Stand: 12.12.2015  0 Kommentare

Die weitreichenden Reformen zur Öffnung des Finanzsektors von China haben sich ausgezahlt. Die chinesische Landeswährung Yuan wird in Zukunft als globale Reservewährung fungieren können. Das gab der Internationale Währungsfonds (IWF) bekannt.

Es ist eine historische finanzpolitische Entscheidung des IWF. Die chinesische Landeswährung Yuan - auch Renminbi (RMB) genannt - wird in den Währungskorb, der mit den Sonderziehungsrechten (SZR) des IWF ausgestattet ist, aufgenommen. Das etabliert den Yuan als globale Reservewährung und hebt ihn auf gleiche Augenhöhe gegenüber dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanischen Yen. Das gab IWF-Chefin Christine Lagarde am Montag vor einer Woche in New York bekannt, wie die Nachrichtenagentur Reuters (am 30.11.15) berichtete. Damit haben sich die umfangreichen und mitunter einschneidenden finanzpolitischen Reformen der vergangenen Monate und Jahre seitens der chinesischen Regierung bezahlt gemacht. Zu Ende sind sie deshalb freilich nicht.

Yuan ist eine "frei verfügbare Währung"

Die Nachricht sorgte in Peking für von Stolz geschwellte Brüste. Denn die jüngste Entscheidung des IWF ist nicht nur ein Meilenstein für den internationalen Handel und die globalen Finanzmärkte. Sie unterstreicht und akkreditiert überdies die zunehmende wirtschaftliche und finanzielle Bedeutung von China. Es ist zugleich das erste Mal in nahezu 35 Jahren, dass der IWF strukturelle Änderungen in der Gestalt des SZR-Währungskorbes vornimmt. Mit der Maßnahme bestätigt der IWF gleichermaßen, dass es sich bei dem Yuan um eine sichere, verlässliche und frei verfügbare Währung handelt. Noch zu Anfang diesen Jahres wäre eine solche Stellungnahme undenkbar gewesen. Einer Medienmitteilung des IWF zufolge sagte Christine Lagarde über die Entscheidung:

"Sie ist auch eine Anerkennung der Fortschritte, die der chinesische Staat in den vergangenen Jahren bei der Reformierung seines Geld - und Finanzsystems gemacht hat".

Parallel dazu forderte sie Peking auf, vom Reformeifer nicht abzulassen. Die Weiterführung und Vertiefung dieser Anstrengungen werde auch zu einem robusteren internationalen Geld- und Finanzsystem führen, was wiederum förderlich für das Wachstum und die Stabilität sowohl von China als auch der Weltwirtschaft sei, fügte Lagarde hinzu. Demnach habe der Yuan alle bestehenden Kriterien erfüllt und werde mit Wirkung zum 01. Oktober 2016 als fünfte globale Reservewährung mit den Sonderziehungsrechten des IWF ausgestattet. Diese Vorlaufzeit erlaube es dem IWF, dessen Mitgliedsstaaten und den anderen SZR-Haltern, sich angemessen auf diese Änderung einzustellen.

Reservewährung in allerletzter Minute

Der jetzt bekannt gegebene IWF-Entscheid kommt zwar nicht unbedingt überraschend, aber dennoch weitaus früher als vielerorts erwartet worden war. Viele Beobachter waren davon ausgegangen, dass der Yuan erst im Jahr 2020 in die Riege der globalen Reservewährungen befördert wird. Denn eine Überprüfung der Währungen, die von den 187 Mitgliedsstaaten des SZR-Systems als globale Reservewährung gehalten werden können, führt der IWF nur alle fünf Jahre durch. Wäre es bei der letzten Sitzung des IWF-Gremiums Ende November nichts geworden, hätte sich China in der Tat gedulden müssen. Von dieser Warte aus betrachtet ist die Entscheidung also in allerletzter Minute gefallen.

