissen Wert behalten.
Geldreserven zu halten kann in dieser Zeit, wo von Bankensterben die Rede ist,
weil mit gigantischen Kreditausfällen zu rechnen ist, auch nicht verkehrt sein.
Man wird dann nicht so schnell zum Gläubiger der Bank.

1 Antwort an Jo anzeigen
von Tim | 12.05.2020, 10:55 Antworten

Im Gegensatz zu anderen Krisen könnte die Inflation steigen...
Also haben die zahlreichen Krisen der letzten Jahre die Inflation nicht in dem Maße steigen lassen, dass das Papiergeld nix mehr wert ist.
Wenn die Gefahr der “großen“ Geldentwertung so hoch wäre, hätten die Superreichen ihr Geld schon eingetauscht und der Goldpreis würde bei 5000 €/$ stehen. Sieht aber so aus, als ob sie Cash bevorzugen. Der Grund der Hyperinflation von 1923 war nicht die spanische Grippe.

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"