Stand: 12.06.2018 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Seit dem Jahreswechsel ist es um Kryptowährungen wie den Bitcoin deutlich ruhiger geworden. Während sich die von vielen Kapitalmarktbeobachtern bereits zum „digitalen Gold geadelte“ Newcomer-Währung seither nahezu halbiert hat, weist „echtes Gold“ auf Dollarbasis ein Minus von 1,5 Prozent und auf Eurobasis ein Plus von 1,9 Prozent auf.

Keine Äpfel mit Birnen vergleichen

Mittlerweile „buhlen“ laut des auf Digitalwährungen spezialisierten Internetportals CoinMarketCap 1.634 Kryptowährungen (Stand: 11. Juni 2018) um die Gunst der Anleger. Aktuell seien fast 300 Milliarden Dollar auf über 11.000 Handelsplätzen investiert, wobei der Bitcoin mit einem Marktanteil von 38,9 Prozent, gefolgt von Ethereum (17,9 Prozent) und Ripple (7,8 Prozent) zweifellos die drei wichtigsten Vertreter ihrer Zunft sind (siehe Tabelle).

Marktkapitalisierung von Kryptowährungen

Name Marktwert (USD) Preis (USD) 24h-Umsatz (USD)
Bitcoin 116.122.997.626,00 6.796 5.737.100.000
Ethereum 53.520.765.357 535 2.263.480.000
Ripple 23.212.500.729,00 1 503.293.000
Bitcoin Cash 16.349.089.792 952 768.718.000
EOS 10.066.178.401 11 2.427.120.000
Litecoin 6.150.402.845 108 398.657.000
Stellar 4.666.336.374 0 54.714.800
Cardano 4.581.598.562,00 0 129.555.000
IOTA 3.874.776.396 1 113.177.000
TRON 3.157.717.432 0 329.856.000

Quelle: coinmarketcap.com; Stand: 11.06.18

Top 10 der Kryptowährung auf Gold.de

Gold und Kryptowährungen haben zwar so manche Gemeinsamkeit, weisen aber konstruktionsbedingt mitunter große Unterschiede auf. Darüber sollten sich Anleger stets bewusst sein.

Grundsätzlich unterliegen beide Währungen nicht der Hoheitsgewalt der Notenbanken und stellen somit durchaus eine Alternative zu den im Wesentlichen auf Vertrauen basierenden ungedeckten Währungen Euro, Dollar, Yen, Yuan usw. dar.

Sowohl die Käufer von Gold als auch die Fans von Bitcoin & Co. scheinen seit jahrzehntelangem Gelddrucken und Schuldenmachen das Geldmonopol der Notenbanken kritisch zu hinterfragen, schließlich werden Monopole in der Wirtschaftswissenschaft stets als nachteilhaft für den Konsumenten eingestuft.

Es drängt sich insbesondere in Europa der Eindruck auf, dass das Ziel „Geldwertstabilität“ mehr und mehr durch den Wunsch der Regierungen nach niedrigen Zinsen und dem Bedarf der Banken nach Rettungstöpfen ersetzt worden ist.

Beides kann man bei „digitalem“ bzw. traditionellem Gold ausschließen. Letztendlich bieten beide einen Schutz vor Negativzinsen, Währungsreformen und weisen zudem kein direktes Kontrahentenrisiko auf.

Gold vs. Bitcoin: Die Unterschiede sind enorm

Wer auf der Suche nach einer stabilen Geldalternative ist, müsste sich zweifellos für Gold in Form von Barren oder Münzen entscheiden. Die Risikokennzahl Volatilität, welche die Kursschwankungsintensität des Investments zum Ausdruck bringt, liefert hier den besten Beweis. Auf Basis der vergangenen 250 Tage liegt dieser Wert bei Gold bei etwas mehr als acht Prozent, während der Bitcoin mit fast 90 Prozent ein um den Faktor elf höheres Risiko aufweist.

In markanten Abwärtsphasen, wie wir sie beim Bitcoin seit vergangenem Dezember gesehen haben, fällt der gewünschte Schutz aus und mutiert – je nach Investitionsgrad – zum beträchtlichen Vermögensrisiko. Außerdem kann man die Akzeptanz von Bitcoin derzeit als relativ bescheiden bezeichnen, während man echtes Gold fast auf der ganzen Welt in die jeweilige Landeswährung oder konkrete Sachwerte tauschen kann.

