Stand: 19.11.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

In der vergangenen Woche ordnete die Finanzaufsicht Bafin an, die Ausgabe der Kryptowährung Karatgold Coin einzustellen und abzuwickeln, weil die Geldgeschäfte unerlaubt betrieben wurden. Laut Medienberichten soll es um Beträge im dreistelligen Millionenbereich gehen.

Goldgedeckte Kryptowährungen haben Charme

Grundsätzlich hat die Idee, goldgedeckte Kryptowährungen zu besitzen, für verunsicherte Anleger durchaus Charme, schließlich werden wichtige Reservewährungen wie Dollar, Euro und Yen gerade aufgrund dieser fehlenden Eigenschaft derzeit stark kritisiert.

Wenn Geld in erster Linie auf dem Vertrauen basiert, es dauerhaft in Waren und Dienstleistungen eintauschen zu können und es prinzipiell nicht durch Substanz hinterlegt ist, kann dies im Krisenfall schnell zum existenziellen Problem mutieren. Die zahlreichen Staatspleiten und Währungsreformen der vergangenen 100 Jahre sind hierfür der beste Beweis.

Doch mit Blick auf gold-gedeckte Kryptowährungen sollten Investoren eines stets im Hinterkopf behalten: 

Allein der Namenszusatz „Gold“ bedeutet nicht, dass die digitale Währung mit Gold hinterlegt ist. So hat zum Beispiel der „Bitcoin Gold“, der über eine Marktkapitalisierung von fast 140 Millionen Dollar verfügt, absolut nichts mit einer Deckung durch Gold zu tun. 

Doch eine Kryptowährung, die mit dem Besitz einer bestimmten Menge physischen Goldes verbunden ist, wäre für viele besorgte Anleger durchaus eine interessante Anlagealternative. Mit ihr könnte man zum einen, aus volatilen digitalen Währungen eine relativ stabile digitale Währung mit „Goldtouch“ machen.

Zum anderen könnte man aber auch die Lagerproblematik von Barren und Münzen aus Gold galant lösen und zudem die Mobilität des Edelmetalls verbessern. Vertrauen ist aber auch bei solchen goldgedeckten Kryptoinvestments notwendig.

So muss die jeweilige Goldmenge – wie versprochen – auch tatsächlich und in der korrekten Menge physisch hinterlegt werden. Ob bei einem Zusammenbruch der globalen Finanzsysteme der Zugriff auf das Gold bzw. dessen Auslieferung funktioniert, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. 

Bei Krypto-Gold genau hinschauen

Unter den tausenden von Digitalwährungen gibt es mittlerweile mehrere, die mit physischem Gold gedeckt sind (siehe Tabelle). Bei einigen fungiert diese Goldbindung praktisch wie ein Stopp-Loss.

Das heißt: Unter den Wert des hinterlegten Goldes kann die Kryptowährung nicht fallen, möglicherweise aber diesen Wert in Abhängigkeit von der Stimmung unter den Investoren deutlich übertreffen.

Kryptowährung mit Goldbezug

Name Marktwert in USD
Pax Gold (PAXG) 5.970.000
Digix Gold Tokens (DGX) — Singapore 5.500.000
Darico (DEC) — Switzerland 5.410.000
Xaurum (XAUR) — Slovenia 3.280.000
Gold Bits Coin (GBC) — Australia 2.490.000
The Midas Touch Gold (TMTG) — South Korea 584.000
Goldmint (MNTP) — Russia 481.000
HelloGold (HGT) — Malaysia 114.000
Quelle: coinmarketcap.com; Stand: 18.11.2019

Anfang September meldete das Fintech-Unternehmen Paxos Trust Company die Emission von Pax Gold, der den digitalen Besitz einer Feinunze Gold darstellen soll. Laut der Krypto-Website coinmarketcap.com hat Pax Gold innerhalb von etwas mehr als zwei Monaten einen Marktwert von über sechs Millionen Dollar erlangt.

Aufgrund des analogen Links zum Londoner Tresor von Brink`s und der Tatsache, dass man Pax Gold lediglich in New York und London gegen physisches Gold eintauschen kann, stellt dieses „digitale Gold“ für deutsche Anleger wohl keine optimale Lösung dar. Im Auge behalten sollte man gold-gedeckte Kryptowährungen aber auf jeden Fall.

Ausblick für die laufende Woche

Blickt man auf die Aktienkurse internationaler Blue Chips scheint die Angst vor einer Rezession erst einmal überwunden zu sein, schließlich markierten die US-Indizes Dow-Jones, S&P-500 und Nasdaq-100 im November neue Allzeithochs und der DAX notiert nur noch knapp unter seinem im Januar 2018 erzielten Rekordhoch.

Die gute Laune bei Aktien und Anleihen hat dem „Krisenschutz par excellence“ aber kaum geschadet. Noch immer weist das gelbe Edelmetall in Dollar und in Euro gerechnet für 2019 eine Performance von ungefähr 19 Prozent auf und entwickelte sich damit ähnlich positiv wie der Dow-Jones (+20,0 Prozent).

Die Hoffnung auf eine baldige US-Zinssenkung hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. So gilt laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Zinsreduktion im Dezember als extrem unwahrscheinlich (0,7 Prozent) und ein solcher Zinsschritt auf der Fed-Sitzung im Januar als ziemlich unwahrscheinlich (13,9 Prozent).

All diese Negativfaktoren haben dem Goldpreis bislang lediglich in Form einer technischen Korrektur geschadet.

Auf lange Sicht sollten auf Vermögensschutz bedachte Anleger diese Entwicklung in erster Linie als „gesund“ betrachten. Verkaufsargumente sind bei Gold daher ausgesprochen rar.

Kryptowährungen mit Goldbezug
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von Commander Crash | 19.11.2019, 16:27 Antworten

Mir reichts. Ich kauf mir jetzt ne Rolex. Damit kann ich in Singapur, Malaysia, Russland und der Schweiz bezahlen. Und jedes Gehirn kann die Zeiger- und Ziffernkombinationen entschlüsseln.
Bingo!

1 Antwort an Commander Crash anzeigen
von Stahl Schmidt | 19.11.2019, 11:48 Antworten

Ich denke der Artikel sieht die Thematik zurecht kritisch. Die ganze Idee von Krypto ist ja, das es VertrauensLOS funktioniert. Und wer den glauben hat...
Gedeckt heißt Vertrauen, das kennen wir schon, nur jetzt noch ohne Papier. Hier bedeutet Krypto dann nur unnötige und zu große Kosten, auch Risiko und keine wirkliche Anonymität.
Heißt jetzt nicht, das man es nicht super verkaufen kann, dem Tier das Märchen liebt.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"