Stand: 20.03.2014  0 Kommentare

Die Abstimmung ist beendet, von Stabilität ist in der internationalen Politik allerdings weiterhin wenig zu spüren: Mögliche Sanktionen gegen Russland dürften nicht nur die Weltwirtschaft, sondern auch den Goldpreis beeinflussen. Bisher konnten die Edelmetalle von der Krim-Krise profitieren und neue Bestmarken für das Jahr 2014 setzen. Allerdings stehen neue Angriffe auf den Goldpreis von alten Bekannten bevor.

Die Krim hat gewählt - und die Entscheidung ist deutlicher ausgefallen als erwartet. Fast 96 Prozent der Wähler haben sich für einen Anschluss an Russland entschieden. Und die Krim-Krise sorgt dafür, dass Gold weiter steigt. Der Aufwärtstrend könnte allerdings schon bald wieder gebrochen - verantwortlich dafür wäre dann ein Marktteilnehmer, der wiederholt durch Störfeuer aufgefallen ist: Die US-Investmentbank "Goldman Sachs " hat einem Bericht des Magazins "Der Aktionär " zufolge ihre Prognose für den Goldpreis weiter gesenkt. Inzwischen geht das Geldhaus nur noch von 1000 US-Dollar pro Feinunze aus. Diese Prognose ist erstaunlich, nachdem Goldman Sachs wiederholt seine Goldreserven aufgestockt hat.

Eine mögliche Erklärung: Intern werden weiter höhere Goldpreise erwartet und Goldman Sachs will jetzt den Preis weiter drücken, um günstig einzusteigen. Eine andere Lesart: Ein größerer Angriff auf den Goldpreis steht bevor, für den sich Goldman Sachs nun mit Gold eindecken will, welches später auf einen Schlag auf den Markt geworfen wird. Mit der Prognose steht Goldman Sachs derzeit allerdings so gut wie allein da, viele andere Investoren gehen von weiter steigenden Preisen aus. Eine immer höhere Goldnachfrage, gepaart mit der wachsenden Staatsverschuldung und der Geldschöpfung durch die Zentralbanken werde den Goldpreis langfristig stützen. Laut "Der Aktionär" könnte sich die Zukunft des Goldpreises bei der Marke von etwa 1500 US-Dollar entscheiden.

"Reparaturphase" steht vor dem Abschluss

Eine ähnliche Meinung vertritt der Gold-Experte Ronald Stöferle im Gespräch mit "finanzen.net ". Stöferle hatte in seinem letzten Gold-Report im Juni 2013 darauf hingewiesen, dass im Zuge des Preisrutsches massiver technischer Schaden angerichtet wurde, der nur mit viel Zeit und Geduld repariert werden könnte. Diese Reparaturphase ist seiner Meinung zufolge so gut wie abgeschlossen. Er rechnet nun mit einem Goldpreis von bis zu 1480 US-Dollar pro Feinunze bis zum Juni. Stöferle glaubt, dass insbesondere die steigende Inflation für steigende Goldpreise sorgt. Außerdem dürften viele institutionelle Anleger bei Preisen ab 1500 US-Dollar auf den Goldzug wieder aufspringen. Und die starke Nachfrage aus China wirkt wie eine zusätzliche Versicherung für den Goldpreis.

Ronald Stöferle weist auf ein Detail hin, welches in der Tagespresse bislang kaum diskutiert wurde: Nachdem ein Ende der geldpolitischen Lockerungen in den USA bisher als Gift für Gold verstanden wurde, endete die Schwäche des Goldpreises tatsächlich zu dem Zeitpunkt, als die sukzessive Verringerung des Quantitative-Easing-Programmes begann. Stöferle geht davon aus, dass das "Tapering " längst eingepreist ist, und erwartet eine deutlich expansivere Geldpolitik in der Zukunft, weil die Finanzmärkte schlicht abhängig vom billigen Geld sind.

Zypern und Russland: Goldverkäufe in Krisenzeiten unrealistisch

Auf dem Edelmetallmarkt macht derzeit ein ganz besonderes Schreckgespenst die Runde: Um im Fall von Wirtschaftssanktionen rückläufige Einnahmen zu kompensieren, könnte Russland einen Teil seiner Goldreserven verkaufen, so vermuten es zumindest einige Marktbeobachter. Das Finanzportal "finews.ch " geht diesem Gerücht auf den Grund - und identifiziert es als klassische Nebelkerze. Die französische Grossbank Société Générale beispielsweise geht nicht davon aus, dass Russland seine Goldreserven verkauft.

