Stand: 10.01.2020 von Egmond Haidt 12 Kommentare

Nach der Entspannung in der Iran-Krise hat der Goldpreis gegenüber dem Sechseinhalb-Jahres-Hoch etwas nachgegeben. Dennoch bleibt das Edelmetall zum Erhalt der Kaufkraft unentbehrlich, zumal es in der Euro-Zone wegen des gigantischen Schuldenbergs noch auf viele Jahre hinaus Strafzinsen geben dürfte. 

Ist die Iran-Krise schon vorbei? Diesen Eindruck könnte man beim Blick auf die Börsen bekommen. Nachdem US-Präsident Donald Trump in seiner Rede nach dem Angriff Irans auf US-Basen im Irak auf eine militärische Antwort verzichtet hatte, war der Ölpreis eingebrochen, während der S&P500 auf Rekordhochs geklettert ist und der DAX weniger als ein Prozent unter dem Spitzenwert von Ende Januar 2018 notiert. 

Im Gegenzug ist der Goldpreis etwas gesunken und notiert mit rund 1.550 Dollar je Unze (Stand 09.01.2020) drei Prozent unter dem Sechseinhalb-Jahres-Hoch. Belastet wurde er zudem durch die kräftig gestiegenen Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, sie liegen mit knapp 1,9 Prozent in der Nähe des Zwei-Monats-Hochs. 

Allerdings könnte die Iran-Krise jederzeit wieder eskalieren, was zumindest kurzzeitig für Börsenturbulenzen sorgen könnte. Wie gut das Umfeld für Gold insgesamt ist zeigt, dass die Notierung des Edelmetalls auf Euro-Basis zuletzt auf Rekordhochs geklettert war, während er auf Yen-Basis am 40-Jahres-Hoch notiert. 

Fed entwertet den Dollar kräftig

Verantwortlich für den Höhenflug des Goldpreises ist vor allem die US-Notenbank. Sie druckt über Repo-Geschäfte und das monatliche Anleihenkaufprogramm von 60 Mrd. Dollar kräftig Geld, wodurch die Bilanzsumme der Fed in den vergangenen Monaten um rund 100 Mrd. Dollar pro Monat nach oben geschossen ist. 

Damit druckt die Fed mehr Geld als bei den vorherigen QE-Gelddruckrunden, was die Fiat-Währung Dollar zusehends entwertet. Im Gegenzug steigt der Goldpreis kräftig. So finanziert die Fed die Schuldenexplosion in den USA, wo Staat, private Haushalte, Unternehmen und Banken rund 2,5 Billionen Dollar neue Schulden pro Jahr machen.

Bei einem Repo-Geschäft (Repurchase Agreement) verkaufen die Banken Anleihen, vor allem Staatsanleihen, in diesem Fall an die Fed, mit der gleichzeitigen Vereinbarung, die Papiere zu einem späteren Termin zu einem festgesetzten Preis zurückzukaufen.
Aus ökonomischer Sicht handelt es sich praktisch um einen Kredit, der mit Wertpapieren besichert wird.

Lagarde findet Strafzinsen gut

Da will EZB-Chefin Christine Lagarde nicht zurückstehen, und hat einmal mehr die Euro-Länder aufgefordert mehr Schulden zu machen, um so die schwächelnde Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln.

So solle es einen „konzertierten fiskalischen Stimulus“ geben, indem die Behörden der einzelnen Länder besser zusammenarbeiten. Das größte Risiko in der Euro-Zone und weltweit sei ein Abschwung beim Welthandel, der vor allem die Industrie und die Investitionen belaste, sagte Lagarde. 

Sie ist zudem eine Anhängerin von Strafzinsen – unglaublich! Die EZB-Chefin will also das Schuldenproblem der Euro-Zone mit noch mehr Schulden „lösen“ – Wahnsinn!

Zur Erinnerung: 

Obwohl die EZB kräftig Geld druckt und es Strafzinsen gibt, wodurch sich die Länder der Euro-Zone jährlich zig Mrd. Euro an Zinszahlungen sparen, sind die Schulden zwischen dem Ende des zweiten Quartals 2018 und des zweiten Quartals 2019 um horrende 180,1 Mrd. Euro auf den Rekord von 10,1 Billionen Euro gestiegen. Das sind herbe 86,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Noch mehr Schulden machen bedeutet allerdings, dass die EZB auf Jahre hinaus weiter kräftig Geld drucken und die Strafzinsen höchstwahrscheinlich noch tiefer in den Keller drücken muss, womit es noch mehr Anleihen mit Strafzinsen gäbe als ohnehin schon – welcher Irrwitz!

Damit entgehen den Sparern in Deutschland jährlich zig Mrd. Euro an Zinseinnahmen, wodurch die Sparer immer weiter enteignet werden. Die Inflation sorgt für zusätzliche Kaufkraftverluste. 

