Stand: 09.01.2017 von © Gold.de Redaktion EH/GW 2 Kommentare

Der Euro ist rapide auf dem Weg nach unten und könnte schon bald unter die Parität zum Dollar rutschen. Verantwortlich dafür ist hauptsächlich das immense Gelddrucken der EZB, womit sie bislang die Kontrolle am Anleihenmarkt gehalten dennoch. Dennoch könnte es 2017 möglicherweise zum Auseinanderbrechen des Euro kommen.

Bei einem Blick auf den Finanzmarkt könnte man glauben, dass in der Euro-Zone alles in Butter sei: Während der Aktienmarkt, gemessen am Euro Stoxx 50, der die Kursentwicklung der 50 schwersten Unternehmen abbildet, fast täglich auf neue Jahreshochs klettert, sind die Zinsen weiterhin extrem niedrig.

So liegen die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen bei lediglich 1,9 Prozent. Dabei macht der italienische Staat, der horrende 2,22 Billionen Euro Schulden hat - das sind herbe 135 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - 20 Mrd. Euro neue Schulden, um das angeschlagene Bankensystem zu stützen. Nachdem die angeschlagene Banca Monte dei Paschi damit gescheitert war, fünf Mrd. Euro bei Investoren einzusammeln, hat die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt gegeben, dass die Kapitallücke mit 8,8 Mrd. Euro viel größer ist als das Institut behauptet hatte. Nun müssen die Steuerzahler bei Monte dei Paschi mit 6,6 Mrd. Euro in die Bresche springen. Nach der Verstaatlichung wird Italien mehr als 75 Prozent an der Bank halten.

Italienische Banken haben einen Riesenberg an faulen Krediten

Und was macht Monte dei Paschi? Die Bank will Anleihen von 15 Mrd. Euro ausgeben - sprich Schulden machen -, um „die Liquidität wiederherzustellen und das Vertrauen der Investoren zu erhöhen.“ Möglich wird das, in dem das hochverschuldete Italien Staatsgarantien für die Papiere abgibt. Nachdem bislang kein Investor, der bei Sinnen ist, die Anleihen angefasst hätte, dürften sich nun, da die Bank „die Rückendeckung“ des italienischen Staates hat, Investoren finden, die der Bank das Geld leihen.

Möglicherweise könnte das ein paar Kunden der Bank ein bisschen beruhigen, nachdem die Kunden in den ersten drei Quartalen rund 14 Mrd. Euro an Einlagen abgezogen hatten. Trotz des Geldabflusses von 6,6 Mrd. Euro allein für Monte dei Paschi behauptet Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan andauernd, dass die insgesamt 20 Mrd. ausreichen würden, um auch andere Institute zu stützen. Derartige Aussagen sorgen bei Experten nur noch für lautes Lachen. Wie sollen denn 20 Mrd. ausreichen, wenn das Volumen an faulen Krediten der italienischen Banken bei rund 355 Mrd. Euro liegt? Das sind rund 18 Prozent des gesamten Kreditvolumens. Dass das Spiel dennoch weitergehen kann, hängt davon ab, dass die Investoren weiterhin glauben, dass EZB-Chef Mario Draghi weiterhin kräftig Geld drucken und damit unter anderem italienische Anleihen kaufen kann.

Es gibt keinen Ausweg aus dem Gelddrucken der EZB

Durch das gigantische Gelddrucken der EZB ist die Bilanzsumme der EZB zuletzt auf den Rekord von 3,69 Billionen Euro gestiegen. Das sind horrende 35 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. Damit übertrifft Draghi bei Weitem die US-Notenbank, deren Bilanzsumme sich trotz jahrelangen massiven Gelddruckens mit 4,45 Billionen Dollar auf „nur“ 24,1 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft. Ohnehin ist von einem Einstieg in den Ausstieg des immensen Gelddruckens bei der EZB keinerlei Rede. Zwar hat Draghi angekündigt, dass das monatliche Anleihenkaufprogramm ab April 2017 von 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. Euro pro Monat reduziert wird. Allerdings wird die EZB künftig auslaufende Anleihen aus dem Programm nutzen, um das Geld in neue Anleihen zu investieren. Das entspricht Käufen von rund 15 Mrd. Euro pro Monat. Inklusive der künftigen Käufe von 60 Mrd. summiert sich der Wert also auf 75 Mrd. Euro pro Monat. Zudem hat EZB-Chef Mario Draghi gesagt, dass er im Notfall das monatliche Kaufvolumen jederzeit aufstocken und das Programm verlängern wird.

