Stand: 07.12.2018 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Statt der von vielen Anlegern erhofften Jahresendrally beschleunigt sich die Talfahrt bei DAX und S&P500. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, weshalb der Abwärtstrend anhalten dürfte. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Goldpreis bislang nicht nach oben ausgebrochen ist.

Der S&P500 ist in die Nähe der Sieben-Monats-Tiefs eingebrochen, der DAX rauscht auf Zwei-Jahres-Tiefs nach unten: Grund ist die Verhaftung der Finanzchefin Wanzhou Meng der chinesischen Telekomfirma Huawei in Kanada auf Antrag der USA. Damit eskaliert der Handelskrieg zwischen den USA und China, nachdem es zuvor ein paar Tage lang einen Waffenstillstand gegeben hatte.

Damit verschlechtern sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft weiter. Dennoch hat sich der Goldpreis lediglich stabil gehalten in der Nähe des höchsten Niveaus seit Mitte Juli.

US-Anleihenmarkt signalisiert heraufziehende Rezession

Was ist der Grund dafür? Der stabile Dollar. Weil Investoren erwarten, dass die USA einen Handelskrieg besser überstehen werde als exportabhängige Volkswirtschaften, wie China, oder Deutschland, kaufen Anleger Dollar, was ihn stützt und im Gegenzug den Goldpreis belastet. So notiert der Dollar Index, der die Kursentwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, abbildet, auf dem höchsten Niveau seit Juni 2017.

Die Frage ist allerdings, wie lange der Dollar noch steigen wird. Immerhin dürfte die US-Wirtschaft rapide auf dem Weg in die Rezession sein. Diese Sorge war die Hauptursache für den vorherigen Kurseinbruch beim S&P500. So sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 2,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Zinsaufschlag für zehnjährige US-Anleihen gegenüber zweijährigen auf 11 Basispunkte (0,11 Prozentpunkte) kollabiert. Das ist der niedrigste Aufschlag seit August 2007.

Der Anleihenmarkt schätzt damit die Perspektiven für die US-Wirtschaft als so schlecht ein wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr. Indem man von den Zinsen für zehnjährige Anleihen jene für zweijährige abzieht, entfernt man die Inflationskomponente und es bleibt nur noch die Wachstumskomponente übrig.

US-Zinsstrukturkurve ist sehr zuverlässig

Während die Massenmedien täglich die „Stärke“ der US-Wirtschaft feiern, und „vergessen“ zu erwähnen, dass das kräftige Wirtschaftswachstum allein auf der Schuldenexplosion von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen beruht, machen sich Finanzprofis von Tag zu Tag mehr Sorgen, dass die US-Wirtschaft schon bald in eine Rezession abrutschen dürfte.

Ich habe in den vergangenen Monaten wiederholt geschrieben, dass die US-Wirtschaft im Sommer 2019 in eine Rezession abgleiten dürfte. Welche Folgen das für den S&P500 und den DAX hätte, will ich mir lieber nicht ausmalen.

Das Risiko ist groß, dass die Zinsstrukturkurve schon sehr bald invers werden dürfte. Dabei wären die Zinsen für zweijährige Anleihen höher als jene für zehnjährige. Das Problem dabei: Vor den letzten neun Rezessionen in den USA war die Zinsstrukturkurve immer invers gewesen. Sie ist also ein Indikator mit einer 100prozentigen Trefferquote.

Wenn einem der Anleihenmarkt einen Wink mit dem Zaunpfahl gibt, sollte man als Besitzer von DAX-, oder anderen Aktien das keineswegs ignorieren.

Wie schnell endet der Zinserhöhungszyklus der Fed?

Meiner Meinung nach ist die heraufziehende Rezession der Grund, weshalb die US-Notenbank zuletzt einen Schwenk in der Geldpolitik angekündigt hat. Nachdem Fed-Chef Jay Powell zuvor gesagt hatte, dass die Fed die Leitzinsen im nächsten Jahr drei Mal anheben wolle, sollen die Anhebungen künftig von den Konjunkturdaten abhängen.