Gleichzeitig steigen die Häuserpreise und die Mieten auf immer neue Rekordhochs. Damit zahlen neben den Sparern gerade auch die Mieter und die Immobilienkäufer, für die die Häuser und Wohnungen zusehends unerschwinglich werden, einen hohen Preis für die irrwitzigen Strafzinsen der EZB. 

Aus der Politik der EZB gibt es keinen Ausstieg

Mit ihren niedrigen Zinsen kurbelt die EZB zudem das Schuldenmachen bei privaten Haushalten und Unternehmen weiter an. 

Die Folgen dieser absurden Politik: Die Schulden in der Euro-Zone, also von Staat, privaten Haushalten, Unternehmen und Banken sind zuletzt auf den Rekord von 43,7 Billionen Euro gestiegen – das sind horrende 373,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. 

Der Wert ist damit noch schlechter als der für die USA von rund 330 Prozent. Die Zahlen sollten unmissverständlich klar machen, dass es aus der Politik der EZB keine Umkehr gibt, vielmehr sollte künftig noch mehr Geld gedruckt werden, während es noch mehr Strafzinsen gibt. 

Damit haben Anleger die Wahl: Entweder sie finden sich mit immer mehr Strafzinsen ab, oder die Anleger stecken einen Teil ihres Finanzvermögens in physisches Gold, um sich vor Strafzinsen zu schützen. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Lagarde fordert Euro-Länder zu mehr Schuldenmachen auf
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Tobias Fiktiv | 18.01.2020, 01:37 Antworten

Die Federal Reserve druckt seit Jahren Unmengen an Geld, ohne dass dies durch ein entsprechend zunehmendes BIP gerechtfertigt wäre. Mit diesem Geld kauft sie dann (obwohl dies nicht zulässig ist) Aktien aus dem S&P 500-Index und treibt damit die Aktienkurse künstlich nach oben, zum Wohle der Wall Street, nicht des gemeinen Steuerzahlers, welcher einen immensen Kaufkraftverlust infolge der Inflation erleiden muss, sobald dieses Geld einmal nicht mehr in den Tresoren der Großbanken wie JP Morgan gehalten, sondern in Umlauf gebracht wird.

Die Inhaber/Aktionäre dieser begünstigten Unternehmen bekamen, wie ich jüngst erfuhr (diskret) ein Steuergeschenk von 20% angeboten unter der Bedingung, dass sie von den eingesparten Steuern Aktienrückkäufe tätigen. Diese Rückkäufe tragen abermals dazu bei, dass die Kurse weiter steigen. Wie gesagt: ohne, dass entsprechende Unternehmenserträge dies rechtfertigen würden. In gleicher Weise geht man auch in der Eurozone seit Jahren vor. Es wird Geld gedruckt, um die Parität mit dem Dollar zu halten und die Aktionäre zu beschenken. Die Schweiz (kein Euro-Land) ist sogar der Weltmeister im Gelddrucken geworden. Seit der Abschaffung der Golddeckung vor ein paar Jahren hat sich die Geldmenge der Schweizer Franken verfünfzehnfacht.
Mit Negativzinsen will man die Leute zur Kasse bitten bzw. sie zum Konsum zwingen. Und je mehr wir bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten akzeptieren, desto näher kommen wir der Abschaffung des Bargeldes und dem Zwang hinein in ein ausschließlich elektronisches Bezahlsystem, bei welchem dem Negativzins zu entgehen (z.B. durch Halten von Bargeldbeständen) endgültig der Boden entzogen wird. Inflation, Guthaben-Negativzins und Abschaffung des Bargeldes sind die Pfade zur Enteignung und Verarmung der Bevölkerung.

von Commander Crash | 13.01.2020, 19:09 Antworten

Medizinstudium. Wird bald genug zu tun geben. Weiß aber gerade nicht ob das ein durchschnittlich Intelligenter und rechtzeitig hinbekommt.

von Steve O | 13.01.2020, 15:53 Antworten

Jeder durchschnittliche intelligente sollte schon seit Jahren begriffen haben wie das System läuft.
Die Frage ist was tun? Sachwerte, Gold, Silber, Immobilien, Aktien, usw.
Mich würde Interessieren wie ihr damit umgeht, bzw. was eure Anlage ist.
Danke

von Peter L Ustig | 12.01.2020, 14:58 Antworten

Und fast alle Dummen schauen lieber tatenlos zu anstatt sich und sein "Polster für schlechte Zeiten" dem System entzogen stabil abzusichern!
Es werden diejenigen sein,welche dann am lautesten jammern werden!

von der deutsche Michel | 12.01.2020, 09:38 Antworten

Zum Thema Lagarde hatte ich kürzlich in Focus - Online genau das moniert und dazu geschrieben , das die Lagarde der Sargnagel für unseren Euro und unser Europa wird !! Hat mich doch darauf dieses Blatt dauerhaft gesperrt !! Gute Nacht FREIHEIT !!

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"