Zwar hatte die französische Bank vergangene Woche mit der Möglichkeit des russischen Goldverkaufs gespielt - der Bericht wurde daraufhin von zahlreichen Medien verzerrt weitergegeben, sodass der Eindruck entstand, dass ein Goldverkauf der Zentralbank und ein Erdbeben an den Edelmetallmärkten bevorstand.

Die Société Générale hatte zuvor noch eine Prognose veröffentlicht, nach welcher der Goldpreis im Jahresverlauf abstürzen könnte. Tatsächlich kauft Russland allerdings seit vielen Jahren Gold zur Diversifizierung seiner Währungsreserven. Das Finanzportal erinnert an Zypern, wo die anfänglichen Spekulationen und Überlegungen großflächiger Goldverkäufe nur heiße Luft waren.

Kein Ende der Euro-Krise in Sicht

Die Mär vom Ende der Euro-Krise ist nicht totzukriegen - deshalb schafft "Focus Online " in dieser Woche mit einem Überblicksartikel eindrucksvolle Fakten: "Frankreich und Italien rutschen weiter ab - und Griechenland bleibt ein hoffnungsloser Fall" resümiert die Internet-Redaktion des Wochenmagazins. Redakteur Uli Dönch weist darauf hin, dass die meisten Euroländer immer höhere Schuldenberge auftürmen. Italien liegt bereits bei einer Schuldenquote von 130 Prozent der Wirtschaftsleistung. Griechenland hat eine Schuldenquote von 170 Prozent erreicht, nachdem sie durch einen Schuldenerlass bei 130 Prozent angelangt waren.

Italien will nun die einfachen Bürger entlasten und die Gewerbesteuer für die Firmen senken, wodurch weitere Schulden vorprogrammiert sind. Die Finanzprüfer in Frankreich sehen die Staatsverschuldung dem Bericht zufolge in einer akuten "Gefahrenzone", weil die offiziellen Sparankündigungen der Regierung seien "nicht detailliert genug" und "überoptimistisch". Und Griechenland verliert seine Kreditfähigkeit immer stärker, sodass die Auslandsschulden niemals zurückgezahlt werden können.

Und Spanien, Frankreich sowie Griechenland sind längst nicht allein - auch aus Zypern gibt es neue Hiobsbotschaften: Das Land hofft einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung " zufolge angesichts andauernder Probleme seiner Banken für den Notfall auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds. Präsident Nikos Anastasiadis hofft dem Bericht zufolge, dass die europäische Entscheidung für eine Bankenunion eine Lösung für alle Schwierigkeiten bereithalte und der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM vor allem problembelasteten Banken zur Verfügung stehe. Er gab zu, dass 45 bis 50 Prozent der vergebenen Kredite derzeit nicht ordnungsgemäß zurückgezahlt werden.

Bei der Bank of Cyprus soll dennoch trotz Risiken in Milliardenhöhe eine weitere Zwangsabgabe auf Guthaben vermieden werden. Bauunternehmen, Immobilieninvestoren oder Landentwicklungsfirmen schulden den zyprischen Banken riesige Summen. Zypern hatte zuletzt die Fortsetzung der Finanzhilfen, die das pleitebedrohte Land derzeit noch über Wasser halten, riskiert. Zypern hatte Privatisierungen verbindlich zugesagt, um Hilfsgelder aus dem internationalen Rettungstopf zu bekommen, diese Privatisierungen aber vorerst im Parlament gestoppt. EU und IWF stützen Zypern mit zehn Milliarden Euro, das Land selbst muss 13 Milliarden Euro beisteuern - die Privatisierungen hätten einen Großteil dieses Geldes erlöst.

Die ständigen Warnungen vor einer zunehmenden Deflation, die derzeit noch auf dem Goldpreis lasten, könnten schon bald verstummen: Einem Bericht der "WELT " zufolge ist sich das Institut für Weltwirtschaft sicher: Die Inflation wird 2015 zurückkehren, die Deutschen müssten sich damit auf steigende Preise einstellen. Im Jahr 2015 soll die Inflationsrate auf 2,5 Prozent steigen, heißt es in einer Prognose des Kieler Forschungsinstituts. In diesem Jahr sei der Preisauftrieb noch verhalten, die Hochkonjunktur beginne allerdings schon jetzt und werde für steigende Preise sorgen. Aktuell nimmt die Sorge vor einer Deflation in der Euro-Zone allerdings wieder zu. Die Verbraucherpreise stiegen im Februar nur noch um 0,7 Prozent zum Vorjahresmonat. Die EZB strebt eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Die Nachfrage nach Gold hängt maßgeblich von der erwarteten Wirtschaftsentwicklung und der Inflation ab - und beides hat sich 2013 besser entwickelt als zunächst erwartet. In der Euro-Zone sind seit Jahren Preissteigerungsraten auf historisch niedrigem Niveau zu beobachten.

Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany