Stand: 15.04.2021 von Egmond Haidt
Anlässlich des Börsengangs der Krypto-Handelsplattform Coinbase sind die Kurse von Bitcoin und Ethereum auf Rekordhochs gestiegen. Hingegen erholt sich der Goldpreis nur langsam.
Kryptowährungen sind mehr wert als Apple
Für einen Hype hat der Börsengang von Coinbase am 14. April gesorgt.

Am ersten Handelstag an der Nasdaq war die Aktie der Krypto-Handelsplattform auf Berg- und Talfahrt. Das Papier, dessen Referenzpreis auf 250 Dollar festgelegt worden war, eröffnete mit 381 Dollar, schoss anschließend bis auf 429,54 Dollar nach oben, nur um anschließend auf 310 Dollar einzubrechen und den Handelstag bei 328,28 Dollar abzuschließen.

Das ist ein Anstieg um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Referenzpreis.

Bei dem Börsengang handelt es sich um sogenanntes Direct Listing, bei dem das Unternehmen keine neuen Aktien ausgegeben hat, sondern direkt an der Börse gelistet worden ist.

Coinbase ist eine der größten Krypto-Handelsplattformen der Welt, wobei Kunden über die Coinbase-App Kryptowährungen, wie Bitcoin und Ethereum kaufen und verkaufen. Dabei behält das Unternehmen rund 0,5 Prozent des Volumens ein, und verdient damit prächtig.

Im ersten Quartal 2021 hat sich der Umsatz von Coinbase annähernd verzehnfacht auf rund 1,8 Mrd. Dollar.

Hingegen hat sich der Goldpreis zuletzt leicht erholt, nachdem die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen trotz der deutlich zunehmenden Inflationssorgen unter Abwärtsdruck waren. Das hat auch den Dollar mit nach unten gezogen, beispielsweise gegenüber dem Euro.

Damit hatte der Goldpreis gleich von zwei Seiten leichten Rückenwind, woraufhin sich die Notierung des Edelmetalls mit Kursen von knapp unter 1.750 Dollar je Unze allmählich dem Zwei-Monats-Hoch nähert.

Dollar-Schwemme treibt Kryptowährungen nach oben

Gleichzeitig ist zuletzt der Preis von Bitcoin mit knapp 65.000 Dollar auf neue Rekordhochs geklettert, während Ethereum auf neue Spitzenwerte von mehr als 2.400 Dollar nach oben geschossen ist. Damit spiegeln die Kryptowährungen die immer schnellere Entwertung der Fiat-Währung Dollar wider, nachdem US-Präsident Joe Biden am 31. März Pläne für ein Infrastrukturprogramm von 2,25 Billionen Dollar vorgestellt hat, das 8 Jahre lang laufen soll.

Gleichzeitig druckt die Fed weiterhin massiv Geld und kauft für netto 120 Mrd. Dollar pro Monat Staats- und Hypothekenanleihen.

Die Folge: Die US-Geldmenge M2 ist im Februar – das sind die neuesten Zahlen – um 27,1 Prozent gewachsen. Das ist der mit weitem Anstand stärkste Anstieg aller Zeiten.

Damit sind die US-Regierung mit ihrer Schuldensause, sowie die Fed mit ihrem gewaltigen Gelddrucken der mit weitem Abstand wichtigste Grund für die Kursexplosion bei Bitcoin und Ethereum.

Im Gegenzug steigt der Wert sämtlicher Kryptowährungen praktisch jeden Tag, woraufhin er zuletzt auf insgesamt 2,25 Billionen Dollar geklettert ist. Damit überstieg er sogar den Börsenwert von Apple (2,23 Billionen Dollar) leicht – das Unternehmen ist gemessen an der Marktkapitalisierung das teuerste Unternehmen der Welt.

In Zukunft könnte der Wert der Kryptowährungen weiterhin deutlich stärker steigen als der Börsenwert des iPhone-Herstellers.

PayPal und CME heizen Bitcoin-Kurs an

Für zusätzlichen Rückenwind bei den Kryptowährungen sorgen die neuesten Nachrichten von PayPal. Seit Ende März können die US-Kunden des Zahlungsabwicklers Kryptowährungen nicht mehr nur handeln, sondern auch als Zahlungsmittel nutzen.

