Stand: 24.03.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Das Thema Griechenland steht in diesen Tagen selbst in der massenmedialen Berichterstattung ganz oben auf der agenda. Und zwar bis auf weiteres. Dramatik und Hochspannung - für beides ist bis auf weiteres in dem Kontext gesorgt.

Knappe Liqudidität

Apropos Dramatik, einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge ist es ja so, dass die griechische Regierung nur noch bis zum 8. April diesen Jahres über ausreichend Liquidität verfügt, um den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. In dem Bericht heisst es jedenfalls, dass die EU, genauer gesagt die Kommission in Brüssel, davon ausgeht, dass die neue Regierung unter der Führung von Alexis Tsipras unter anderem auch auf die spärlichen Bar-Reserven der Sozialkassen und der staatlich dominierten Unternehmen zurückgreifen werde, um Ende März noch Löhne und Gehälter voll auszahlen zu können. Die juristischen Voraussetzungen für diesen Eingriff seien jedenfalls in den vergangenen Wochen geschaffen worden.

Fakt ist allerdings, dass vom 9. April an die finanzielle Situation der griechischen Regierung als kritisch eingestuft wird. Das krisengeplagte Land müsse eine Kredittranche in Höhe von 457 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Weiter hinzu kommt, dass Mitte April außerdem kurzfristige Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro zur Refinanzierung anstehen. Kurzum, Zeit und Geld werden für die Griechen extrem knapp. So viel steht fest.

Kapitalflucht hält an

Weiter fällt auf, dass das Thema "Kapitalflucht" in der medialen Beachtung eher weniger oben auf der agenda steht. Derweil hält die Kapitalflucht aus dem krisengeplagten Land weiter an. Das ifo-Institut mit Sitz in München teilte erst jüngst mit, dass die Finanzierung der griechischen Kapitalflucht durch die Notenbanken des Eurosystems über das Zahlungssystem Target scheinbar unaufhaltsam weitergehen würde. Neueste Zahlen aus Athen würden dieses Krisen-Signal unweigerlich belegen.

Überziehungskredite der griechischen Notenbank

Also, das ifo-Institut berichtet, dass die Notenbank des Krisenlandes im Februar weitere 15 Milliarden Euro an Überziehungskrediten anderer Notenbanken in Anspruch genommen hätte. Höchst interessant ist der Zweck dieser Not-Kredite. Hier geht und ging es darum, Überweisungen ins Ausland vornehmen und durchführen zu können. Immerhin, im Februar waren es 12 Milliarden Euro weniger als im Januar 2015. Im ersten Monat des Jahres waren 27 Milliarden Euro an Überziehungskrediten nötig.

91 Milliarden Euro an Target-Schulden

Fakt ist demnach, dass die Target-Schulden der griechischen Notenbank auf nun insgesamt 91 Milliarden Euro angestiegen seien. Unglaublich eigentlich, aber wahr. In der massenmedialen Berichterstattung geht es derweil immer nur um die offiziellen Hilfspakete. Aktuell steht ja ein drittes Hilfsprogramm im Raum. Bei diesem könnte es ja um ein Volumen in Höhe von 30 bis 40 Milliarden Euro gehen. Über die 91 Milliarden Euro an Target-Schulden wird wenig bis gar nichts berichtet. Seltsam, aber wahr.

Verstärkte Nachfrage nach Euro-Bargeld

Darüber hinaus geht ja der Bankrun an den Bankschaltern und Automaten des Krisenlandes weiter. Das spiegelt sich auch dadurch wider, dass die Kreditgewährung durch die Notenbanken des Eurosystems laut ifo-Institut auch durch eine außergewöhnlich hohe Bargeldausgabe gekennzeichnet ist. Hier liegen wir aktuell bei einem Volumen von sage und schreibe 13 Milliarden Euro. Es ist daher wenig verwunderlich, dass ifo-Präsident Sinn hier gravierende Maßnahmen verlangt. Wörtlich verlangt Prof. Sinn folgendes:

"Das zeigt, dass dringend Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden müssen, damit nicht noch mehr Fluchtkapital durch Kredite des Eurosystems ersetzt werden muss."

