| GOLD | 5.024,12 $/oz | 4.235,20 €/oz | 136,16 €/g | 136.165 €/kg |
| SILBER | 76,77 $/oz | 64,72 €/oz | 2,08 €/g | 2.080,80 €/kg |
Insgesamt kennen die Edelmetallpreise derzeit nur eine Richtung – nach oben. Damit rückt für Gold die symbolische Marke von 5.000 US-Dollar ebenso in greifbare Nähe wie die 100‑Dollar Marke für Silber.
Rendite der 30-jährigen japanischen Staatsanleihen. Wochenchart vom 22. Januar 2026. ©GOLD.DE
Während die Edelmetalle haussieren, wurden die Finanzmärkte zum Wochenauftakt von einer neuen Welle der Risikoaversion erfasst. Zoll-Drohungen aus Washington und politische Turbulenzen in Japan lösten heftige Marktreaktionen aus.
Berichte über mögliche Neuwahlen und geplante Steuersenkungen trieben die Renditen japanischer Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit deren Einführung. So kletterte die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe vorübergehend auf 3,9 %. Gleichzeitig gaben Aktien- und Kryptowerte wie Bitcoin deutlich nach, während Anleger in Edelmetallen nach Sicherheit suchten.
Insbesondere scheint Japans neue wirtschaftspolitische Strategie die globalen Schwankungen ausgelöst zu haben.
Die Regierung unter Premierministerin Sanae Takaichi setzt auf eine aggressive Reflationspolitik, die Steuerkürzungen vorsieht, ohne gleichzeitig die Staatsausgaben zu senken. Dieses Vorgehen erinnert an das kurze, aber folgenreiche Experiment der ehemaligen britischen Premierministerin Liz Truss, deren Pläne damals zu einem sprunghaften Anstieg der Anleiherenditen führten.
Ähnlich treibt nun in Japan der massive Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) die globalen Finanzmärkte in Unruhe. Takaichi rief inmitten dieser Turbulenzen zudem eine vorgezogene Wahl aus, in der Hoffnung, mit populären Steuersenkungsversprechen die politische Kontrolle zu sichern.
Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen vom 21. Januar 2026. ©MacleodFinance.com
Die Folgen dieser Politik reichen weit über Japan hinaus. Steigende JGB-Renditen erschweren die Refinanzierung von US-Staatsanleihen, da Investoren zunehmend japanische Anleihen bevorzugen, was eine Flucht aus dem US-Dollar begünstigt.
Diese Entwicklung kann letztlich auch eine „Dollar-Krise” auslösen und die überbewerteten US-Aktienmärkte zum Platzen bringen. Nachdem die Renditen von US-Bonds nach einer kurzen Ruhephase voraussichtlich weiter steigen werden, zeichnet sich ein neues globales Finanzrisiko ab, das durch politische Experimente in Tokio ausgelöst wurde und bis an die Wall Street nachhallt.
Diese Bewegungen verdeutlichen eine deutliche Umschichtung globaler Kapitalströme. Die Gründe hierfür sind die Unsicherheit über Japans Geldpolitik, die wachsende Staatsverschuldung und die neuen handelspolitischen Spannungen unter US-Präsident Trump, die Investoren in risikoarme Anlagen treiben. Dies ist ein klares Warnsignal für steigende Marktvolatilität und nachlassende Liquidität.
Dabei muss man wissen, dass Japan ein klassisches Beispiel für eine „Carry-Regime“-Wirtschaft ist. Dabei leihen sich Investoren in einer Niedrigzinswährung – typischerweise dem Yen – Geld, um es in höher verzinste Anlagen, beispielsweise in den USA oder Australien, zu investieren.
Solche Strategien funktionieren so lange, wie die Wechselkurse stabil bleiben und die Volatilität niedrig ist. Die Carry Trades liefern stetige Gewinne, bis ein abruptes Marktereignis jahrelange Erträge vernichtet.
Dieser Mechanismus reicht heute weit über den Währungsmarkt hinaus, denn Private Equity, Hedgefonds und selbst Aktienrückkäufe großer US-Konzerne operieren im Prinzip wie Carry Trades auf globaler Ebene.
In solchen Phasen entstehen momentumgetriebene Blasen, in denen Wachstumswerte und große Unternehmen überdurchschnittlich profitieren, während reale Vermögenswerte wie Rohstoffe vernachlässigt werden.
Doch Carry-Regimes sind instabil und enden typischerweise mit einem geldpolitischen Umbruch – wie beispielsweise der Aufgabe des Goldstandards 1929, dem Ende von Bretton Woods 1971 oder der Asienkrise Ende der 1990er. Der aktuelle Carry-Zyklus, gestützt auf ultralockere Zentralbankpolitik und niedrige Volatilität, steht vermutlich vor einem ähnlichen Ende, das durch eine Regimeänderung oder anhaltende Inflation ausgelöst werden könnte.
