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Stand: 19.04.2022 von Hannes Zipfel
Die realistischste Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung kommt aus den Unternehmen selbst. Daher lohnt sich auch für Edelmetall-Anleger ein Blick auf die Bilanzdaten der großen Aktiengesellschaften. Vor allem die Ausblicke auf das Wachstum und die Preisgestaltung werden interessant.
IWF-Tagung, Teuerungsdaten und Bilanzsaison

Neben Tesla und dem Rohstoffgiganten Freeport-McMoRan legt auch die deutsche SAP in dieser Woche Quartalszahlen vor.

Besonders beachtenswerte Termine für Anleger in der KW 16:

  • Montag bis Sonntag: Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington, D.C.
  • Dienstag: API-Rohöllagerbestände USA, Quartalszahlen Netflix
  • Mittwoch: Erzeugerpreise Deutschland, Quartalszahlen Tesla
  • Donnerstag: EZB-Präsidentin Lagarde äußert sich zur Inflation (19:00 Uhr), Quartalszahlen Freeport-McMoRan
  • Freitag: Einkaufsmanagerindex Deutschland, Quartalszahlen SAP
(Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Anstieg deutscher Erzeugerpreise bei knapp 30 Prozent erwartet

Aus immer mehr Unternehmen sind Ankündigungen zu Preiserhöhungen zu vernehmen. Die zum Teil prozentual zweistelligen Anpassungen schlagen sich bereits in den offiziellen Statistiken nieder.

Bei der nun anstehenden Berichtssaison der börsengehandelten Konzerne aus allen Wirtschaftssektoren wird dieses Thema eine große Rolle spielen, und zwar nicht nur für die Gewinnaussichten der Unternehmen, sondern auch als Frühindikation für die Verbraucherpreisinflation.

Die Teuerung an der Ladenkasse hat schon jetzt Werte wie zuletzt vor über 40 Jahren erreicht und ein Ende der Inflationsspirale ist nicht in Sicht. Die Kosten für die Erzeuger von Gütern und Dienstleistungen in Deutschland sollen im Monat März laut aktueller Konsensprognose um knapp 30 Prozent (e: 29,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen sein.

Im Februar waren es noch 25,9 Prozent. Das war bereits der stärkste Anstieg seit dem Jahr 1949. Die aktuellen Daten werden vom Statistischen Bundesamt im Wiesbaden am Mittwoch um 8:00 Uhr MESZ veröffentlicht.

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Mit zeitlicher Verzögerung werden diese Preiserhöhungen zumindest teilweise an den Groß- und Einzelhandel weitergegeben und schließlich auch für die Endverbraucher spürbar. Zweistellige Inflationsraten sind daher im Laufe des zweiten Quartals für Deutschland realistisch, so wie dies z. B. in den Niederlanden mit aktuell 11,9 Prozent bereits der Fall ist.

In der zweiten Jahreshälfte dürften Basiseffekte und die zuletzt etwas gesunkenen Rohstoffpreise zumindest temporär zu etwas moderateren Teuerungsraten führen.

Allerdings halten die Sanktionsspirale gegen Russland und Belarus sowie anhaltende Lieferengpässe durch Corona-Lockdowns in China und kriegsbedingt in der Ukraine den Inflationsdruck weiterhin aufrecht und die Verbraucherpreise auf hohen Niveaus.

Frühjahrstagung von IWF und Weltbank mit düsterem Ausblick

In Washington findet seit Montag dieser Woche die alljährliche Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Weltbank in Washington, D.C. statt. Die wichtigsten Themen sind auch hier die Folgen des Krieges in der Ukraine sowie der Corona-Pandemie.

Ein zentrales Thema ist zudem die hohe Inflation, die weltweit zu ökonomischen Schäden und humanitären Katastrophen bis hin zu Hungersnöten in ärmeren Ländern führt. An der Tagung, die bis zum Sonntag andauert, nehmen Finanzminister, Zentralbanker sowie Finanz- und Entwicklungsexperten aus aller Welt teil.

Aus Deutschland u. a. Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Bundesbankpräsident Joachim Nagel.

Am heutigen Dienstag wird der IWF die Plattform nutzen, um seine neuen Prognosen zur Entwicklung der Weltwirtschaft zu präsentieren. Die geschäftsführende Direktorin des IWF, Kristalina Iwanowa Georgiewa, hat in Anbetracht der multiplen Belastungen für die Weltwirtschaft bereits im Vorfeld eine drastische Korrektur der Prognosen für die meisten Staaten angekündigt.

Die Kombination aus Inflation und wirtschaftlicher Stagnation stelle die beiden supranationalen Institutionen IWF und Weltbank vor enorme Herausforderungen, so Georgiewa. Dies gelte auch für die Zentralbanken, denen das Kunststück gelingen müsse, die Balance zwischen Wachstum und Geldwertstabilität trotz der äußerst widrigen Umstände zu wahren.

Das Risiko einer ausgeprägten Stagflation sei so groß wie zuletzt in den 1970er-Jahren.

„Beige Book“ der US-Notenbank mit Hinweisen auf Zinsanhebung

Am Mittwoch um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht die US-Notenbank (Fed) ihre aktuelle Konjunktureinschätzung, das sogenannte „Beige Book“. Der ungewöhnliche Name geht auf den beigefarbenen Einband des Berichts zurück.

Er enthält aktuelle Informationen über die Wirtschaftslage in den USA sowie Wachstums- und Inflationsprognosen. Das Beige Book wird achtmal im Jahr publiziert, jeweils zwei Wochen vor jeder FOMC-Sitzung.