Dass sie bei einer drohenden Rezession von Monat zu Monat schlechter werden sollten, sollte niemanden überraschen. Daher reden etliche Experten bereits davon, dass eine mögliche Zinserhöhung bei der Sitzung am 19. Dezember 2018 eventuell sogar die letzte Erhöhung in diesem Zinszyklus sein sollte.

Wenn es allerdings weniger Aufwärtsdruck bei den Anleihezinsen durch die Erhöhung der Leitzinsen gibt und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen sogar kräftig fallen könnten, weil Investoren aus Sorge vor einer Rezession in Anleihen flüchten, würde ein wichtiger Rückenwind für den Dollar wegfallen.

Sollte er nach unten drehen, würde der einzige Bremsfaktor für den Goldpreis wegfallen, was ihn beflügeln sollte. Eine kräftige Ausweitung des Kursrückgangs beim S&P500 sollte Gold zusätzlichen Rückenwind geben.

Ich werde die Nachrichten zum Handelskrieg und die Entwicklung der US-Zinsstrukturkurve weiter genau verfolgen. Wenn letztere invers werden sollte, dürfte das den S&P500 erheblich belasten, was auch den DAX mit nach unten ziehen würde. Dann schauen wir mal, wie es in dem Szenario beim Dollar und bei Gold weitergeht.

Kurseinbruch bei DAX und S&P500 - Goldpreis kommt kaum vom Fleck
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von Goldsammer | 08.12.2018, 12:14 Antworten

    Um mal beim Thema zu bleiben:
    Weeklyclose über der 200er. Ich sehe der Kurs kommt vom Fleck.

  • von ZhouWeng | 07.12.2018, 16:35 Antworten

    Der S&P500 war nach der Information über die Verhaftung sogar leicht im plus, am Tagesende, also nur eine faule Ausrede. Der Aktienmarkt ist überteuert, mindestens um das doppelte, das hat nichts mehr mit Realität zu tun. Ja, auch der DAX profitiert massenhaft von der Verschuldung; nur, 99% haben nichts davon, außer Schulden, die dürfen sie dann tragen.
    Die USA werden nichts besser überstehen, die werden verhungern. Ah ja, der starke Dollar, deren Exportschlager; USA hat die mächtigste Armee, sie kann sich einfach alles holen, im Notfall. Das glauben wirklich noch die meisten.

    • von Minenfan | 08.12.2018, 05:21 Antworten

      Bei der Ausrede gebe ich Ihnen recht.
      Es kommt alles so wie die Macher das planen. Dann wird eine Begründung bekanntgegeben. Das sind dann die Lächerlichkeiten
      sondergleichen. Ich denke daß es langfristig allen an den Kragen geht.Denn man hat nur in Billigländern für die erste Welt produziert. Da muß alles dreifach konsumiert werden. Das erfährt eine sättigung oder kommt zum Stillstand wenn man Geld aus dem Markt nimmt.
      In den Billig Produktionsländern können sich die Menschen die von ihnen hergestellten Produkte nie leisten, das macht die Gier
      und der Egoismus, diese fallen uns auf den Kopf. Nur eine Frage der Zeit.

      • von Fritzthecat | 09.12.2018, 19:14 Antworten

        Im Grunde haben Sie recht. Allerdings wird sich an der Situation niemals etwas ändern. Die erste Welt hatte die Dritte schon immer ausgebeutet. Unser Wohlstand fundamentiert nur auf den Gebeinen der armen Länder. Nach einem witschaftlichen Kollaps wird es wieder aufwärts gehen und alles ist beim Alten. Wir schauen nur auf den Kapitalismus. Das eigentlich Wichtige wird noch immer weitgehend verdrängt.
        Die Ausbeutung der Natur wird uns das Genick brechen. Geld kann man immer produzieren. Den Klimawandel stoppen und den zerstörten Planeten wieder auf die Beine bringen, da wird es schon schwieriger. Ich weiß, daß ich jetzt den Finger in die Wunde lege, aber retten kann sich die Menschheit nur wenn sich die Anzahl der Erdenbürger sagen wir mal mindestens halbiert.

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