PayPal wandelt im Zuge des Zahlungsvorgangs die Kryptowährungen in Dollar um, womit die Kunden dann bei Onlinehändlern und anderen Zahlungspartnern, die Kryptowährungen akzeptieren, bezahlen können. Die Verkäufer bekommen damit Dollar gutgeschrieben.

Die neuen Maßnahmen von PayPal erhöhen damit die Akzeptanz der Kryptowährungen weiter, kommt ihnen doch neben der Funktion als Wertaufbewahrungsmittel auch zunehmend Bedeutung als Zahlungsmittel zu.

Die Kursexplosion bei Bitcoin heizt auch die US-Derivatebörse Chicago Mercantile Exchange (CME) weiter an. Am 30. März hat sie angekündigt, dass sie zum 3. Mai Micro Bitcoin-Futures einführen wird, die 0,1 Bitcoin widerspiegeln werden.

Bei einem aktuellen Kurs von rund 65.000 Dollar je Bitcoin, hätte der Micro Bitcoin-Future also einen Kurs von 6.500 Dollar, womit Anleger auch mit kleineren Summen auf die Kursentwicklung zocken können.

Damit ergänzt die CME ihr bisheriges Angebot an Bitcoin-Futures, die eine Kontraktgröße von 5 Bitcoin haben – also einen Preis von rund 325.000 Dollar aktuell. Das ist aber offensichtlich viel zu viel für viele Privatanleger, gerade nur der Kursexplosion von Bitcoin.

Kräftiger Rückgang der US-Zinsen steht bevor

Während die Rekordfahrt bei Bitcoin und den anderen Kryptowährungen anhalten dürfte, bleibt die Frage, wie es mit dem Goldpreis weitergehen könnte. Das dürfte gerade von der Entwicklung der US-Zinsen abhängen.

Im Gegensatz zu vielen Experten gehe ich davon aus, dass die Zinsen für zehnjährige US-Zinsen in den nächsten Monaten trotz weiter kräftig steigender US-Inflationsraten in den nächsten Monaten deutlich sinken sollten.

Wieso? Weil Bidens Infrastrukturprogramm von 2,25 Billionen Dollar über 8 Jahre bedeutet, dass der durchschnittliche Stimulus bei lediglich rund 280 Mrd. Dollar pro Jahr liegen. In diesem Jahr wird die US-Wirtschaft durch das letzte Konjunkturprogramm des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump (900 Mrd. Dollar) und das erste von Biden (1,9 Billionen Dollar) aber um insgesamt 2,8 Billionen Dollar angekurbelt.

Demnach fiele der Stimulus im kommenden Jahr um rund 2,5 Billionen niedriger aus als in diesem Jahr.

Was das für die US-Wirtschaft mit einer jährlichen Wirtschaftsleistung von knapp 23 Billionen für 2021 bedeuten würde, kann sich jeder selbst ausrechnen. Es würde eine schwere Rezession drohen, wenn Biden zum Anfang nächsten Jahres nicht erneut ein Billionenschweres Konjunkturprogramm auflegen würde.

Da die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen das üblicherweise mit einem Vorlauf von 6 bis 9 Monaten widerspiegeln, sollten die Zinsen in den nächsten Monaten deutlich auf dem Weg nach unten sein.

Dann wird sich zeigen, wie sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Sorgenbürger | 16.04.2021, 12:57 Antworten

Der wahre Wert von Krypto liegt bei NULL. Nur Sachwerte sind ECHTE Werte...

1 Antwort an Sorgenbürger anzeigen
von BitMac | 16.04.2021, 14:42 Antworten

Bin gespannt wie man hierzuland mit der Nachverfolgbarkeit von Spekulationssteuerschuld auf so einen Wechsel reagieren würde.

von Fedora | 16.04.2021, 09:04 Antworten

Einen Monat schuften für eine schöne gelbe Unze? Wo ist die Schaufel. Drei Jahre und sieben Monate für...?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"