Stand: 05.11.2014 von Mr. Gini 1 Kommentare

Derzeit wird ja oft schon das voreilige Ende der Eurokrise ausgerufen. Die Verantwortlichen in Brüssel werden jedenfalls nicht müde, massenmedial das Ende der Krise auszurufen. Besonders erwähnenswert ist in dem Zusammenhang ein Artikel von Andreas Hoffmann im "Stern".

Angebliches Ende der Krise

Herr Hoffmann verriet den Lesern des Magazins das Geheimnis, dass die Eurokrise nun vorbei sei. Das Vertrauen in den Kontinent sei zurückgekehrt. Das Ende der Krise sei allen voran der EZB zu verdanken. Mario Draghi habe den Euro gerettet und das Vermögen der Deutschen auch. Herr Hoffmann ging sogar so weit, den Bau eines Denkmals für Herrn Draghi zu fordern.

Naja, vielleicht ist Herr Hoffmann etwas voreilig mit seinem Postulat gewesen. In diesen Tagen zeigt sich sehr deutlich, dass die Eurokrise alles andere als beendet ist. Das räumte ja selbst die Bundeskanzlerin in der Regierungserklärung am 16.10.2014 im Deutschen Bundestag ein

Wo stehen wir wirklich?

Höchst interessant ist jedenfalls, dass Herr Hoffmann sicherlich schwerlich das Ende der Krise auserufen hätte, wenn er die Ausführungen vom Präsidenten des ifo-Instituts München, Professor Hans-Werner Sinn, in seinem Anfang 2014 im Redline-Verlag erschienen Buch "Gefangen im Euro" gelesen hätte. Darin stellt Herr Sinn auf den Seiten 113ff die Frage, ob die Eurokrise nun endgültig vorbei und ein für allemal überwunden sei. Also, Prof. Sinn zufolge sei die Eurokrise keinesfalls überwunden. Im Gegenteil, sie schwele im Hintergrund unverändert weiter und vernichte die Lebenschancen der jungen Menschen in den Krisenstaaten im Süden des Kontinents.

Gleichzeitig werde auch ein erheblicher Teil des Wohlstands der Deutschen vernichtet, so das Fazit des angesehenen Top-Ökonomen.

Scheinbare Beruhigung der Lage

Herr Sinn bringt klar auf den Punkt, dass insbesondere Politik und Medien das Ihrige tun würden, um die Bürger in falscher Sicherheit zu wiegen. Die meisten Menschen würden übersehen, dass die Märkte nur deshalb beruhigt werden konnten, weil die deutschen Steuerzahler und Rentner die Schulden der Krisenstaaten im Süden des Kontinents mit neuen Krediten ausgelöst hätten. Leider müsse dafür zu einem späteren Zeitpunkt die teure Zeche bezahlt werden. Ohne wenn und aber.

Herr Sinn stellt klar fest, dass wir keinesfalls im Schlaraffenland leben würden. Ganz im Gegenteil. Alles sei knapp auf der Welt. Ressourcen, die der eine hat, kann der andere nicht gleichzeitig ebenfalls sein eigen nennen. Diese Knappheit und Rivalität im Ressourchenverbrauch müsse unbedingt durch die Knappheit des Geldes widergespiegelt werden.

Lasten in die Zukunft verschoben

Prof. Sinn beklagt in dem Kontext, dass bei der gesamten Rettungspolitik gegen dieses Postulat verstossen worden sei. Es werde so getan, als ob das Geld auf den Bäumen wachsen würde. Wahr sei, so Sinn, dass das Geld den kommenden Generationen weggenommen werde. Das sei der übliche bequeme Ausweg der Politik im Verteilungsstreit. Es werde den Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Investmentgesellschaften aus aller Welt geholfen. Zweifelsohne üben diese auf die Regierungen sehr hohen Druck aus.

Auf Kosten künftiger Generationen

Hinzu käme, dass die Politik die deutschen Steuerzahler heute nicht belasten wolle. Das würde die Wiederwahlchancen massiv reduzieren. Insofern werde der Weg gewählt, dass die künftigen Generationen belastet werden, indem man sich selbst verschulde und den Krisenländern im Süden des Kontinents extrem langfristige und kaum verzinste Kredite gewährt werden. Deren Wert verdampfe mit der Inflation schneller als der Wert der Schulden, die auf die Kinder übertragen werden. Denn, und das ist laut Prof. Sinn der entscheidende Unterschied, diese Schulden würden im Gegensatz zu den öffentlichen Krediten zu marktüblichen Konditionen aufgenommen.

Kurzum, die Eurokrise ist nicht gelöst, geschweige denn vorbei. Im Gegenteil, die Probleme sind vertagt, und die Lasten werden die künftigen Generationen tragen müssen. Wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte, das beschreibt Herr Sinn in seinem Buch auch. Dazu aber später mehr.

Ist die Eurokrise vorbei? Angebliches Ende der Krise!
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [1]
  • von H. Müller | 07.11.2014, 17:21 Antworten

    Hier wird nur noch gelogen und betrogen !!
    Der Euro dürfte in seiner jetzigen Form nicht zu retten sein ich gehe von einem Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung aus.
    Wenn man sich nur einmal die schuldenuhren der einzelnen Staaten ansieht kann man zu keinem anderen Schluss kommen.
    Hohe Arbeitslosigkeit in den Südländern und in Frankreich und Italien läuft auch alles neben der Spur.
    Zum Schluss noch der Handelskrieg ( Sanktionen ) gegen Russland.
    Die Probleme in der Ukraine werden sich auch noch verschärfen.
    In diesem Sinne rettet was zu retten ist.

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