Noch mobiler scheint hier allerdings die – wie auch immer genannte – digitale Coin zu sein. Vorausgesetzt man verfügt über das Equipment und den hierfür nötigen Strom zur Nutzung des elektronischen Geldbeutels („Wallet“) und man ging keinen betrügerischen Hackern oder Handelsplätzen „auf den Leim“.

Grundsätzlich sollte man eine Kryptowährung zwar nicht ablehnen, ein kritisches Hinterfragen – ähnlich wie beim Geldmonopol des Staates – sollte aber auf keinen Fall unterlassen werden. Vielleicht gibt es ja einmal eine mit Gold gedeckte Digitalwährung.

Ausblick für die laufende Woche

Es ist wieder einmal die Woche der Notenbanken. Am Mittwoch wird die US-Notenbank Fed höchstwahrscheinlich eine Anhebung der US-Leitzinsen um 25 Basispunkte verkünden und hätte damit seit Dezember 2015 zum siebten Mal in Folge die Fed-Funds nach oben geschraubt.

Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario bei über 91 Prozent.  Noch stärker als für die Zinsentscheidung selbst, dürften sich die Finanzmarktakteure jedoch für die anberaumte Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell und die aktuellen Prognosen der US-Notenbank zur Inflation, zum Arbeitsmarkt und zum BIP-Wachstum in den USA interessieren.

Hinweise bezüglich der künftigen US-Geldpolitik könnten bei Dollar und Gold nachfolgend besonders „hohe Wellen schlagen“. Einen Tag später wird sich mit der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere wichtige Notenbank zu Wort melden.

Auch hier herrscht Hochspannung, schließlich war von Peter Praet, dem Chef-Volkswirt der EZB in der vergangenen Woche zu hören, dass man auf gutem Weg sei, in der Eurozone eine nachhaltig höhere Inflation zu erreichen.

In Deutschland lag diese im Mai mit 2,2 Prozent über und in der Eurozone mit 1,9 Prozent leicht unter dem „Wunschwert der Notenbanker“ von zwei Prozent. Nun darf man gespannt sein, ob das Ende der Anleihekäufe verkündet wird und – was viel wichtiger ist – wie sich die Inflation in den Monaten danach entwickeln wird.

Dies könnte dann auch den Goldpreis tangieren, schließlich fungiert er seit Jahrtausenden als Krisen- Vermögens- sowie als Inflationsschutz. Auf ihn zu verzichten, könnte auf lange Sicht – Kryptos hin, Kryptos her – richtig teuer werden.

Kryptowährungen versus Gold: Ein ungleicher Kampf
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Mr. Silver | 14.06.2018, 12:39 Antworten

    Der Bitcoin und Co ist zur Zeit mit höchsten Anlagerisiken verbunden. Genau wie mit der Dot com Blase, werden jeden Tag neue Kryptowährungen entwickelt, und sehr naiven Spekulanten als etwas tolles verkauft. Natürlich wird sich in den nächsten Jahren der Zahlungsverkehr mit Kryptowährung steigern, doch wer jetzt Bitcoins mit 7000 $ kauft, bekommt später einen Gutschein für eine Bratwurst dafür. Der Kursverlauf sagt mir, das die Big Player Ihre Bestände abbauen, weil Sie diese Bestände vor ein paar Jahren billig bekamen. Nur ein verkaufter Bitcoin ist ein guter Bitcoin. Mit dem Erlös kann ich mir was kaufen. Auto, Urlaub, Haus usw. Der Buchwert ist sehr Volatil. Der Kursverlauf geht nur in eine Richtung, nach unten.

  • von Karl Zumwinkel | 13.06.2018, 12:40 Antworten

    Gold ist bei 1300$ festgenagelt und geht 24 Monate seitwärts

    • von Wolga66 | 13.06.2018, 17:47 Antworten

      Info aus Glaskugel oder Kaffeesatz?
      vermutlich nur nachgeplappert,erst nachdenken,dann schreiben.

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