Stand: 12.06.2019  10 Kommentare

Interessante Zahlen zum Anlegerverhalten der Schweizer in Bezug auf Edelmetalle präsentierte eine Studie, die im April vorgestellt wurde. Der „Edelmetall Atlas Schweiz“, erstellt von der Universität St. Gallen im Auftrag des Edelmetallhändlers Philoro SCHWEIZ AG, gilt als die erste schweizer Goldstudie überhaupt. GOLD.DE hat hierzu Christian Brenner, Geschäftsführer von PHILORO, exklusiv befragt.

GOLD.DE Interview mit Christian Brenner von Philoro
Christian Brenner, Geschäftsführer philoro EDELMETALLE

Die Studie mit repräsentativem Anspruch enthüllt interessante Fakten über Einstellungen und Verhalten der Schweizer: Was halten die Eidgenossen von Gold und Silber als Anlageform, warum und in welcher Form sind sie investiert, wo und wie kaufen die Schweizer Edelmetalle? Interessierte können die Kurzversion der Studie hier einsehen: www.goldstudie.ch

Herr Brenner: Ihr Haus, die Philoro SCHWEIZ AG, hat die Universität St. Gallen mit der Durchführung der Studie beauftragt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Kurz und knapp: Weil in der Schweiz noch nie eine Goldstudie durchgeführt wurde. Unfassbar, oder? Das hat auch unseren Kooperationspartner, die Universität St. Gallen überrascht, ist doch die Schweiz jenes Land, welches den höchsten Pro-Kopf-Besitz der Welt vorzuweisen hat.

Darüber hinaus konnten wir mit jenen Goldstudien, die wir bereits in Österreich und Deutschland veröffentlicht haben, all die Erfahrungen aus diesen Ländern nutzen und einbringen, um letztlich auch ein vergleichbares Bild zwischen den einzelnen Ländern darstellen zu können.

Bemerkenswert aus unserer Sicht ist, dass dieser Studie zufolge Gold in der Gunst der Anleger hinter Immobilien auf Platz zwei der beliebtesten Anlageformen steht. Also noch vor Aktien. Was sind weitere bemerkenswerte Erkenntnisse aus Ihrer Sicht?

Das war zum Beispiel die Frage, warum in Edelmetalle investiert wird. Die wichtigsten Gründe für eine Investition in Edelmetalle sind laut der Goldstudie die langfristige Anlage, gefolgt von Sicherheit und Stabilität. Rendite spielt bei den Befragten eher eine ungeordnete Rolle. Dies zeigt mehr als deutlich, dass der typische Goldanleger langfristig orientiert ist und nicht kurzfristige Spekulationsgewinne mit nachhause nehmen möchte.

Interessant war auch, dass mehr als 50 Prozent der Befragten, die in den nächsten 12 Monaten in Edelmetalle investieren möchten, zwischen 1.000-5.000 CHF anlegen werden. Gut ein Fünftel sogar mehr als 10.000 CHF. Das ist viel.

Aus der Studie geht auch hervor, dass der Goldanleger sich gerne vorab informiert, die Beratung sucht und sondiert. Zwei Drittel fragen vor deren Kauf aktiv im stationären Handel nach oder nutzen das Internet, um sich beraten zu lassen. Bei Frauen liegt der Anteil sogar bei 72 %.

Erzählen Sie uns bitte etwas zur Methodologie und Vorgehensweise.

Üblicherweise werden bei einer Studie oder auch bei Umfragen z.B. die Politik betreffend rund 500 Personen gefragt. Diese 500 Personen repräsentieren in weiterer Folge die Gesamtbevölkerung.

Die Herausforderung bei der Schweizer Studie war, vier Sprachregionen unter einen Hut zu bekommen. Von daher haben wir uns für eine deutlich größere Feldstudie entschieden und so wurden in Summe 2.300 Personen befragt. In Zusammenarbeit mit der Elite Universität St. Gallen wurde ein Fragebogen ausgearbeitet und in einem Zeitraum von über 5 Wochen in Form von Interviews mit den Schweizer Eidgenossen durchgeführt.

