Stand: 25.06.2021 von Egmond Haidt
Die Fed-Sitzung vom 16. Juni hatte etliche Überraschungen für Investoren parat. Umso mehr sollten Gold-Fans die Entwicklung des Dollar beobachten.
Kurssprung beim Dollar lässt Goldpreis einbrechen

Auf Zwei-Monats-Tiefs von rund 1.760 Dollar je Unze war der Goldpreis eingebrochen, ehe er sich etwas erholt hat. Für den Kursrutsch hat die Fed-Sitzung vom 16. Juni gesorgt. Dabei hat die Fed die Prognose für das Wirtschaftswachstum für das vierte Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahr von 6,5 Prozent auf 7,0 Prozent angehoben.

Zudem hat die US-Notenbank den Ausblick für die Kernrate der Inflation, also bereinigt um Nahrungsmittel und Energie, für den gleichen Zeitraum von 2,2 Prozent auf 3,0 Prozent nach oben geschraubt.

Während das Obige weitgehend erwartet worden war, haben viele Fed-Mitglieder ihre Zinsprognosen angehoben, woraufhin die Notenbank völlig überraschend zwei Zinserhöhungen für 2023 signalisiert hat.

Nachdem Fed-Chef Jay Powell bislang immer betont hatte, die Fed werde über den kräftigen Inflationsanstieg hinwegsehen, weil er „vorübergehend“ sei, hat der neue Zinsausblick viele Investoren geradezu schockiert.

So waren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen innerhalb weniger Stunden nach der Fed-Sitzung von 1,49 Prozent bis auf 1,59 Prozent nach oben geschossen, sind allerdings in den Folgetagen eingebrochen und liegen mit aktuell 1,50 Prozent praktisch auf dem Stand von vor der Fed-Sitzung.

Auf der Pressekonferenz hat Powell zwar die Sorgen der Investoren vor möglichen Zinserhöhungen im Jahr 2023 zu zerstreuen versucht. Allerdings hat Powell – wie von Experten erwartet – bestätigt, dass die Fed mit der Diskussion über die mögliche Drosselung der QE-Anleihekäufe („Tapering“) von netto 120 Mrd. Dollar pro Monat begonnen habe.

Dollar schießt nach oben

Warum sind aber nach dieser Ankündigung die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen nach einem kurzen Sprung nach oben eingebrochen? Weil die Fed bei einer Drosselung der Anleihekäufe weniger Geld als bislang in das Finanzsystem und damit teilweise in die Realwirtschaft pumpen würde, woraufhin sich die Konjunkturperspektiven eintrüben – deshalb sind die Zinsen eingeknickt.

Um es schon einmal vorwegzunehmen: ich gehe von einer anhaltenden Talfahrt der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen in den nächsten Wochen und Monaten aus.

Zwischen der Fed-Sitzung und Freitagabend, 18. Juni war zudem der Dollar Index um zwei Prozent auf 92,3 Punkte nach oben geschossen - das ist eine enorme Bewegung innerhalb so kurzer Zeit –, was zu einem Einbruch beim Goldpreis geführt hat.

Zuerst hatte der US-Zinssprung nach oben den Dollar mit nach oben gezogen. Daraufhin mussten sich offenbar Spekulanten, die auf einen Rückgang des Dollar gesetzt hatten, eindecken und trieben ihn so zusätzlich nach oben.

Schließlich war der Dollar Index in den vergangenen Monaten auf Talfahrt und lag in den Tagen vor der Fed-Sitzung um lediglich ein Prozent über dem niedrigsten Niveau seit Dezember 2014. Kein Wunder, dass viele Spekulanten auf einen weiteren Rückgang und damit einen Ausbruch nach unten gesetzt hatten.

Der Index bildet die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen ab, vor allem dem Euro.

Ich hatte zuletzt geschrieben, dass die Fed nur aus einem einzigen Grund gerade jetzt mit der Diskussion über die Drosselung der Anleihekäufe begonnen haben dürfte: weil die Fed unbedingt den Dollar stützen wollte. Das können Sie in dem Beitrag „Fed wirft Nebenkerzen“ nachlesen.

US-Realzins bricht auf das niedrigste Niveau seit 1980 ein

Während die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf Berg- und Talfahrt waren, ist es dem Realzins auf Basis zehnjähriger Inflationsgeschützter Anleihen ebenso ergangen. Nachdem er noch am 15. Juni, also dem Tag vor der Fed-Sitzung, bei minus 0,87 Prozent gelegen hatte, ist er am Folgetag bis auf minus 0,75 Prozent nach oben geschossen, was den Goldpreis zusätzlich zum Dollar-Anstieg belastet hat. Zuletzt ist der Realzins allerdings eingebrochen und liegt bei minus 0,84 Prozent.

Das hat den Goldpreis gestützt.

Viele Investoren, und ich muss gestehen ich auch, verweisen häufig auf diesen Realzins, zumal man dessen Chart leicht im Internet findet. Der tatsächliche Realzins ist aber viel niedriger. Bei Zinsen für zehnjährige US-Anleihen von 1,5 Prozent und einer offiziellen Inflationsrate von 5,0 Prozent liegt der Realzins bei, minus 3,5 Prozent – das ist das niedrigste Niveau seit 1980!

Die US-Wirtschaft ist so „stark“, dass die Fed den Realzins auf das tiefste Niveau seit 1980 drücken musste – und dort auch halten wird müssen -, um die hochverschuldete US-Wirtschaft am Laufen zu halten – Wahnsinn!

Umso genauer werde ich in den nächsten Wochen die Entwicklung der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und des Dollar beobachten. Sollten die Zinsen auf Talfahrt bleiben, wovon ich fest ausgehe, könnte das schon bald für deutlichen Abwärtsdruck auf den Dollar sorgen. Dann schauen wir mal, wie sich der Goldpreis in dem Umfeld entwickelt.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"