Stand: 22.02.2019 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Mit gigantischem Gelddrucken haben die führenden Notenbanken in den vergangenen Jahren die Weltwirtschaft am Laufen gehalten. Nun wächst allerdings das Risiko, dass die Euro-Zone in eine Rezession abrutscht und es bald darauf der US-Wirtschaft ebenso ergehen sollte. Das ruft einmal mehr die Notenbanken auf den Plan, was dem Goldpreis kräftigen Rückenwind gibt.

In die Nähe des Zehn-Monats-Hochs ist der Goldpreis geklettert. Das verwundert viele Investoren, immerhin hat der S&P500 zuletzt die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen und ist damit scheinbar auf dem Weg zum Rekordhoch.

Wieso setzen Investoren in dem Umfeld dennoch auf Gold?

Weil viele von ihnen wissen, dass der Anstieg am US-Aktienmarkt hauptsächlich auf der Aussicht beruht, dass die US-Notenbank FED jederzeit eine neue QE-Gelddruckrunde starten könnte. Wegen dieser Aussicht ist der Dollar allmählich im Rückwärtsgang, was den Goldpreis beflügelt.

Wann stellt die Fed die Verkäufe von Anleihen ein?

Nach der Veröffentlichung der Mitschrift der Fed-Sitzung ist es für viele Investoren nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fed bekanntgeben wird, dass der Abbau der Bilanzsumme auslaufen wird.

Die Fed würde anschließend keine Anleihen mehr verkaufen, das bedeutet, dass die Geldpolitik gelockert wird. Einige Experten erwarten, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 20. März ankündigen dürfte, dass im September Schluss sein sollte.

Eine Begründung für die Kehrtwende hat Fed-Chef Jay Powell bislang allerdings nicht geliefert – und das wird sie auch nicht tun. Angeblich läuft die Wirtschaft ganz solide, während der Inflationsdruck trotz der sehr niedrigen Arbeitslosigkeit nachlässt

Die Fed reagiert also auf den zwischenzeitlichen Kurseinbruch beim S&P500, weil Investoren Sorge hatten, die US-Wirtschaft könnte im laufenden Jahr in eine Rezession abrutschen. Damit ist der Fed-„Put“ also wieder aktiv, die Fed versucht also unter allen Umständen einen Einbruch am Aktienmarkt zu verhindern.

Nach dem jüngsten Anstieg des S&P500 sind diese Sorgen zwar in den Hintergrund getreten. Eine Serie schwacher Konjunkturdaten, wie der für viele Experten überraschende Rückgang der Industrieproduktion und der Einbruch der Einzelhandelsumsätze zeigt allerdings klar, wie sehr sich die US-Wirtschaft abgeschwächt hat.

Wenn viele US-Daten im Rückwärtsgang bleiben sollten, dürfte die Fed noch in diesem Jahr nicht nur den Abbau der Bilanzsumme beenden, sondern schon bald eine neue QE-Gelddruckrunde starten. Das wäre ein gutes Umfeld für Gold.

Draghi wird nie die Zinsen anheben

Ebenso wie die Fed haben zuletzt auch die EZB und die japanische Notenbank eine jederzeit mögliche Kehrtwende signalisiert, schließlich sind die Konjunkturdaten aus der Euro-Zone und aus Japan besorgniserregend.

Die EZB hatte im Dezember ihr Anleihenkaufprogramm beendet und reinvestiert seitdem nur noch das Geld aus alten, auslaufenden Anleihen in neue. Die Wirtschaft Deutschlands hat im vierten Quartal lediglich stagniert und ist damit nur haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt, die italienische Wirtschaft ist bereits in einer Rezession.

Umso gespannter schauen Investoren auf die nächste Sitzung der EZB am 7. März. Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank geht davon aus, dass die EZB bei der Sitzung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum der Euro-Zone für das laufende Jahr deutlich senken wird. Zudem werde die EZB ihre Zins-Guidance (Ausblick) ändern, und neue langfristige Kredite für die Banken ankündigen, womit die alten abgelöst werden würden.

