Stand: 03.05.2021 von Hannes Zipfel
Die Kurse für die beiden Edelmetalle liefen in US-Dollar zuletzt seitwärts. In Euro sah die Entwicklung bedingt durch die jüngste Dollarschwäche nur geringfügig besser aus. Eine Richtungsentscheidung könnte in dieser Woche für Gold und Silber mit den Arbeitsmarktzahlen aus den USA anstehen.
Lackmustest für Gold und Silber

Wie mit angezogener Handbremse

Trotz anhaltender Liquiditätsflut und deutlich aggressiverer Statements als erwartet nach den jüngsten Notenbanksitzungen in Europa und den USA kommen die Gold- und Silberpreise nicht so recht vom Fleck.

Nach dem Herauslaufen des Goldpreises aus der Konsolidierungsflagge Mitte April können sich die Notierungen zwar über der Ausbruchslinie halten, die Kursentwicklung läuft jedoch gefühlt wie mit angezogener Handbremse.

Nun sind Rücksetzer auf Ausbruchslinien charttechnisch der Normalfall, weshalb noch alle Optionen offen sind.

Goldpreis in US-Dollar pro Unze

Das Gleiche gilt für den Silberpreis, der nach dem Überwinden des gleitenden 50-Tage-Durchschnitts am 21. April seitwärts läuft und zuletzt parallel zu dieser Durchschnittslinie leicht abbröckelte. Damit gerät nun der charttechnisch wichtige gleitende 200-Tage-Durchschnitt wieder in den Blickpunkt der technisch orientierten Anleger.

Silberpreis in US-Dollar pro Unze

Grünes Licht für Gold vom Terminmarkt

Die jüngsten Daten von der weltweit bedeutendsten Terminbörse COMEX zeigen ein interessantes Bild: Die Anzahl der offenen Gold-Kontrakte großer Spekulanten („Large Speculators“) auf weiter steigende Kurse ist zuletzt auf netto 170.619 Stück zurückgegangen und liegt damit etwas höher als Ende März 2021 und nahe dem Niveau von Anfang Juni 2020.

Damals notierte der Goldpreis allerdings mit ca. 1.350 US$/Unze ganze 450 Dollar niedriger als heute. Zum Jahresauftakt 2021 lag die Anzahl offener Kontrakte der Großspekulanten mit knapp 280.000 Stück noch knapp 40 Prozent höher.

Da die Positionierung der Großspekulanten als Kontraindikator gilt, bedeutet dieser deutliche Rückgang der netto Kontraktzahl auf steigende Kurse an der COMEX eine positive Entwicklung und zeigt zumindest von dieser Seite noch reichlich Luft nach oben für den Goldpreis an.

Der auf den Terminmarktdaten basierende COT-Index liegt für Gold mit 89 Punkten nach wie vor klar in der Kauf-Zone.

Für Silber geben die Terminmarktdaten kein so eindeutig positives Bild ab. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Konsolidierung des Silberpreises bisher deutlich stabiler verläuft als beim Goldpreis.

Aber auch beim Silber haben sich die offenen Kontrakte der großen Spekulanten auf steigende Kurse (netto Long) seit Dezember 2020 von 57.289 Stück auf aktuell 42.841 Stück um 25 Prozent zurückgebildet. Dabei lag der Silberpreis damals mit knapp 26 US$/Unze auf dem gleichen Niveau wie heute.

Damit gibt es auch für den kleinen Bruder des Goldes Luft von der Terminmarktseite nach oben.

Die „großen“ Arbeitsmarktdaten stehen an

Neben den deutschen Einzelhandelsdaten (Montag) und den Einkaufsmanager-Indizes (Mittwoch) stehen in dieser Woche am Freitag die „großen“ monatlichen US-Arbeitsmarktdaten für den April im Fokus der Anleger.

Im Konsens rechnen die Ökonomen mit einem Zuwachs von knapp einer Million neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Dies entspräche dem größten Stellenzuwachs seit August letzten Jahres.

Die Stundenlöhne sollen gleichwohl auf Jahresbasis um 0,4 Prozent gefallen sein.

Bereits am Mittwoch veröffentlicht der amerikanische Datenanbieter ADP die neu geschaffenen Stellen für den Privatsektor in den USA. Deren Anzahl soll sich im letzten Monat um 815.000 erhöht haben. Das wäre der stärkste Anstieg seit Juni 2020.

Da die Lage am Arbeitsmarkt ein wichtiger Bestandteil geldpolitischer Entscheidungen durch die US-Notenbank ist, sollten sich Edelmetallinvestoren für Mittwoch und Freitag auf höhere Kursschwankungen bei den Gold- und Silberpreisen einstellen.

Die wichtigsten Termine dieser Woche

Am Montagmorgen wurden von Destatis sehr starke Einzelhandelsdaten für Deutschland gemeldet. Statt wie erwartet 0,3 Prozent niedriger, stieg der Erlös der deutschen Einzelhändler im März um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat an.

Im Februar wurde noch ein Rückgang um 6,6 Prozent auf Jahresbasis verzeichnet.

Auch auf Monatsbasis war der Anstieg mit +7,7 Prozent im März sehr robust. Erwartet wurden hier nur +3,0 Prozent. Da es im April wieder zu einer Verschärfung des Lockdowns in Deutschland kam, ist für die nächste Datenveröffentlichung mit einem erneuten Rückschlag beim deutschen Einzelhandelsumsatz zu rechnen.

Eine leichte Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität in Deutschland zeigen bereits die ebenfalls am Montagmorgen von Markit Economics veröffentlichten Daten zum deutschen Einkaufsmanagerindex (EMI) für das verarbeitende Gewerbe. Der Index sank moderat von 66,4 Punkten im März auf 66,2 Punkte im April. Werte über 50 Punkten bedeuten Expansion. Für die gesamte Eurozone wurde der EMI für das verarbeitende Gewerbe mit 62,9 Punkten ebenfalls leicht rückläufig gemeldet (Vormonat: 63,3).

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termindaten die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 16:00 Uhr US-Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe April (ISM) 65,0 64,7
16:00 Uhr Preiskomponente US-Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe April (ISM) 86,0 85,6
20:20 Uhr Rede US-Notenbankchef Jerome Powell - -
Dienstag 03:45 Uhr HSBC Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe China April 50,8 50,6
14:30 Uhr US-Handelsbilanz März in US$ -74,3 Mrd. -71,1 Mrd.
Mittwoch 09:55 Uhr Deutscher Gesamteinkaufs-managerindex (EMI) April 56,0 56,0
09:55 Uhr Deutscher Dienstleistungs-einkaufsmanagerindex (EMI) April 50,1 50,1
14:15 Uhr Neue Stellen US-Privatsektor (ADP) April 815k 517k
14:15 Uhr US-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen April (ISM) 64,3 63,7
Donnerstag 03:45 Uhr China Einkaufsmanager-Gesamt-Index  - 53,8
08:00 Uhr Deutscher Auftragseingang Industrie im März ggü. Februar 1,7 % 1,2 %
Freitag 08:00 Uhr Deutsche Handelsbilanz März in EUR 19,5 Mrd. 19,1 Mrd.
08:00 Uhr Deutsche Industrieproduktion im März ggü. Februar 2,3 % -1,6 %
14:30 Uhr USA neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft im April 978k 916k
Datenquelle: Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von Stephan S. | 04.05.2021, 13:46 Antworten

Ich könnte mich immer noch ohrfeigen, im letzten Jahr Geld für Gold als Anlagevehikel verwendet zu haben, statt es in die Kryptowährungen zu stecken! Bei Gold ist die Luft raus und es liegt wertmäßig wie Blei in den Regalen!

3 Antworten an Stephan S. anzeigen

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"