Stand: 16.11.2018 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Dass Italien ein viel größeres Risiko für den Euro ist als es Griechenland jemals war, ist vielen Anlegern schon lange klar. Umso besorgniserregender sind die Vorgänge in Italien. Hingegen hat der Goldpreis zuletzt ein paar Lebenszeichen gesendet.

Einen kleinen Kurshüpfer hat der Goldpreis zuletzt gemacht: Grund waren die Kursturbulenzen am US-Aktienmarkt, während die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen kurz eingeknickt sind. Für die Turbulenzen beim S&P500 hatte eine Aussage von US-Vizepräsident Mike Pence gesorgt.

Er hatte China mit einem „totalen kalten Krieg“ gedroht, sollte das Land seine Politik nicht grundsätzlich ändern. Mit derartigen Aussagen verschärft sich der Handelskrieg weiter, womit sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft noch mehr eintrüben. Das sind nicht nur für den S&P500 schlechte Nachrichten, sondern gerade auch für den DAX mit seinen vielen exportabhängigen Unternehmen.

Italien will weiter kräftig Schulden machen

Viele Investoren haben nicht nur den Handelskrieg, sondern auch die Entwicklung zwischen Italien und der EU-Kommission genau im Auge. Nachdem die Kommission den Haushaltsentwurf Italiens für 2019 in einem einmaligen Vorgang abgelehnt hatte, hat das Land am vergangenen Dienstag zu später Stunde der Kommission einen „neuen“ Entwurf übermittelt. Abgesehen von ein paar kosmetischen Änderungen ist jedoch Alles beim Alten geblieben.

So soll die Neuverschuldung im nächsten Jahr weiterhin auf 2,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigen, gegenüber geplanten 1,6 Prozent für 2018. Dabei hatte die Kommission die Annahmen Italiens zum Wirtschaftswachstum zuletzt als zu optimistisch bezeichnet, weshalb das Haushaltsdefizit statt auf 2,4 auf 2,9 Prozent steigen werde.

Italien erpresst die Euro-Zone

Entgegen der Hoffnung vieler Investoren hält die neue italienische Regierung aber an ihrem Kurs fest, ist sie sich doch des Erpressungspotenzials gegenüber Brüssel und damit gegenüber Deutschland sehr bewusst.

Die EU kann keinen starken Druck auf Italien ausüben, sonst droht das Land seine Schulden nicht mehr zu bezahlen, womit es zu einer Bankenkrise in Italien und damit in der gesamten Euro-Zone kommen würde – ein beängstigendes Szenario.

Geldpolitik der EZB - alle Argumente einfach erklärt

Wieso vor diesem Hintergrund die Zinsen für zweijährige italienische Anleihen bei nur 1,3 Prozent liegen, ist mir unerklärlich. Das Einzige, das Italien zur Vernunft bringen kann, ist der Anleihenmarkt. Wenn viele Investoren ihre Papiere auf den Markt werfen würden, würden die Zinsen nach oben schießen, womit Italien wahrscheinlich doch einen „Plan B“ entwickeln würde. Ansonsten müsste die EZB die Geldpressen wieder schneller laufen lassen – eine irrwitzige Aussicht nach dem jahrelangen massiven Gelddrucken.

„Die Überraschung für die Märkte könnte nächstes Jahr sein, dass die EZB sie (die Anleihekäufe) nicht auslaufen lässt“, sagte Georg Schuh, DWS-Investment-Chef für Europa, den Nahen Osten und Afrika.

Kein Wunder, dass vor dem Hintergrund die Konjunkturdaten für Italien kollabieren, beispielsweise die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und den Dienstleistungssektor.

Wirtschaft der Euro-Zone schwächelt bedenklich

Die Italien-Krise verstärkt den Abwärtsdruck auf den Euro, dabei hat er durch den Handelskrieg bereits mehr als genügend Gegenwind. Weil Investoren der Überzeugung sind, dass die US-Wirtschaft den Handelskrieg deutlich besser überstehen dürfte als exportabhängige Volkswirtschaften, wie China, oder Deutschland, kaufen die Anleger Dollar, woraufhin er gegenüber dem Euro steigt.

