Stand: 02.02.2018 von Egmond Haidt 7 Kommentare

Obwohl die US-Notenbank die Zinsen kräftig erhöht, während die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump die Wirtschaft deutlich ankurbelt, ist der Dollar auf Talfahrt. Zuletzt hat Trump so getan, als ob er langfristig an einem starken Dollar interessiert sei. Die Aussage ist aber reine Propaganda.

Am 31. Januar hat Janet Yellen ihre letzte Sitzung als Chefin der US-Notenbank FED geleitet, ehe am 4. Februar ihr Nachfolger Jerome Powell das Ruder übernehmen wird.

Die jüngste Sitzung hat nur für leichte Ausschläge bei der Goldpreisentwicklung gesorgt. Dabei hatte sich die Fed etwas falkenhafter gegeben, also in Richtung einer stärkeren Verschärfung der Geldpolitik, als viele Experten erwartet hatten.

„Es wird erwartet, dass die Inflation in diesem Jahr auf Sicht von zwölf Monaten steigt“,

schrieben die Fed-Mitglieder in ihrer Pressemeldung. Im September hatten sie noch betont, dass die Inflation auf kurze Sicht unter der Marke von zwei Prozent bleiben werde. Zudem seien die Inflationserwartungen in den vergangenen Monaten gestiegen.

Das hatte ich zuletzt ausführlich thematisiert. Die jüngsten Aussagen haben bei etlichen Investoren die Sorge geschürt, die Fed könnte unter Powell die Zinsen im laufenden Jahr möglicherweise stärker erhöhen, als um jene drei Mal, die die Notenbank bislang signalisiert hat. Dennoch hat sich der Goldpreis gut gehalten.

Trump will einen schwachen Dollar

Neben den US-Zinsen dürfte auf mittlere und lange Sicht vor allem die Entwicklung des Dollar von großer Bedeutung für den Goldpreis sein. Zuletzt war der Greenback deutlich unter Druck gekommen, nachdem US-Finanzminister Steven Mnuchin auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos gesagt hatte, dass er mit dem sinkenden Dollar kurzfristig kein Problem habe und damit nicht nur EZB-Chef Mario Draghi gegen sich aufgebracht hatte.

Im Klartext:

Mnuchin strebt nicht nur kurz-, sondern auch langfristig einen schwachen Dollar an. US-Präsident Donald Trump ist seinem Finanzminister daher schnell beigesprungen und hat versucht die Wogen zu glätten.

„Der Dollar wird immer stärker werden und schlussendlich will ich einen starken Dollar sehen“, sagte Trump.

Diese Aussage ist eine reine Erfindung, nichts als Propaganda. Die Investoren haben den Bluff allerdings schnell durchschaut, weshalb die Erholung des Dollar nur von kurzer Dauer war, woraufhin er wieder nach unten gedreht ist.

Im Gegensatz zu den Vorgängerregierungen, die zwar öffentlich immer bekundet hatten, sie seien Anhänger eines starken Dollar, während sie aber mit jeder Maßnahme versucht haben, ihn zu schwächen, - wozu vor allem die gigantische Staatsschuldensause und das massive Gelddrucken beigetragen haben -, hat Trump vor und nach seiner Wahl wiederholt offen gesagt, dass er ein Anhänger niedriger Zinsen und eines schwachen Dollar ist.

Niedrige Zinsen bevorzugt

Diese Einstellung hat sich trotz seiner jüngsten Beteuerung keineswegs geändert - Trump war, ist und wird ein Anhänger eines schwachen Dollar bleiben. Das sollte auf mittlere und lange Sicht dem Goldpreis Rückenwind geben.

„Ich muss ehrlich sein, ich bin eine Niedrig-Zins-Person. Wenn wir (die Fed) die Zinsen erhöhen und der Dollar zu stark wird, werden wir sehr große Probleme haben“, sagt Trump am 11. Mai 2016 in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC.

Damals lag der Dollar Index, der die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro, Yen, Schweizer Franken und britischem Pfund widerspiegelt, mit 94,6 Punkten praktisch auf dem gleichen Niveau wie 1994.

Von einer Dollar-Stärke gab es absolut keine Spur. Egal wo der Dollar steht, er ist Trump immer zu stark, weshalb er praktisch bei jeder Gelegenheit versucht, ihn zu schwächen, denn auf diese Weise will er die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen im Export verbessern.

Denn bei einem sinkenden Dollar werden US-Produkte im Ausland günstiger, während ausländische Produkte in den USA teurer werden. So will Trump das gigantische Außenhandelsdefizit der USA von rund 800 Mrd. Dollar pro Jahr verringern.

Trumps Maßnahmen belasten den Dollar

Welche Einstellung Trump tatsächlich gegenüber dem Dollar hat, sagte er am 12. April 2017, also wenige Monate nach seinem Amtsantritt, einmal mehr ganz offen.

„Ich muss ehrlich sein, ich mag eine Niedrigzinspolitik“, sagte Trump gegenüber dem Wall Street Journal. „Ich denke, dass unser Dollar zu stark wird, und teilweise ist das mein Fehler, weil die Leute Vertrauen in mich haben. Aber das ist eine Belastung, es wird schlussendlich belasten. Ein starker Dollar bringt zwar ein paar sehr gute Sachen, aber das Beste daran ist, dass es sich gut anhört.“

Als Trump das gesagt hatte, hatte die Talfahrt des Dollar gerade begonnen. Mit seinen weiteren Maßnahmen dürfte der US-Präsident dafür sorgen, dass der Greenback noch deutlich schwächer wird.