Die nächste findet am 4. Mai statt und wird von den Marktteilnehmern mit Hochspannung erwartet, da es wegen der hohen Inflation bei aktuell 8,5 Prozent zu einem „großen“ Zinsschritt in Höhe von 50 oder gar 75 Basispunkten kommen könnte. Die Informationen im Beige Book gelten als hochaktuell und als Frühindikator für die nächste Zinsentscheidungen der US-Notenbank.

Am Freitag folgt dann noch der Einkaufsmanagerindex für Deutschland.

Hier wird für den Gesamtindex mit einem Wert von 54,1 für den April nach 55,1 für den März gerechnet. Für die USA werden analog am gleichen Tag um 15:45 Uhr MESZ die Daten zu den Einkaufsmanagerindizes publiziert.

In der folgenden Tabelle finden Sie weitere wichtige Daten-Termine für die KW 16:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Dienstag 14:30 Uhr USA: Baugenehmigungen März in Mio. 1,825 1,865
Dienstag 22:30 Uhr USA: API-Rohöllagerbestände in Mio. Barrel 2,533 7,757
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Veränderungsrate Erzeugerpreisindex (März (Jahr) 29,1 % 25,9
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Veränderungsrate Erzeugerpreisindex März (Monat) 2,6 % 1,4 %
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Index für den Hypothekenmarkt - 393,5
Mittwoch 16:00 Uhr USA: Verkäufe bestehender Häuser in Mio. für März 5,80 6,02
Mittwoch 20:00 Uhr USA: Konjunkturbericht „Beige Book“ - -
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe 180k 185k
Donnerstag 17:00 Uhr USA: Fed-Präsident Jerome Powell äußert sich zur Inflation und zur Geldpolitik - -
Donnerstag 19:00 Uhr EU: EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur Inflation und zur Geldpolitik - -
Freitag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex gesamt April 54,1 55,1
Freitag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe April 54,5 56,9
Freitag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April 55,5 56,1
Freitag 15:45 Uhr USA: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe April 58,2 58,8
Freitag 15:45 Uhr USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April 58,0 58,0
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Sperber | 20.04.2022, 16:58 Antworten

Vielen Dank an den Autor für diesen Beitrag, der schon viel zu lange überfällig war.

Wenn man sich vor Augen hält, dass Deutschland in einer Europäischen Staaten Gemeinschaft seinen Platz hat, dann frage ich mich doch allen ernstes, wie es in solch einer Gemeinschaft möglich sein kann, dass Lebensmittelengpässe durch Erzeuger Ausfälle nicht von anderen Mitgliedsstaaten aufgefangen werden können?! Für Alle die erst 2001 geboren wurden: Vorgänger der EU war die EWG mitte der 50er Jahre gegründet, welche auch "Europäische Wirtschafts Gemeinschaft" genannt wurde und im Besonderen der Festigung und Vertiefung des AUSTAUSCHES von Handelgüter aller Art diente... . Dieses europäische Handesabkommen sollte vor allem der Produkt Stabilität, Sicherstellung und Verfügbarkeit von Waren dienen, worunter auch Grundnahrungsmittel fallen. Wie kann es darum sein, dass beim Weizen Mehl schon seit Wochen Erzeuger Engpässe existieren, beim Öl sogar bereits schon seit Monaten? Was ist das für eine Stattengemeinschaft die Ihre eigenen Mitglieder an einem gedeckten Tisch am Tropf hält - und... was kommt wohl als nächstes? Auch gibt es keine wirklichen verlässlichen Hinweise darauf wie, "Die bei Uns" herrschende Verknappung von Grundnahrungsmitteln wohl in anderen EU Mitgliedsstaaten aussieht - lediglich Frankreich und Holland erleben laut Medienberichten einen ähnlichen Engpass - wenn es stimmt! Im Rest von Europa scheint jedenfalls alles beim Besten zu sein! Machen wir bei den EU Sofort - Programmen zur Behebung dieser Engpässe weiter... WO SIND DIESE? Beim großen "C" hat es doch auch geklappt?!
ÜBERHAUPT wie kann es sein, dass Einerseits ein Staatsoberhaupt in einer Rede die Bevölkerung auf noch schlimmere Lebensumstände einstellt (obwohl es in den meisten EU Mitgliedsstaaten diese Umstände nicht, oder noch nicht gibt), zum Anderen jedoch mit keiner Silbe wichtige Maßnahmen benennen kann um dem Entgegen zu wirken und die Menschen noch sträflich im Ungewissen lässt ?!

Wie abscheulich ist das denn?!

Ich erinnere an einen Helmut Schmidt der in der großen Flutkatastrophe in den 50er Jahren, durch Sofortmaßnahmen Nägel mit Köpfen machte, sich über den ganzen Papierkram hinwegsetzte, und dadurch Tausenden von Menschen das Leben rettete...

WO SIND DIES POLITIKER GEBLIEBEN -WO???
(Wahrscheinlich auf Reisen... aus den Augen, aus dem Sinn)

Zum Anderen hat die EU die Möglichkeiten Aufgrund Ihrer Staaten Größe Alternativ Produktionen zu veranlassen. Immerhin gibt es Mitgliedsstaaten die noch ein viel besseres Klima für Getreide u- Sonnenblumen Anbau aufzeigen können. WO IST DIE ERLASSENE EU VERORDNUNG WELCHE DIESE LÄNDER DAMIT IN DIE PFLICHT NIMMT?

Was ist das für eine EU Bürokratie vor allem aber Gesinnung die da daninter steckt?

4 Antworten an Sperber anzeigen

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