Lassen Sie uns ein konkretes Ergebnis herausgreifen. Laut Ihrer Studie kaufen 61,9 % der Schweizer ihr Edelmetall am liebsten über die Hausbank. Dieser hohe Wert hat uns überrascht. Warum sind die Schweizer ihrer Hausbank so vergleichsweise treu?

Das kann man auch anders sehen. Vor gut zehn Jahren hatten die Banken in Österreich, Deutschland und der Schweiz, in ihren jeweiligen Ländern, einen Marktanteil von über 90%. Über 90% haben also über deren Hausbank gekauft. Stand heute sind es nur mehr 62%. Also anders gefragt: Warum kauft bereits jeder Dritte beim privaten Edelmetallhändler?

Ich bin der Meinung, dass auf den Goldhandel spezialisierte Unternehmen bessere Preise und Services bieten. Der An- und Verkauf ist unkomplizierter als über meine Hausbank, ich benötige kein Konto und kann bis zu 10.000 Euro in Deutschland, bzw. 25.000 CHF in der Schweiz, sogar anonym einkaufen. Die Produktvielfalt und die Beratung sind weitere sehr gute Argumente.

Lassen Sie uns über ein weiteres konkretes Ergebnis ihrer Goldstudie sprechen. Demnach nennen nur 8,2 % der Befragten mit Kaufabsicht „Edelmetallhändler im Internet“ als bevorzugten Anbieter.

Auch dieser Wert hat uns überrascht. Er scheint uns vergleichsweise gering, wenn man bedenkt, wie selbstverständlich heutzutage der Kauf im Internet ist, angefangen von der Reisebuchung bis hin zu hochpreisigen Luxus-Gütern. Warum sind die Schweizer hier so zurückhaltend?

Bitte unterschätzen Sie diesen Wert nicht. Es mag auf den ersten Blick gering aussehen, aber 8,2% sind in Europas zweitgrößten Markt enorm viel. Wir sprechen hier von nicht weniger als 200 Millionen CHF, welche letztes Jahr über Onlinekäufe getätigt wurden. Zum Vergleich: Laut Schweizer Handelszeitung erzielte amazon.ch im Jahr 2018 einen Umsatz von 550 Millionen CHF.

Deutschland zählt ja, was die private Nachfrage von Gold angeht, zu den führenden Ländern überhaupt. So bescheinigen Zahlen des World Gold Council aus dem Jahr 2016 Deutschland bei der Goldnachfrage den weltweiten Spitzenwert mit umgerechnet über 1,4 Gramm Gold pro Kopf.

Nun konstatiert die Untersuchung für die Schweiz ein geschätztes Investitionsvolumen von 160 Tonnen für die nächsten 12 Monate, gerechnet vom Erscheinungsdatum der Studie. Bei angenommenen 8,5 Millionen Schweizern ergäbe dies eine Nachfrage von 18,8 Gramm pro Kopf. Selbst wenn man zugrunde legt, dass dies nur Schätzungen für die Zukunft sind, so ist es doch ein sehr hoher Wert. Sind die Schweizer aktuell wirklich so goldverliebt?

Die Schweiz ist ein Schwergewicht im Goldhandel und daher extrem goldaffin. So übersteigt die Nachfrage der Eidgenossen jene der USA. Ein weiteres Argument, welche für die hohe Affinität spricht ist, dass die größten Scheideanstalten der Welt - Valcambi, Argor-Heraeus, Metalor und Pamp - im Tessin produzieren.

Die Schweiz ist ein Schwergewicht im Goldhandel und daher extrem goldaffin.

Gold stellt bei den Eidgenossen die 4. Säule der Veranlagung dar und wird daher, obwohl die Schweiz als eines der sichersten Länder der Welt gilt, aus den gleichen Gründen wie auch in Deutschland gekauft: Schutz vor Inflation, Erhalt seines Vermögens, und Krisenvorsorge.