„Wir denken, dass die EZB ihr Versprechen, die Zinsen über den Sommer 2019 unverändert zu lassen, auf den Winter 2019/20 verlängern wird“, sagte Krämer.

2019 werde es keine Zinserhöhung geben. Damit wäre Mario Draghi der erste Chef der EZB, der niemals die Zinsen angehoben hat.

Die Laufzeit der neuen Kredite für die Banken werde laut Krämer bei drei Jahren liegen. Nachdem die EZB die Banken mit ihren Strafzinsen auf Einlagen jahrelang schwer belastet hat, muss die EZB den Instituten erneut extrem günstige Kredite geben, um sie zu stützen – welch irrwitzige Politik.  

Die Ratingagentur Fitch ist der Überzeugung, dass die EZB wegen der schwachen Konjunktur schon bald zum Kauf von Wertpapieren zurückkehren werde.

„Wir erwarten schon länger, dass die EZB die Normalisierung ihrer Geldpolitik verschieben wird, und zwar sowohl im Hinblick auf Zinsen als auch auf die Verkleinerung der Bilanz. Aber nun glauben wir, dass sie recht bald ernsthaft erwägen wird, ihr QE-Programm für den Ankauf von Wertpapieren wieder aufzunehmen“, schrieb Robert Sierra, Volkswirt bei Fitch.

Offensichtlich ist der Gegenwind von der Weltwirtschaft so groß, dass nicht einmal die Null- und Strafzinsen der EZB ausreichen, um die Wirtschaft der Euro-Zone am Laufen zu halten – unglaublich!

Japanische Notenbank kann nie  aus dem Gelddrucken aussteigen

Dass auch die japanische Notenbank zuletzt eine jederzeit mögliche Lockerung der Geldpolitik signalisiert hat, sollte niemanden überraschen, hat sich doch auch die dortige Wirtschaft dramatisch abgekühlt und dürfte auf dem Weg in eine Rezession sein. Notenbankchef Haruhiko Kuroda hat gesagt, dass die Notenbank bei einer überraschend starken Abkühlung der Konjunktur die Zinsen noch stärker senken könne und das Anleihenkaufprogramm aufstocken könnte, also noch viel mehr Geld drucken könnte als ohnehin schon. Welch ein Irrwitz!

Immerhin besitzt die Notenbank bereits mehr als 40 Prozent aller Staatsanleihen. Dass es aus diesem größten geldpolitischen Experiment aller Zeiten keinen Ausweg gibt, und die Notenbank stattdessen immer noch mehr Geld drucken muss, um die Schuldensause des hochverschuldeten Staates am Laufen zu halten, sollte jedermann klar sein.

Die Nachrichten von der Fed, der EZB und der japanischen Notenbank zeigen, wie schwach die Weltwirtschaft tatsächlich ist, und die drei führenden Notenbanken in einem beispiellosen Abwertungswettlauf sind. Kein Wunder, dass der Goldpreis sowohl in Dollar, Euro, oder Yen deutlich auf dem Weg nach oben ist.

Kehrtwenden der Notenbanken treibt Goldpreis an
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von auctus inflationis | 22.02.2019, 12:56 Antworten

    Warum ist es bei der EZB unglaublich, bei der BOJ jedoch jedermann klar? War das ironisch gemeint, oder sarkastisch? Sind wir besser, oder Klüger? Japan ist uns nur ein paar Jahre voraus, unsere schöne Glaskugel.
    Wirklich unglaublich ist nur des Menschen Blödheit. Eigentlich sind wir im Krieg oder, Jeder gegen Alle. Im Wettbewerb mit schlechten Regeln, an die sich dann noch kaum Jemand hält. Vielleicht glauben wir das nur, ohne es zu wissen; also eine Religion. Nur wer ist dann Gott?

    • von blingbling | 22.02.2019, 16:56 Antworten

      für einen römer recht viele fragen auf einmal und dann auch noch die nach dem allmächtigen (gold). aber interessant, dass silber nun ungpunscht auf den markt geht. das war bei den römern zuletzt umgekehrt.

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