In einem „Post-Carry“-Umfeld verlagert sich das Kapital abrupt von überbewerteten Finanzwerten hin zu realen Ressourcen – mit der Aussicht, dass insbesondere Rohstoffaktien die großen Gewinner des nächsten Zyklus sein dürften.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 22. Januar 2026. ©GOLD.DE
Nach dem scharfen Rücksetzer Ende Oktober konnte sich der Goldpreis vom Tief bei 3.886 US-Dollar bis kurz vor Weihnachten deutlich erholen und stieg auf rund 4.380 US-Dollar. Über die Feiertage gelang dann der volatile Ausbruch aus der vorangegangenen Konsolidierungsphase, dem im volumenarmen Feiertagshandel allerdings eine Achterbahn beim Preisgeschehen folgte. Seit dem 5. Januar setzen die Goldnotierungen ihren Aufwärtstrend dynamisch fort und markierten am gestrigen Mittwoch mit 4.886,29 US-Dollar ein neues Rekordhoch.
Dieses Hoch konnte jedoch bis zum Handelsschluss nicht gehalten werden. Vielmehr folgte am Abend ein abrupter Rücksetzer bis auf 4.755 US-Dollar. Zwar nutzten die Bullen den Rückgang rasch als Kaufgelegenheit und trieben den Preis wieder in die Nähe von aktuell 4.830 US-Dollar, doch wäre eine kurzfristige Verschnaufpause durchaus gesund. Der Markt ist derzeit auf allen Zeitebenen klar überkauft und eine moderate Abkühlung wäre hilfreich.
Unsere nächste Zielzone im Bereich zwischen 5.000 und 5.200 US-Dollar könnte daher schnell erreicht werden. Hierzu benötigt es einen Ausbruch über 4.840 sowie 4.890 US-Dollar.
Auf der Unterseite hat die starke Gold-Rallye zuletzt mehrere offene Kurslücken (Gaps) hinterlassen:
Statistisch werden rund 80 % aller offenen Gaps früher oder später auch wieder geschlossen. Insofern gilt es momentan geduldig auf Rücksetzer in den Bereich zwischen 4.350 und 4.600 US-Dollar zu warten. Die schnell steigende 50-Tagelinie verläuft bereits bei 4.344 US-Dollar stellt das Maximalziel eines Rücksetzer dar.
Die Gold- und Silberpreise haben einen furiosen Start ins neue Handelsjahr aufs Börsenparkett gelegt. Die anhaltende Aufwärtsbewegung der Edelmetalle spiegelt dabei nicht nur die wachsende Risikoaversion an den Finanzmärkten wider, sondern auch ein tieferliegendes Misstrauen gegenüber der Stabilität der Papierwährungen.
Die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, geldpolitischer Umbrüche in Japan und strukturellem Kapitalabfluss aus den Aktien- und Kryptomärkten deutet auf den Beginn einer größeren Verschiebung hin – weg von spekulativen Finanzwerten hin zu realen Vermögenswerten.
Gold, Silber und Platin profitieren von diesem Regimewechsel bereits sichtbar und könnten zur bevorzugten Wertaufbewahrung in einer Ära erhöhter Volatilität und schwindender Liquidität werden.
Sollten Japans fiskalische Experimente eine Kettenreaktion steigender Renditen und Kapitalflüsse auslösen, droht eine Neubewertung aller Risikoanlagen. In diesem Umfeld erscheint der historische Aufstieg der Edelmetalle weniger als kurzfristige Rallye, sondern vielmehr als Beginn eines strukturellen Trends, der die Rückkehr realer Werte und die Neudefinition von Stabilität einleiten könnte.
In jedem Fall ist die Dynamik beim Goldpreis beeindruckend. Nach dem neuen Allzeithoch bei 4.886 US-Dollar und dem anschließenden Rücksetzer auf 4.755 US-Dollar hat sich der Kurs aktuell rasch stabilisiert und nähert sich erneut der kurzfristig wichtigen Marke von 4.840 US-Dollar.
Trotz der offenen Kurslücken deutet die bullisch eingebettete Tages-Stochastik auf eine baldige Erkundung der 5.000-Dollar-Marke hin. Tiefe Rücksetzer in Richtung der 50-Tage-Linie können hingegen schon wieder als Kaufchance genutzt werden, denn trotz kurzfristiger Überhitzung bleibt der langfristige Aufwärtstrend klar und ungefährdet intakt.