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht der Fortbestand des Euro auf dem Spiel

Während Investoren die Vorgänge in Italien kurzfristig ignorieren könnten, dürfte in den nächsten Monaten vor allem ein Thema für Unruhe am Markt sorgen: die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April. Nachdem Präsident Francois Hollande von den Sozialdemokraten wegen verheerender Umfragewerte im nächsten Jahr nicht wieder antreten wird, könnte es laut den Umfragen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Francois Fillon, dem Kandidaten der Konservativen, und Marine Le Pen vom rechtskonservativen Front National kommen. Le Pen hat zuletzt einmal mehr angekündigt, dass sie Frankreich aus dem Euro herausführen wolle und anschließend die französischen Staatsschulden in einer neuen Währung notieren sollen. „Immer mehr Bürger Europas bemerken, dass der Euro ihre Wirtschaft abwürgt“, sagte Le Pen.

Der Euro ist nicht für die wirtschaftlichen Probleme Frankreichs verantwortlich

Wieso sagen etwas Derartiges immer nur Politiker von Ländern, in denen es wirtschaftlich schlecht läuft? Hat nicht auch Deutschland den Euro? Wieso würgt der Euro dann die deutsche Wirtschaft nicht ab? Vielleicht liegt es also gar nicht am Euro, sondern daran, dass der überbordende Staat die französische Wirtschaft abwürgt. So war die Staatsquote Frankreichs 2015 mit 56,8 Prozent die zweithöchste in der Europäischen Union. Deren Schnitt liegt bei lediglich 47,4 Prozent, während Deutschland auf nur 43,9 Prozent kommt. Die Staatsquote drückt das Verhältnis der Staatsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt aus.

Vor einem Austritt aus dem Euro will Le Pen innerhalb von sechs Monaten nach ihrem möglichen Wahlsieg ein Referendum über den Austritt aus der europäischen Union abhalten. Sollte Frankreich aus der EU und damit aus dem Euro austreten, wäre das Ende des Euro besiegelt. Denn Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Ohne Frankreich ist der Euro nicht denkbar. Wenn Frankreich einen „neuen Franc“ einführen sollte, dürfte er gegenüber dem „Rest-Euro“ deutlich abwerten, während die Kurse der französischen Staatsanleihen einbrechen dürften.

Angesichts des obigen Szenarios dürfte Gold in den nächsten Monaten bei hiesigen Anlegern zusehends als sicherer Hafen gefragt sein, um sich gegen einen weiteren Verfall, oder gar ein Auseinanderbrechen des Euro zu schützen. Er dürfte schon bald die Parität zum Dollar erreichen, wobei ein Euro nur noch einen Dollar wert wäre und anschließend weiter sinken. Genau das tun auch die Anleger, beispielsweise in China, um sich gegen den Rückgang das Renminbi abzusichern. Bemerkenswert ist, dass sich der Goldpreis fest zeigt, obwohl der Dollar gegen über Yen weiter klettert, weshalb der Carry Trade weiter auf vollen Touren läuft.

Offenbar dämmert etlichen Investoren, dass der designierte US-Präsident Donald Trump die Inflation kräftig anheizen wird. Das sollte ein hervorragendes Umfeld für Gold sein. Jetzt gilt es, dass der Preis zügig die Marke von 1.205 Dollar je Unze überwindet, wo derzeit der 50-Tage-Schnitt liegt. Wenn die Marke nach oben durchbrochen wird, verbessern sich die charttechnischen Perspektiven für den Goldpreis.

Die mittel- und langfristigen Perspektiven sind angesichts der zunehmenden Schuldensause in den USA ohnehin hervorragend. Zumal wenn die US-Notenbank wieder beginnen sollte, verstärkt Geld zu drucken, um einen kräftigen Zinsanstieg zu verhindern. Denn angesichts einer Verschuldung von insgesamt 67 Billionen Dollar für Staat, private Haushalte und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, - das sind horrende 362 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - kann die US-Wirtschaft trotz gegenteiliger Beteuerungen vieler Experten einen starken Zinsanstieg nicht verkraften.

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Kommentare [2]
  • von Joe | 16.01.2017, 11:18 Antworten

    "Nun müssen die Steuerzahler bei Monte dei Paschi mit 6,6 Mrd. Euro in die Presche springen." - Nein, müssen sie nicht, aber sie müssen in die Bresche springen - lektoriert hier eigentlich jemand mal die Artikel?!

    [ Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Artikel nun entsprechend geändert. ]

    • von Chris | 17.01.2017, 09:54 Antworten

      Nein, offensichtlich nicht. Dann wäre zumindest der Fehler in der Überschrift aufgefallen.
      Der Schreibstil ist dermaßen schlecht, dass das Lesen zur Qual wird.
      Leute, investiert in Kommata:
      "Nachdem bislang kein Investor, der bei Sinnen ist, die Anleihen angefasst hätte, dürften sich nun, da die Bank „die Rückendeckung“ des italienischen Staates hat, Investoren finden, die der Bank das Geld leihen."

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