Die zunehmend schwachen Konjunkturdaten aus der Euro-Zone zeigen, wie sehr sie bereits in die Bredouille gekommen ist. Die Wirtschaft der Euro-Zone ist um drittel Quartal um lediglich 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, die deutsche Wirtschaft ist sogar um 0,2 Prozent geschrumpft. Deshalb senken die Experten reihenweise die Prognose für das Wirtschaftswachstum hierzulande für 2018 und 2019.

Enormer Kaufkraftverlust

Die Talfahrt des Euro heizt die Inflation an, womit die Kaufkraft der Deutschen sinkt. So ist die Inflationsrate im Oktober auf 2,5 Prozent gestiegen, das ist der höchste Wert seit September 2008. Gleichzeitig liegen die Zinsen für einjährige Bundesanleihen bei minus 0,66 Prozent. Der Realzins liegt als bei minus 3,16 Prozent! So groß ist zumindest laut der offiziellen Inflationsrate der Rückgang der Kaufkraft. Dass die tatsächliche Inflation angesichts stark steigender Mieten deutlich höher sein dürfte, sei nur am Rande erwähnt.

Der Realzins wird errechnet, indem man vom Nominalzins die Inflationsrate abzieht. Dieser negative Realzins ist der Preis dafür, dass die Schuldensause in Italien und manchen anderen Ländern weitergehen kann.

Die Talfahrt des Euro dürfte aus den obigen Gründen weitergehen. Das stützt den Goldpreis auf Euro-Basis. Ich werde daher die Entwicklung bei Handelskrieg, US-Aktienmarkt und Goldpreis weiter genau im Auge haben.

Italien-Krise beschleunigt Talfahrt des Euro
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [6]
  • von Lohnstückkosten | 17.11.2018, 18:57 Antworten

    So ein BWL-Unsinn; das macht Kopfschmerzen, sollte da was drin sein! Deutschland hat viel zu niedrige Löhne, relativ zur Produktivität. Seit der EU ist die Inflation in DE viel zu niedrig; bin kein Fan, aber das ist das EINZIEGE Ziel der Währungsunion, 1,9%! Das macht dann die anderen Länder kaputt. Also vor Weihnachten mal zum Chef! Aber, will man dann 2% aufs Konto oder lieber -2%? In Deutschland macht ja keiner mehr Schulden, wo sollen die % her? Geld drücken? Ach ja, die EUR Talfahrt geht anscheinend aufwärts? Bin schon fast bereit einfach gegen diesen Autor zu wetten; nix für ungut!

  • von Klaus Kaminskie | 16.11.2018, 12:48 Antworten

    Draghi kauft italiens Staatsanleihen ohne Ende mit unserem Geld

  • von Heinz Herrstatt | 16.11.2018, 12:45 Antworten

    Die EZB wird alle Schulden mit dem Geld der Sparer aufkaufen

    • von Aska | 16.11.2018, 17:11 Antworten

      Welchen Sinn hat es also Sparer zu sein ?

  • von blo-rakane | 16.11.2018, 09:20 Antworten

    Was soll man dazu noch sagen. Das gescheiterte Experiment „EURO“, welches die Politik ins Leben gerufen hat, gehört mittelfristig der Vergangenheit an. Man kann nicht mit der „Brechstange“ verschiedene Volkswirtschaften und deren Dynamik, in ein „Währungskorsett „stecken.
    Die dadurch resultierenden Zerreißkräfte müssen früher oder später zwangsläufig den Euro destabilisieren bzw. zerreißen.
    Gruß an die Gold.de Leser

    • von Maxmaxine | 16.11.2018, 11:08 Antworten

      Absolut! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen!

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany