Stand: 03.05.2019 von Egmond Haidt 10 Kommentare

Nach der Fed-Sitzung ist der Goldpreis auf Berg- und Talfahrt gegangen. Ebenso wie für Fed-Chef Jay Powell ist auch für IWF-Chefin Christine Lagarde die niedrige Inflation ein wichtiges Thema. Viele Verbraucher und Sparer dürften jedoch völlig anderer Meinung sein als Powell und Lagarde.

Mit den Ergebnissen der Sitzung vom 1. Mai hat die US Notenbank viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, was für deutliche Kursauschläge bei Aktien, Anleihen, Währungen und Edelmetallen gesorgt hat. Einerseits hat die Fed überraschend die Zinsen für Überschussreserven um fünf Basispunkte (0,05 Prozentpunkte) auf 2,35 Prozent gesenkt.

Damit will die Fed diesen Zinssatz in der Nähe der Leitzinsen von 2,25 bis 2,5 Prozent halten und die Banken dazu bewegen, verstärkt Kredite zu vergeben, anstatt das Geld bei der Notenbank zu parken. Die Überschussreserven bezeichnen jenen Betrag, um den das Geldguthaben einer Bank bei der Fed die vorgeschriebenen Mindestreserven übersteigt. Auf diese Ankündigung hin waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und der Dollar kurz eingeknickt, weil Investoren das als Signal interpretiert haben, dass die Fed im Laufe des Jahres die Leitzinsen senken könnte.

Inflationsrückgang soll nur "vorübergehend" sein

Anschließend ging es aber bei den Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und dem Dollar umso kräftiger nach oben, während der Goldpreis deutlich nachgegeben hat und mit Kursen von rund 1.270 Dollar je Unze auf neue Vier-Monats-Tiefs gesunken ist. Grund war die Aussage von Fed-Chef Jay Powell, dass der Rückgang bei der Kerninflation "vorübergehend" sei. Damit hat Powell die Erwartung für eine Zinssenkung etwas gedämpft.

Die Kerninflation ist die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate. Sie war in den vergangenen Monaten trotz des kräftigen Anstiegs des Ölpreises immer weiter gesunken und lag zuletzt bei nur mehr 1,6 Prozent. Damit hat sie sich immer weiter vom Inflationsziel der Fed von zwei Prozent entfernt, weshalb Investoren zwischenzeitlich von einer Zinssenkung ausgegangen waren. Diese Hoffnung ist nach der jüngsten Fed-Sitzung zwar etwas gedämpft worden, dennoch erwarten Anleger weiterhin eine Zinssenkung für das Jahr 2019.

Powell und viele Fed-Mitglieder haben sich zuletzt verwundert über den Inflationsrückgang gezeigt. Er sei "einer der großen Herausforderungen unserer Zeit", hatte Powell zuletzt gesagt. Das hatte bei Investoren die Hoffnung auf eine Zinssenkung selbst im Umfeld einer gutlaufenden Wirtschaft geschürt.

IWF wünscht sich viel höhere Inflation

Ebenso wie Powell zeigte sich auch Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zuletzt verwundert über die sehr niedrige Inflation, nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern, wie Deutschland (Artikel Inflation Deutschland). "Das ist ein großes Mysterium", sagte Lagarde. Eigentlich müsse die sehr niedrige Arbeitslosenquote für kräftig steigende Löhne sorgen und damit die Inflation anheizen.

"Jedermann hätte gerne etwas höhere Inflation" – Christine Lagarde, IWF

"Jedermann hätte gerne etwas höhere Inflation", sagte Lagarde. Einspruch! Mit "jedermann" können nur ein paar verwirrte Volkswirte beim IWF, der Fed, oder der EZB gemeint sein, die Investoren seit Jahren die Mär verkaufen, dass bei einer Inflationsrate von zwei Prozent die Wirtschaft deutlich besser laufen würde als bei einer niedrigeren Rate.

Die zwei Prozent sind allerdings eine Erfindung der Fed und der anderen Notenbanken. Sie haben als Mandat stabile Preise, eine Inflationsrate von zwei Prozent ist allerdings das Gegenteil von stabilen Preisen. Eine derartige Rate bedeutet, dass die Preise innerhalb von zehn Jahren um insgesamt 21,9 Prozent steigen, das entspricht einem Kaufkraftverlust von 18,0 Prozent. Das ist das Letzte, was sich Verbraucher und Sparer wünschen können.

IWF strebt Abschaffung des Bargeldes an

Es gibt nur einen einzigen Grund, warum der IWF eine möglichst hohe Inflationsrate anstrebt: der weltweit gigantische Schuldenberg, der durch eine möglichst hohe Inflation entwertet werden soll. Er ist laut dem Branchenverband Institute of International Finance (IIF) im vergangenen Jahr um umgerechnet 3,3 Billionen Dollar auf den Rekord von 248 Billionen Dollar gestiegen. Das sind 317 Prozent der jährlichen Leistung der Weltwirtschaft, was in der Nähe des Rekordhochs liegt. Das ist eine enorme Last für die Weltwirtschaft.

Dieser astronomische Schuldenberg, der durch die Null- und Strafzinsen der Notenbanken am Leben gehalten wird, soll durch die Inflation entwertet werden. Deshalb beschweren sich Lagarde, Powell und EZB-Chef Mario Draghi andauernd über die angeblich zu niedrige Inflation und wollen sie mit allen Mitteln anheizen. Um Strafzinsen allerdings durchsetzen zu können, müsste das Bargeld abgeschafft werden. Das können Sie in dem Beitrag "Gold: IWF schlägt Steuern auf Bargeld vor" nachlesen. Dass die tatsächliche Inflation viel höher ist als die offiziell ausgewiesene, weiß jeder, der Einkaufen geht, oder seine Miete bezahlen muss.

Nach der Fed-Sitzung werden sich Investoren die nächsten Inflationsdaten aus den USA umso genauer anschauen. Sollte die Inflationsrate niedriger als erwartet ausfallen, dürften die Investoren trotz Powells Beteuerungen verstärkt auf eine Zinssenkung setzen. In dem Umfeld wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

IWF-Chefin Lagarde beklagt zu niedrige Inflation
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [10]
  • von J. Huber Dipl. Betriebswirt | 06.05.2019, 14:59 Antworten

    Diesen Leuten ist die Inflation egal, deren Gehälter werden eben dann großzügig angepasst.
    Erzählen Sie mal das den Rentnern bei den Nullrunden oder den Unternehmen, die kaum höhere Preise durchsetzen können, da die Masse kaum Lohnerhöhungen hat und dann eben weniger Kaufkraft hat.
    Das erinnert mich an die französische Revolution, Kommentar der abgehobenen Aristokraten: "wenn sie kein Brot haben sollen sie eben Kuchen essen".
    Nur diese Leute wünschen sich mehr Inflation, sonst niemand.
    Die sollen nur aufpassen, denn wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zunimmt. Dann haben sie mehr Inflation als ihnen lieb ist.

    • von purit | 07.05.2019, 18:52 Antworten

      Die Renten wurden in letzter Zeit eher ordentlich angehoben...

  • von Thomas | 03.05.2019, 12:43 Antworten

    Also, immer wenn ich vor den Regalen stehe, denke ich mir: Scheiße, wieso kann ich nicht das Doppelte bezahlen, der Preis ist mir viel zu niedrig. Nee, ernsthaft !

    • von dummkopf^2 | 03.05.2019, 14:08 Antworten

      Ja, bei manchen Sachen wundert es mich auch, dass man das Produkt überhaupt so günstig herstellen und transportieren kann. Aber diese Gedanken kann man nur führen, wenn man zu der "Minderheit" mit gutem Abstand von dem Durchschnittslohn (Vollzeit) von ca. 3.770 Euro brutto im Monat in Deutschland erhält und sonst nicht zu überhöhte Ausgaben tätigen muss, um seinen persönlichen Lebensstandard zu halten.
      Und trotzdem, dass vereinzelte Produkte/Dienstleistungen günstig sind, ist in Summe die Inflation merklich feststellbar.

      • von Prempper | 05.05.2019, 20:38 Antworten

        Also Lebensmittel sind konkurrenzlos günstig, da reicht weit weniger Gehalt. Technikgedöns ist auch saubillig zu haben.
        "Persönlicher Lebensstandard" ist aber genau das, was heute als "über-die-Runden-kommen" verkauft wird. Insgesamt sind hier alle bis in die untersten Schichten meist wohlstandsverwahrlost und undankbar. Und die Mieten kommen jetzt in Bereiche, die der Wichtigkeit einer Behausung gerecht wird und endlich mal ein paar Leute an Eigentum denken lässt. "Grundbedürfnisse" müssen nicht billig sein, sondern können ruhig mal einen Großteil des Einkommens kosten. Das Leben fängt nicht erst beim darüber hinausgehenden Konsum an.

        • von dummkopf^2 | 05.05.2019, 23:44 Antworten

          Ähm, ich verdiene eigentlich nicht schlecht, habe noch keine Kinder und würde mir gerne in der näheren Umgebung meines Heimatdorfes ein kleines Häuschen errichten. Gependelt zur Arbeitsstelle wird eh schon. Blöd ist nur, dass ich an den nötigen Kredit ca. 25 Jahre ranzahlen müsste (obwohl die Zinzen so niedrig sind) inkl. "Lebensstandardreduzierung" nahe Richtung "Grundbedürfnisse" in dieser Zeit – und Unterhalt von Kindern sind da noch nicht einkalkuliert. Die meisten Kosten sind dabei das Grundstück, also ich rede nicht von Luxusausstattung (ein Holzhäuschen könnte ich mir zur Not in Eigenleistung und Mithilfe der Familienbande selbst aufstellen).
          Also ja: Ich denke über Eigentum nach und das machen viele in meinem Umfeld.
          Und nein: Durch die aufgepuschten Preise, gerade im Immobiliensektor und den Grundstückspreisen im weitläufigen Speckgürtel von Großstädten, tritt die Wichtigkeit der Behausung eher in den Hintergrund, da unbezahlbar.
          Noch geht es, aber wenn mir als hochqualifizierte Fachkraft in Industriebereichen, welche produktiv sind und Deutschland die BIP massiv erhöhen, so der Wink mit dem Zaunpfahl gegeben wird "der Pöbel ist hier nicht erwünscht", dann ziehe ich eben weg, in Länder, welche auch vernünftigen Wohnraum ermöglichen. Dann mache ich einen auf "Wirtschaftsflüchtling". Aber ja richtig: Verhungern würde ich in good old Germany zumindest nicht.

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