Stand: 24.05.2018 von Egmond Haidt 16 Kommentare

Vielen Steuerzahlern und Sparern aus Deutschland ist schon lange klar, dass nicht Griechenland, sondern Italien wegen seines immensen Schuldenbergs der größte Risikofaktor für den Euro ist. Mit der neuen italienischen Regierung dürfte der schlimmste Albtraum der Euro-Besitzer wahrwerden.

Neue Regierung in Italien verschärft Schuldensituation

Auf Mehr-Monats-Tiefs ist der Euro gegenüber dem Dollar (siehe EUR USD Wechselkurs) eingebrochen. Nachdem er in den vergangenen Wochen vor allem Gegenwind hatte, weil die US-Zinsen im Vergleich zu jenen für Bundesanleihen kräftig gestiegen sind, womit sich der Zinsaufschlag stark ausgeweitet hat, verstärkt nun ein weiterer Belastungsfaktor die Talfahrt des Euro: die neue italienische Regierung. Die linksgerichtete Fünf-Sterne-Bewegung mit ihrem Chef Luigi Di Maio und die Lega-Partei mit ihrem Chef Matteo Salvini wollen trotz der immensen Verschuldung Italiens von Sparen absolut nichts wissen, sondern streben eine Schuldenexplosion an.

Flucht aus italienischen Anleihen

Deshalb haben Investoren begonnen aus italienischen Anleihen zu flüchten, woraufhin deren Zinsen nach oben schießen, was im Gegenzug den Euro mit nach unten reißt. Die verantwortungslose Politik der neuen Regierung wird damit zum Problem für sämtliche Besitzer von Euro, gerade auch für die Deutschen. Diese Entwicklung und damit die Turbulenzen am Anleihen- und Währungsmarkt haben den Goldpreis zuletzt ein wenig gestützt.

Gewaltige Schuldenschwemme

Die neue Regierung hat unglaubliche Pläne: "Die Lega will mit Blick auf ihre Wähler im Norden eine Flat Tax mit 15 Prozent bis zu einem Einkommen von 80.000 Euro und darüber mit einem Steuersatz von 20 Prozent einführen. Weitere Steuererleichterungen für Unternehmen sind angedacht. Die Kosten hierfür werden auf knapp 70 bis 80 Mrd. Euro beziffert", schrieb Stefan Mütze, Analyst bei der Helaba. "Die Fünf-Sterne-Bewegung hat ihren Wählern im Süden ein "Bürgergeld" von 780 Euro je Erwachsenen versprochen. Die erwarteten jährlichen Kosten von 17 Mrd. Euro dürften bei weitem nicht ausreichen, realistische Berechnungen kommen etwa auf das Doppelte", fügte Mütze hinzu.

Zudem wollen die beiden Parteien die Frühverrentung der früheren Sozialministerin Elsa Fornero abschaffen. "Sollten alle Pläne umgesetzt werden, dürften sich die Gesamtkosten auf mindestens 100 Mrd. Euro (rund 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) belaufen", so Mütze. 100 Mrd. Euro neue Schulden pro Jahr für ein Land, das bereits 2,3 Billionen Euro Schulden hat! Damit ist Italien "Spitzenreiter" in der Euro-Zone.

Gleichzeitig belaufen sich die Schulden auf horrende 132,0 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – das ist der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone. "Diese bizarre Koalition aus links- und rechtspopulistischen Parteien ist im Fell gefärbt Euro-kritisch, zeigt einen unverhohlenen Drang zum schuldenfinanzierten (Sozial-)Schlaraffenland und lehnt dringend erforderliche Maßnahmen zur Steigerung der italienischen Wettbewerbsfähigkeit ab", schrieb Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Mini BOTs sollen es retten – Regierung droht mit Ausstieg aus Euro

Die neue Regierung hat zudem eine weitere "gute" Idee: so sollen Staatsanleihen eingeführt werden, die Experten als verkappte Parallelwährung zum Euro kritisieren. Mit diesen sogenannten "Mini-BOTs" will der klamme Staat ausstehende Rechnungen bei Unternehmen bezahlen. Die Partner sind der Überzeugung, dass durch die Einführung der Mini-BOTs die Staatsverschuldung nicht steigen würde – welch abstruser Gedanke. Was ist es denn sonst, wenn man Anleihen ausgibt, als Schulden zu machen? Die Regierung zeigt damit ganz offen, dass für sie eine solide Fiskalpolitik, die die Basis für solides Geld ist, keinerlei Rolle spielt. Und die Regierung droht damit unverhohlen mit dem Ausstieg aus dem Euro.

Deutsche Professoren warnen vor Haftungsunion

Umso bemerkenswerter ist ein Aufruf von 154 deutschen Wirtschaftsprofessoren die davor warnen, die europäische Währungs- und Bankenunion zu einer Haftungsunion auszubauen. Die in der Berliner Koalitionsvereinbarung erwähnten Vorschläge des französischen Präsidenten (Emmanuel) Macron und des EU-Kommissionschefs Jean-Claude Juncker würden hohe Risiken für europäische Bürger bergen. "Wenn die Einlagensicherung für Bankguthaben wie geplant vergemeinschaftet wird, werden auch die Kosten der Fehler sozialisiert, die Banken und Regierungen in der Vergangenheit begangen haben", schrieben die Professoren. 

Im Klartext: Die deutschen Steuerzahler würden für die faulen Kredite der ausländischen Banken geradestehen müssen. Zur Erinnerung: Laut der EZB haben die Banken der Euro-Zone fast eine Billion Euro an faulen Krediten. Rund 285,0 Mrd. davon entfallen auf italienische Institute.

"Ein Europäischer Finanzminister mit Fiskalkapazität würde als Gesprächspartner der EZB dazu beitragen, dass die Geldpolitik noch stärker politisiert wird. Die sehr umfangreichen Anleihekäufe der EZB (2.550 Mrd. Euro bis September 2018) kommen schon jetzt einer Staatsfinanzierung über die Zentralbank gleich", betonten die Wirtschaftsprofessoren.

Sollte die italienische Regierung nicht schnell zur Vernunft kommen, könnte die Euro-Krise rapide eskalieren. In dem Umfeld könnten die Turbulenzen vom Anleihen- und vom Währungsmarkt ziemlich schnell auf den Aktienmarkt überschwappen. Ob in dem Umfeld Investoren eventuell in den sicheren Hafen Gold (mehr dazu unter Gold kaufen) flüchten könnten, werden die nächsten Monate zeigen.

Italien löst die nächste Euro-Krise aus
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [16]
  • von Günter | 06.06.2018, 11:09 Antworten

    Ich möchte hierzu die treffende Aussage einer deutsche EU-Abgeordneten zitieren:"Die Italiener sind sehr nette Kollegen. Wenn man ihnen jedoch nicht ständig auf die Finger schaut, dann ist der eigene Geldbeutel sofort weg und im nächsten Augenblick auch schon ausgegeben."

    • von Pizza | 08.06.2018, 10:25 Antworten

      Das sind schon heftige Worte für eine Abgeordnete, aber wie immer schön politisch-korrekt verpackt. Man sollte lieber auf den eigenen Geldbeutel schauen; oder auf seine Gedanken und vielleicht auch manchmal einfach den Mund halten.

      • von Goldfinger | 08.06.2018, 12:47 Antworten

        Ich hatte genau an dieser Stelle schon einmal nach dem Namen dieser angeblichen Abgeordneten gefragt. Leider wurde diese Frage durch die Redaktion weg zensiert. Kritische Nachfragen scheinen hier nicht gern gesehen zu sein.

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