Stand: 30.04.2013  2 Kommentare

Gold unterliegt seit jeher einer Faszination. Es liegt wohl nicht nur an der Wertanlage oder seiner Wirkung als Statussymbol, sondern es hängt auch mit der Brillanz der Farbe Gold zusammen. Gold wird durch keine Imitation erreicht.

Über das Gold existieren viele Geschichten, dafür gaben Goldsucher ihre bürgerliche Existenz auf, verblendet vom Goldrausch auf schnellen Reichtum. Zahlreiche Morde und Überfälle durch Banditen, skrupellose Geschäftemacher oder Eroberer gehen auf das Konto dieses Edelmetalls.

Der in Südbaden geborene Johann August Sutter wanderte nach Kalifornien aus und baute einen blühenden Landwirtschaftsbetrieb auf. Das Finden von Gold auf seinen Ländereien war sein Untergang. Seine Arbeiter verrieten ihn, und die zahlreichen Goldsucher durchwühlten sein Land. Obwohl Sutter später Schadensersatzansprüche zugebilligt wurden, starb er völlig verarmt.

Der Traum der Goldherstellung aus anderen Metallen, der so genannten Transmutation, beschäftigte die Alchemisten schon seit den alten Ägyptern. Doch bis heute gelang es noch niemand, ein chemisches Verfahren zu entwickeln oder eine funktionierende Methode überzeugend darzulegen. Mit der Entdeckung der Atomspaltung wäre die Umwandlung von Metall-Atomen in andere Metall-Atome zwar theoretisch möglich, aber für ein rentables Produktionsverfahren steht der Aufwand in keinem Verhältnis.

Die Alchemisten entdeckten dafür das "rote Gold", das wir heute als kolloidales Gold bezeichnen und das früher unter der Bezeichnung "Goldpurpur" bekannt war. Benannt wurde es nach Andreas Cassius, der es um 1676 in Leiden herstellte.


Kristallisiertes Gold aus Kalifornien
Kristallisiertes Gold aus Kalifornien
 
Goldflitter aus Australien
Goldflitter aus Australien

Auch der Alchemist Johann Kunckel (1630-1703) versuchte sich an der Goldherstellung. Aber einen wirklichen technischen Fortschritt erzielte Kunckel in der Glasproduktion. Als Leiter einer Glashütte in Potsdam entwickelte er ein wirtschaftlich rentables und ausgeklügeltes Verfahren zur Herstellung von leuchtend rotem Goldrubinglas. Bald war das rubinrote Glas bei der adligen Gesellschaft ein begehrtes Luxusprodukt für Trinkgefäße. In den Kirchen und Kathedralen beruht die rote Färbung der alten Glasfenster ebenfalls auf einem solchen Verfahren.

Goldrubinglas aus der Biedermeierzeit um 1850
Goldrubinglas aus der Biedermeierzeit um 1850

Der österreichisch-ungarische Chemiker Richard Zsigmondy (1865-1929) konnte erstmals erklären, dass die tiefrote Färbung auf fein verteiltem Gold beruht, das bei der Glasherstellung zugemischt wird. Je nach Größe erscheinen die Goldteilchen rot, violett oder sogar blau. In der Größenordnung um 20 Nanometer erscheinen sie rot, sind sie größer als 100 Nanometer zeigen sie eine violettblaue Färbung.

Lässt man eine Flasche mit kolloidalem Gold mehrere Jahre stehen, färbt sich das Gold allmählich blauviolett. Das hängt damit zusammen, dass sich die Goldpartikel im Laufe der Zeit zusammenballen.

 

Doch auch bei dem wertvollen Glas entbrannte ein erbarmungsloser Kampf um die Geheimhaltung des Herstellungsverfahren und um Patente, die damals noch nicht einheitlich geregelt waren. Obwohl Kunckel das Verfahren geheimhielt, gelangten die entscheidenden Verfahrensschritte durch Verrat und durch Abwerbung von Mitarbeitern zu anderen Betrieben und später auch an die Öffentlichkeit.

Die Gläser für die ersten roten Ampeln im Straßenverkehr waren anfangs ebenfalls aus dem roten Goldrubinglas gefertigt. Heute ist das Ampelglas durch das billigere Selenrubinglas ersetzt. Neuerdings haben Künstler das alte Glas wiederentdeckt, sie stellen filigrane Kunstwerke aus dem leuchtend roten Glas her. Das echte Goldrubinglas ist heute immer noch sehr teuer und sein leuchtendes Rot ist beispiellos.

Blauviolettes kolloidales Gold nach 1 Jahr
Nach einem Jahr hat sich das kolloidale Gold blauviolett verfärbt, da die Goldpartikel allmählich wieder größer werden.