Bleiben wir bei der Goldnachfrage. Dass die in Deutschland so hoch ist, dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Zukunftsängste, und daraus resultierend der Wunsch nach Absicherung, sind in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern deshalb so hoch ausgeprägt, weil traumatische Erfahrungen im letzten Jahrhundert hier besonders schlimm waren, und latent noch immer vorhanden sind. Stichwort: Kriege, Umbrüche, Krisen, Währungsumstellungen. Erfahrungen, die von der älteren Generation an die jüngeren Generationen auch so weitergegeben wurden.

Woher aber rührt so ein großes Sicherheitsbedürfnis ausgerechnet in der Schweiz? Immerhin könnte man doch sagen, dass die Schweiz in den letzten Jahrhunderten ein vergleichsweise ruhiger und beschaulicher Ort war.

Der Schweizer hat generell ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis und ist in der Regel überversichert. Hierzulande haben es Versicherungsmakler schwer ihren Kunden Produkte zu verkaufen, nicht weil deren Produkte nicht gut sind, sondern weil die meisten Kunden bereits alles haben. Gold wird als Teil der Vorsorge verstanden.

Und auch hierzulande wächst das Misstrauen gegenüber hochkomplexen Finanzprodukten. Der Schweizer ist diesen Belangen genauso vorsichtig und umsichtig, wie viele Deutsche es auch sind. Er denkt, die nächste Finanzkrise, welche definitiv kommt, wird noch massiver ausfallen als es bei der letzten schon der Fall war. Das beunruhigt sehr viele Schweizer Anleger. Mehr und mehr beginnen sich auf eine Krise vorzubereiten.

Auch hierzulande wächst das Misstrauen gegenüber hochkomplexen Finanzprodukten.

Ihre Studie konstatiert für Gold einen signifikanten Unterschied nach Geschlecht. Demnach kaufen Männer häufiger Gold als Frauen. Wie ist Ihre Einschätzung hierzu?

Das ist in der Tat der Fall. Wenngleich Frauen sehr stark aufholen. Man muss vorsichtig sein bei einer Aussage zu den Geschlechtern und darf sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich denke aber, der Grund warum immer mehr Frauen in Gold investieren, ist, dass sie weniger risikoaffin sind und dieser Umstand spricht klar für eine Anlage in Edelmetalle.

Zum Abschluss noch eine Frage zu ihrem persönlichen Ausblick: Was erwarten Sie für Ihr Haus in 2019 auf dem schweizer Markt, was auf dem deutschen Markt?

Bleibt das Zinsniveau auf einem gleichbleibend niedrigen Stand, dann hat der Goldpreis eine steigende Tendenz. Steigen die Zinsen, dann kann der Goldpreis zurückgehen. Wir sind jedoch optimistisch, dass sich der Goldpreis positiv entwickeln wird. Einerseits weil sich die Staatsverschuldungen der führenden Nationen tendenziell weiter erhöhen, und andererseits, weil es in den USA schon lange eine Hausse gibt, was sowohl den Aktienmarkt als auch die Wirtschaftsleistung betrifft. Eine Rezession ist längst fällig. Dies würde dann auch die Nachfrage nach Gold weiter steigern und natürlich den Preis erhöhen.

Auf den goldenen Punkt gebracht: Es wird für unsere Handelshäuser in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz ein sehr gutes Jahr.

Gold.de dankt Christian Brenner für das Interview.
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Kommentare [10]
  • von Goldbug | 14.06.2019, 00:17 Antworten

    die schweizer waren schon immer goldafin und konservativ gestrickt. die prognoszitierte nachfrage erscheint recht optimistisch, aber wäre natürlich ein positives signal neben der erhöhten nachfrage, die gold seit jahren aus den ost-asiatischen ländern hat.
    sind hier schweizer eidgenossen an board die diesen trend bestätigen können?
    das würde mich sehr interessieren!

  • von MrWax | 13.06.2019, 10:26 Antworten

    Hätte nicht gedacht, dass Gold in der Schweiz als zweitbeste Geldanlage gesehen wird. Und das obwohl es das Bankenzentrum schlechthin ist. Zum Händler selbst kann ich nur sagen, dass ich sehr zufrieden bin. In meinen Augen die Beste Adresse in Leipzig.