China öffnet Finanzmärkte

Um das nur für kurze Zeit geöffnete Zeitfenster zur Etablierung des Yuan als Reservewährung nicht zu verpassen, hatte sich China deshalb bereits seit Anfang des Jahres verstärkt mit einer Reihe an finanzpolitischen Maßnahmen hervorgetan, um den bis dato als hochregulierte Währung geltenden Yuan für die internationalen Finanzmärkte zu öffnen. Um den internationalen Handel mit dem Yuan zu erleichtern, hatte das Reich der Mitte Anfang September erstmals ausländischen Zentralbanken den direkten Zugang zu seinen Interbanken-Devisenmärkten ermöglicht. Und bereits Anfang des Jahres wurde zudem der Anleihenmarkt gelockert. Seither haben nach Angaben von Bloomberg mehr als 60 Zentralbanken in auf Yuan lautende Assets investiert.

Fünfmeist gehandelte Währung weltweit

Mitte Juni kündigte die chinesische Regierung darüber hinaus an, ein internationales Zahlungssystem für den Yuan einzuführen, das den internationalen Gebrauch seiner Landeswährung erhöhen und Transaktionen in RMB erleichtern soll. Und im August entschloss man sich in Peking dazu, den zuvor künstlich stark unterbewerteten Yuan stärker dem freien Spiel der Märkte zu überlassen. Dies führte zunächst zu einer rabiaten Preiskorrektur, die auf sämtliche Börsen der Welt übergriff und Werte in Billionenhöhe vernichtete, bevor sich die Lage erst Wochen später wieder beruhigen konnte. Doch das Ausmaß der Verwerfungen überraschte wohl selbst die obersten Währungshüter des IWF, da sie erneut ein Schlaglicht auf den international aufstrebenden Yuan warfen. Zuletzt war die chinesische Landeswährung die fünftmeist gehandelte Währung weltweit.

Yuan als Reservewährung hat auch Verlierer

Während die Aufnahme in die SZR den Yuan zweifellos international attraktiver machen wird und mehr und mehr Investoren auf die chinesische Währung blicken werden, dürfte sich die Devisenlage von China mittelfristig abermals stärken, vor allem wenn ausländisches Kapital die herben Kapitalabflüsse der jüngsten Zeit abfedern. Derweil ist laut der New York Times schon jetzt zu erkennen, wer die Zeche für die zukünftige Reservewährung Yuan in die Hand nehmen wird. Demnach wird es vor allem der Euro sein, dessen Einfluss im SZR-System zusehends an den Yuan abwandern wird. Selbst der Dollar würde zwar "untergraben" werden, schreibt das Blatt, doch eine ernsthafte Bedrohung wie für den Euro sei für die US-Währung auf absehbare Zeit nicht zu erkennen. Sowohl im Handel als auch auf den Finanzmärkten werde der Dollar die dominierende Macht bleiben, sagte dem Bericht zufolge der Professor für Wirtschaftspolitik an der Cornell University, Eswar Prasad. Wörtlich ergänzte er:

"Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Renminbi den Dollar zwar aushöhlen, aber nicht ernsthaft mit dem Status des Dollars als dominierende globale Reservewährung konkurrieren wird."

Partylaune in Peking ein bisschen getrübt

Prasad zufolge läuft die Entscheidung des IWF auf einen historischen Moment für die internationale Finanzwelt hinaus. Denn jetzt sei die Wirtschaft eines Schwellenlandes mit einem Pro-Kopf-Einkommen von gerade mal einem Viertel dessen, was die anderen SZR-Halter erwirtschaften, zum Ausgeber einer der wichtigsten internationalen Reservewährungen ernannt worden. Doch bei all den guten Nachrichten für China wird der neue Status auch große Herausforderungen aufwerfen, die man nicht einfach wie zuvor wegregulieren wird können. Was die Partylaune in Peking derzeit ein wenig trübt, ist die nicht von der Hand zu weisende Möglichkeit, dass sich ein "frei verfügbarer Yuan" eines Tages so großer Beliebtheit in der Finanzwelt erfreuen könnte, dass das Preisschild der chinesischen Währung unkontrolliert in die Höhe getrieben wird. Ein stark aufwertender Yuan wäre aber ein schwerer und unhandlicher Klotz am Bein der chinesischen Exportwirtschaft. Und wenn die noch mehr lahmt als bisher, dann hat auch der Rest der Welt schon bald kein Grund zum Feiern mehr.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"