Stand: 23.10.2016  0 Kommentare

Der internationale Währungsfonds (IWF) vergibt einen neuen Kredit an Weißrussland. Mit dem frischen Geld sollen Reformen angestoßen, allem voran jedoch die Gold- und Währungsreserven des Landes mittelfristig gestärkt werden. Dafür gibt es gute Gründe.

Ende der ersten Oktoberwoche haben sich die Delegationen aus Weißrussland und des IWF in New York geeinigt. Unter strengen Vorgaben und an wirtschaftliche Reformen gekoppelt wird der IWF dem Land für zehn Jahre einen neuen Kredit über drei Milliarden US-Dollar gewähren. Unter keinen Umständen darf das Geld jedoch für den laufenden Staatshaushalt wie etwa Beamtengehälter verwendet werden, sondern soll vorrangig dazu dienen, die Gold- und Währungsreserven der weißrussischen Zentralbank (National Bank of the Republic of Belarus - NBRB) in Minsk zu stärken und zu stabilisieren. Denn diese waren in den vergangenen Jahren einer kräftigen Achterbahnfahrt ausgesetzt. Zuletzt waren sie sogar nur noch halb so viel wert wie vor drei Jahren.

Gold- und Währungsreserven von gerade mal 4,8 Milliarden Dollar

Vor allem bei den in physischem Gold gehaltenen Reserven schwankten die Bestände im Verlauf der letzten zehn Jahre teilweise stark zwischen einem Tief von lediglich 3,11 Tonnen bis hin zu einem historischen Hoch von 44,58 Tonnen. Zwischen diesen Werten ging es zuweilen munter auf und ab. Nach Angaben der weißrussischen Nachrichtenagentur BelTA liegen die Goldreserven aktuell bei 40,5 Tonnen und haben damit einen Anteil von gut 37 Prozent an den gesamten Reserven des Landes. Dem World Gold Council zufolge liegt Weißrussland mit dieser Menge immerhin an 48. Stelle der weltweit verfügbaren staatlichen Goldreserven. Und unter den Staaten der ehemaligen Sowjetunion können nur Russland und Kasachstan mehr Staatsgold aufweisen. 

Doch das ist nur die handverlesene und schön geschriebene Statistik. Denn tatsächlich haben die Gold- und Währungsreserven von Weißrussland derzeit einen Wert von gerade mal 4,8 Milliarden Dollar. Anfang des Jahres waren es sogar nur 4,2 Milliarden. Zum Vergleich: Vor drei Jahren waren es noch deutlich mehr als acht Milliarden Dollar gewesen. Doch selbst das war für das Zehn-Millionen-Volk bereits ein sehr bescheidener Betrag, der das Land im Ernstfall kaum länger als ein paar Monate das Wasser unterm Kinn hätte halten können.

Der IWF und die "letzte Diktatur Europas"

Und das weiß man nicht nur in Minsk, sondern eben auch beim IWF in New York, wo man sich deswegen schon seit geraumer Zeit und nicht zu Unrecht Sorgen macht. Denn noch immer fließen rund 50 Prozent des russischen Erdöls und gut 25 Prozent des russischen Erdgases durch den osteuropäischen Binnenstaat, der gerne auch als die "letzte Diktatur Europas" bezeichnet wird. Vor allem Westeuropa und nicht zuletzt Deutschland könnte ein möglicher finanzieller Kollaps von Weißrussland womöglich schwer treffen. Zwar steht ein Zusammenbruch des weißrussischen Finanzsystems dieser Tage nicht unmittelbar bevor, kann aber - wenn man auf die dortige Lage blickt - mittelfristig keinesfalls ausgeschlossen werden. 

Denn laut IWF hat sich das wirtschaftliche Umfeld in Weißrussland in den letzten Jahren abermals verschlechtert. Sowohl in 2015 und bisher in 2016 ist die Wirtschaft des Landes um jeweils knapp vier Prozent geschrumpft und der Wertverfall des weißrussischen Rubels bewegte sich im zweistelligen Bereich. Dennoch, und das ist das Verblüffende, glaubt man man trotz dieser horrenden Zahlen bereits ein Lichtlein am Ende des Tunnels zu erblicken - zumindest was den Wert der Gold- und Währungsreserven des Landes betrifft.

Gold- und Währungsreserven sollen verdoppelt werden

Denn nicht nur wurde seit Beginn des Jahres deren freier Fall gestoppt, laut den Statistiken der NBRB konnten sie sogar um mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den heutigen Wert aufgestockt werden - was allerdings nicht zuletzt am gestiegenen Goldpreis gelegen haben dürfte. Doch wenn nun auch noch der neue Kredit aus den Händen des IWF hinzu kommt. dann könnten sich die Gold- und Währungsreserven von Weißrussland schon bald an das Niveau annähern, das für eine Absicherung der wirtschaftlichen Risiken ausreichend ist. Die dafür benötigte Summe wird vom Vizepräsidenten der NBRB, Dimitry Kalechits, auf eine Höhe zwischen zehn und 10,5 Milliarden Dollar geschätzt, wie es in einem Bericht der Nachrichtenagentur BelTA vom vergangenen Mittwoch hieß. Demnach sagte Kalechits, dass man mit Hilfe des IWF-Kredits die Reserven bis Ende 2019 auf einen Wert von 9,5 Milliarden Dollar hochschrauben könne. Und so hoch hätten die Gold- und Währungsreserven des Landes noch nie zuvor gelegen, betonte der Währungshüter. Damit würden, vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, die Reserven von Weißrussland innerhalb von nur drei Jahren verdoppelt werden.

Kredit des IWF ist auch eine gute Nachricht für Europa

Einem Bericht des weißrussischen Senders CTV zufolge hat man sich in New York nun auf eine Kreditlaufzeit von zehn Jahren geeinigt. Für die bewilligten drei Milliarden Dollar fallen demnach Zinsen in Höhe von 2,3 Prozent an. Dies seien "ziemlich attraktive Konditionen", sagte der stellvertretende Finanzminister von Weißrussland, Yuri Seliverstov. Zudem bestätigte er, dass das Geld nicht ausgegeben werde, sondern in den Gold- und Währungsreserven der NBRB verbleiben müsse. Unterdessen scheint es, dass der langjährige weißrussische Präsident, Alexander Lukaschenko, zu keinem Zeitpunkt bei den Kreditverhandlungen eingebunden war. 

Laut Bericht kritisierte er im Vorfeld eine mögliche Kreditvergabe und sagte, niemand habe das Recht, das weißrussische Volk zu Almosenempfängern zu machen. Das hört sich nicht nach den Worten eines Diktators an, sondern nach denen eines Übergangenen. Und das dürfte dem IWF durchaus gefallen, denn schon seit langem mahnt man dort eine größere Unabhängigkeit der NBRB an. Ein erster Schritt dahin ist jetzt getan. Dies gilt möglicherweise auch für eine weitere Öffnung des nach wie vor in sich gekehrten Landes. Deshalb ist der Kredit des IWF nicht nur eine gute Nachricht für Weißrussland, sondern insbesondere auch für ganz Europa.

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