Herstellung der Goldsalze und des kolloidalen Goldes

"Gold ist ein sehr edles und korrosionsbeständiges Metall, das von Luft, Wasser und Säuren nicht angegriffen wird." (Seilnachts Periodensystem, www.seilnacht.com) Man könnte aufgrund dieser Definition meinen, dass Gold keine chemischen Verbindungen eingeht und daher keine Goldsalze existieren. Doch Gold lässt sich in Königswasser auflösen. Mit diesem Säuregemisch aus konzentrierter Salzsäure und konzentrierter Salpetersäure überprüfen Juweliere Schmuckstücke auf ihre Echtheit und ihren Goldanteil.

Links: Gold in Salpetersäure
Links: Gold in Salpetersäure zeigt keine Reaktion
Rechts: Gold löst sich in Königswasser auf
 
Rechts: Orangenes Goldsalz
Dieses orange Goldsalz lässt sich aus der mit Königswasser
entstandenen Lösung gewinnen.

Nach dem Auflösen in Königswasser entsteht ein Goldsalz, das in der Chemie als Goldchlorid oder als "Tetrachlorogoldsäure" bekannt ist. Das orangefarbene Salz ist in Wasser gut löslich und bildet eine gelbe Lösung. Gibt man nun zu dieser Lösung ein Reduktionsmittel wie Zinn(II)-chlorid, dann erhält man rotes, kolloidales Gold. Die roten Goldpartikel flocken aus der kolloidalen Lösung aus. So kann man die Herstellung von kolloidalem Gold relativ einfach im Chemieunterricht zeigen.

links: Kolloidales Gold, rechts: Kolloidales Silber, Reduktion aus Salzlösungen
Kolloidales Gold (links) und kolloidales Silber (rechts) hergestellt durch Reduktion aus Salzlösungen. In beiden Reagenzgläser entstehen explosive Salze, wenn man sie längere Zeit an der Luft stehen lässt.

Eine explosive Goldverbindung stellte Johann Rudolph Glauber (1604-1670) her. Durch die Reaktion von Ammoniak mit einem Goldsalz erhielt er das Knallgold, das bereits bei Berührung mit einem Spatel heftig explodieren kann. Dabei bildet sich zunächst eine purpurrote Wolke aus sehr fein verteiltem Goldstaub.

Bis heute ist die chemische Zusammensetzung des Knallgoldes nicht komplett aufgeklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Polymer, bei dem Gold-Atome in einer dreidimensionalen Anordnung mit Stickstoff-Atomen gebunden sind. Auch Chlor- und Sauerstoff-Atome sind daran beteiligt (Lit. Steinhauser, u.a. 2008).

Als Sprengstoff eignet sich das Knallgold aufgrund der unsicheren Handhabung und des hohen Herstellungspreises aber wohl eher nicht.


Literatur und Anwendung

  • Bachmann, Bernhard R. (2005): General J.A. Sutter. Ein Leben auf der Flucht nach vorn, Zürich
  • Bugge, G. (1929): Das Buch der großen Chemiker, Weinheim München 2004
  • Glauber, Johann Rudolph (1961): Glauberus Concentratus, Faksimile der Leipziger Ausgabe von 1714, Ulm
  • Hammer, Mark (2009): Das Gold, das kracht, Text zur Sendung im ORF, abgerufen 3/2013 auf http://sciencev1.orf.at/news/154577.html
  • Kuhnert, Lothar (2008): Johann Kunckel - Die Erfindung der Nanotechnologie in Berlin
  • Priesner, Claus und Figala, Karin (1998): Alchemie, München
  • Seilnacht, Thomas (2013): CD-ROM Chemieunterricht und Chemiedidaktik, sowie http://www.seilnacht.com, Bern
  • Spiegl, Walter (2002): Johann Kunckel und die Erfindung des Goldrubins, abgerufen 4/2013 auf www.glas-forschung.info/pageone/pdf/ruby_01.pdf
  • Steinhauser/Evers/Jakob/Klapötke/Oehlinger (2008): A Review on fulminating gold (Knallgold) in Gold Bulletin, Volume 41, No. 4
  • Vonlanthen, Martin (2010): Nano-4-SCHOOLS, Bern, abgerufen 2/2012 auf www.nanoforschools.ch
  • Weitere Infos über Gold im Periodensystem: http://www.seilnacht.com/Lexikon/79Gold.htm


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Kommentare [2]
  • von 6. Klässler | 08.04.2015, 09:32 Antworten

    Kann man durch Gold jung und unsterblich werden?

  • von HeX235 | 02.05.2013, 15:59 Antworten

    Herstellung von kolloidalem Silber oder Gold ist auch durch eine Art Galvanikverfahren möglich. Gereinigetes Wasser, Silber ODER Gold als Anode und Kathode, das richtige Maß elektrische Spannung anlegen und nach ca 20 min sind Nanopartikel im Wasser, welches trinkbar ist/wäre. Vorsicht: kein Salz bei der Herstellung! Kein Kalk!

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