Trump dürfte schon bald Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus dem Ausland einführen und damit den Handelskrieg mit China und anderen Ländern weiter anheizen. Spannend wird zudem sein zu sehen, wie Trump reagiert, wenn die Zinsen in den USA weiter kräftig steigen sollten, wodurch die Zinsbelastung des Staates allmählich zunimmt. Trump hat nicht nur Powell zum Fed-Chef nominiert, sondern wird im Laufe des Jahres mehr neue Fed-Mitglieder ernennen, als selten ein Präsident vor ihm.

Damit nimmt Trumps Einfluss auf das Gremium deutlich zu, weil sie nur dank Trumps Wohlwollen den Posten bekommen. Da sollte man es sich besser zwei Mal überlegen, ob man die Zinsen kräftig anheben will, oder?

Goldkurs 1 Jhar Goldpreis in US-Dollar Stand01/2018

Obwohl Trump zuletzt ausnahmsweise das Gegenteil beteuert hat, setzt er ohne Wenn und Aber auf einen schwachen Dollar. Wie sehr hiesige Anleger in dem Umfeld von der Entwicklung des Goldpreises profitieren werden, hängt allerdings auch davon ab, wie sich der Euro gegenüber dem Dollar entwickelt.

Weil der Euro in den vergangenen Quartalen kräftig gestiegen ist, notiert der Goldpreis auf Euro-Basis zur Enttäuschung vieler Anleger auf dem gleichen Niveau wie im Februar 2015.

Gold - Investoren durchschauen schnell Trumps Dollar -Lüge
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [7]
  • von Goldmann | 06.02.2018, 13:26 Antworten

    Gold Silber Platin im grünen Bereich.
    Alles aus Papier im tiefen Fall.....
    Das was mir vor 18 Jahren passierte wünsche ich Keinen!
    Staune nur das immer noch welche mitmachen.

  • von Schnulli | 06.02.2018, 09:36 Antworten

    Dem stimme ich voll zu. Aber es sei vermerkt das der Euro auch keine starke Währung ist. Der Euro wird mit billigen Geld der EZB stabil gehalten und nur weil die Amis noch viel mehr schulden haben als die Europäer ist das kein Grund zur Freude. Die faulen Kredite der EZB werden früher oder später auch platzen. Denn wo soll denn das Geld herkommen.... ja ... aus der Druckerpresse. Aber hat es dann auch noch den selben wert??? Und wenn ich sehe das mit eben diesem Geld von EZB oder FED der Goldpreis an der Börse manipuliert wird. Da bekomme ich echt einen würgereiz...........Ich werde jedenfalls weiterhin Gold und Silber kaufen. Damit kann ich dann die Inflation etwas mindern oder gar ausblenden.

    • von blo-rakane | 06.02.2018, 10:10 Antworten

      Sie haben Recht! Das ganze Fiat-Geld hat nicht mehr die Funktion ,was Geld einmal hatte. Und zwar war das Geld als Tausch- und Zahlungsmittel/Geld als Recheneinheit Geld /als Wertaufbewahrungsmittel.
      Aber das heutige Geld hat die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel keine Glaubwürdigkeit mehr. EM ist aus meiner Sicht neben anderen Sachwerten das ultimative Wertaufbewahrungsmittel eines Vermögen. Natürlich , soll das der Michel nicht wissen, sonst würde das Bank/Versicherungssystem kollabieren. Ergo , steht für die Politik, die als willfähriger Vasall zu Verfügung steht, als Priorität auf ihrer Agenda---->Volksverdummung bzw. die „ Doof-Sedierung“. Fast vergessen, BC Stand 10:05 Uhr ?.4.935,11 EUR ;-))

  • von Christian G | 04.02.2018, 18:47 Antworten

    "Weil der Euro in den vergangenen Quartalen kräftig gestiegen ist, notiert der Goldpreis auf Euro-Basis zur Enttäuschung vieler Anleger auf dem gleichen Niveau wie im Februar 2015".

    Wo soll die Entäuschung sein? Der Euro ist Stabil (was man auch am Goldkurs in Euro sieht). Nur weil der Dollar schwächer wird, braucht man mehr davon, um Euros zu kaufen. Goldpreis in Dollar ist für uns Europäer genauso wichtig wie in Yuan, Rubel, oder was auch immer. Wenn der Dollar auf ein 10tel Euro fällt, kostet die Unze eben nicht mehr 1300 Dollar, sondern 13000 Dollar, zurückgerechnet in Euro... keine Veränderung.
    Das einzige, was den Wert von Gold beschreibt ist der Markt, also Angebot und Nachfrage. Alles andere ist nur Preis und Währungsdifferenzen.

  • von Karl Goldstein | 02.02.2018, 16:47 Antworten

    2018 ist ein Goldeinkaufsjahr mit starkem Euro

    • von Bronki | 05.02.2018, 06:42 Antworten

      Denke auch so bei Gold, aber habe auch ein Auge auf Silber...könnte echt abgehen die nächsten Jahre ....heute braucht man die doppelte Menge Diesel für die gleiche Ausbeute wie 2007 ! Was wird in 5 oder 10 Jahren sein ?

    • von Christian G | 04.02.2018, 18:49 Antworten

      Die Frage ist nur wann... Jetzt, oder auf unter 1000 Euro warten? Fragen über Fragen.

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