    • von Goldhamster | 13.06.2019, 11:35 Antworten

      Sie wissen aber schon, dass diese Firma nicht die einzige in Leipzig ist?
      Beste Adresse relativiert sich dann glücklicherweise ganz schnell :)
      In der Schweiz sammelt man "Ameisen" als Geschenk (?) die man teils irgendwie verlegt (Vermögen = steuerpflichtig deklarieren)
      und da sind 18,8 Gramm wirklich nur peanuts.

      • von MSM | 13.06.2019, 12:25 Antworten

        Sehr geehrter Herr Goldhamster,

        Sie scheinen ja auf alles eine Antwort zu haben.
        Leider nur sehr ungenau. Konstruktiv nun mal gar nicht.
        Sie scheinen ja sehr genaue Kenntnisse über die Strukturen der Firmen zu haben.
        Erleuchten Sie mich (uns) doch mal!

        Ich fand den Artikel sehr interessant. Und werde auch meine Schlüsse daraus ziehen.

        Selber komme ich aus Berlin und bin neben philoro auch öfters bei anderen Händlern wie pro aurum und Leihhaus Lohmann.
        Neben den Preisen, die schon stark variieren, kann ich für mich auch die gute Beratung von philoro empfehlen.

        PS: SIE haben es hier zu einer Werbeveranstaltung gemacht.

        • von Goldhamster | 13.06.2019, 16:38 Antworten

          Ich habe vor über 10 Jahren mit dem direkten Sammlen begonnen. Seinerzeit konnte man nur im Leipziger Süden kaufen.
          Die dort ausscheidenden Mitarbeiter fanden in der Nähe des Kaffeebaums einen Job. Anfangs noch wie im Hinterhaus im 1.OG und eine "Stiege" bis zur gesicherten Tür rechts. Der Warteraum dahinter hatte den Charme einer Mitropa-Wartehalle. Die einerseits geschassten Arbeitnehmer fanden im Expansionsrahmen der Österreicherfirma ein Anstellung. Schön für diese Leute und ich freue mich für diese. Nach letztem Kauf stellte ich eine zunehmende Borniertheit der Verkäufer fest, wenngleich meine Kaufsummen immer 5-stellig waren. War es Neid, Frust oder nur eigene Unzufriedenheit nicht zur Käuferschicht zu gehören?
          @ Ares - Gehören Sie etwa zu einem Konkurrenten von philoro in Leipzig? Man man man, offensichtlicher geht es nicht. NEIN Ich bin nur ein einfacher Investor mit Kapitalanlage und ohne wirtschaftliche Beziehungen in diese Branche. Als Käufer
          erwarte ich mehr Kompetenz, als ein paar Barren/Münzen rübergeschoben oder deren Werbeprospekte zu bekommen. Übrigens hatte ich kein anderes Unternehmen namentlich genannt oder beworben. Übrigens werden Sie selbst bei kleinen Händlern wie auf der Seeseite von Konstanz kompetenter bedient.

      • von Ares | 13.06.2019, 12:11 Antworten

        Es ist immer wieder ein Genuss die Kommentare zu lesen :)
        Goldhamster, von 6 Kommentaren wurden 3 von Ihnen verfasst. Und Sie reagieren wirklich sehr schnell auf neue (positive) Bewertungen. Gehören Sie etwa zu einem Konkurrenten von philoro in Leipzig? Man man man, offensichtlicher geht es nicht. Ich bin zufriedener philoro Kunde, nicht aufgrund des Preises, sondern wegen dem Service, der Beratungskompetenz und vor allem vertraue ich dem Unternehmen.

        Naja zurück zum Artikel. Es überrascht mich nicht, dass die Schweizer Edelmetalle als Investment gegenüber anderen Anlagemöglichkeiten präferieren. Schweizer Banken haben ausländischen Banken Unsummen an Geld geliehen. Kommt es aufgrund von Wirtschaftskrisen zu Bankenpleiten und damit zu Zahlungsausfällen, heißt es auch für die ach so "sichere" Schweiz gute Nacht.

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