Und in dem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Gesamtschuld der Griechen gegenüber der EZB und den Rettungsschirmen sich auf 324 Milliarden Euro vergrößerte. Das entspreche exakt 181 Prozent des griechischen BIP. Demnach steige auch für die Gläubier dieses historisch einmalig großen Schuldenbergs das Kreditrisiko. Prof. Sinn rechnete hier erst jüngst den maximalen Risikowert für Deutschland aus. Dieser liegt nun bei 86 Milliarden Euro! Also, falls der griechische Staat und die Banken des Krisenlandes in Konkurs gehen sollten, entfielen von den maximalen Haftungssummen nun 86 Milliarden Euro auf Deutschland. Per Ende Januar lag die Summe insofern noch bei 84,7 Milliarden Euro. Im übrigen würde es auch für die anderen Euro-Länder sehr teuer werden. Mit Stand per Ende Januar 2015 würden auf Frankreich 64,6 Milliarden Euro entfallen. Die Italiener müssten 56,4 Milliarden Euro schultern; die Spanier wären mit 38,4 Milliarden Euro dabei.

Wohl gemerkt, selbst die großen Krisenstaaten im Süden, Italien und Spanien, wären mit gigantischen maximalen Haftungssummen dabei. Und dabei sind selbst die Italiener wahrlich keine Waisenknaben in Sachen Staats-Überschuldung. Das krisengeplagte Land ist ja die Nr. 2 hinter Griechenland in Sachen Staatsverschuldung in Relation zum BIP in der Eurozone. Fakt ist, dass erst jüngst die Notenbank in Rom dramatische Neuigkeiten zur italienischen Misere bekanntgab.

Italienische Staatsverschuldung steigt weiter

Also, die Banca dItalia teilte mit, dass per Ende Januar 2015 die Staatsverschuldung der Italiener auf sage und schreibe 2,16 Billionen Euro angestiegen sei. Im Vergleich zum Vorjahr, also zum Januar 2014 wuchs die Staatsverschuldung um gut 76 Milliarden Euro an. Noch krasser der Anstieg der Verschuldung im Vergleich zum Jahresende 2014. Im Monat Januar 2015 wuchs der Schuldenberg des italienische Staats um fast 31 Milliarden Euro.

Ein Schelm, wer nun glaubt, dass die italienischen Beamten zum Jahresende 2014 mit der Hilfe von einigen statistischen Tricks versuchten, den Schuldenstand, zumindest den Zuwachs im Jahr 2014, nicht ganz so dramatisch aussehen zu lassen. Und allen Auguren zufolge soll es auch im Krisenjahr 2015 weiter nach oben gehen mit der Verschuldung. Analysten erwarten einen Anstieg der Staatsverschuldung der Italiener auf sage und schreibe 145 Prozent des BIP.

Kurzum, die Italiener nähern sich langsam aber sicher "griechischen Verhältnissen", ohne dass darüber groß berichtet wird.

Warum auch? Klar, noch nie war es für den italienischen Staat so günstig, sich zu historisch absurd tiefen Zinsen zu refinanzieren. Zum Vergleich, die Griechen sind ja von den Gläubigern, allen voran im Norden, abhängig, und müssten horrende Zinsen zur Refinanzierung bieten. Für zweijährige griechische Anleihen wären 21 Prozent fällig. Zum Vergleich, die Italiener müssen für zweijährige Staatsanleihen nur magere 0,27 Prozent berappen. Für zehnjährige Staatsanleihen liegt die Rendite bei gut 1,2 Prozent. Wie schon gesagt, ein einmalig tiefer Wert!

Mario Draghi macht es möglich. Jedenfalls für die Italiener. Für die armen Griechen sieht es dann schon deutlich anders aus...

Kapitalflucht aus Griechenland hält an
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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