Stand: 27.11.2018 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Am vergangenen Dienstag meldete die London Bullion Market Association (LBMA) erstmals die Wochenumsätze des wichtigsten Handelsplatzes für den physischen Handel von Gold und Silber. Damit kommt die LBMA dem Ruf nach mehr Transparenz nach.

Londons Goldhandel soll transparenter werden

In der Vergangenheit hat der Ruf des traditionsreichen Handelsplatzes wegen bekannt gewordener Preismanipulationen bei den täglichen Fixings und dem Handel von Gold aus illegalen Goldminen arg gelitten. Weltweit sind die Referenzpreise aus London für die gesamte Goldbranche von enormer Bedeutung, da auf ihrer Basis Milliardenumsätze abgerechnet werden.

Daher sollten die fixierten Preise möglichst fair und transparent zustande kommen. Beim Goldpreis, Platinpreis und Palladiumpreis werden einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag Fixings durchgeführt. Beim Silberpreis gibt es derzeit lediglich ein Fixing zur Mittagszeit.

Ein Großteil des Londoner Goldhandels erfolgt durch Banken, Broker und Händler im sogenannten OTC-Geschäft (Over the Counter). Mit der in der vergangenen Woche erfolgten Veröffentlichung der Umsatzzahlen erhalten die Marktakteure einen verbesserten Marktüberblick.

Das erste Update über die Wochenumsätze der LBMA (siehe Tabelle) fiel bei Gold folgendermaßen aus:

  • In der Woche vom 12. bis 16. November wurde pro Tag ein durchschnittlicher Umsatz in Höhe von 36,9 Milliarden Euro registriert, wobei täglich im Durchschnitt 30,2 Millionen Feinunzen den Besitzer gewechselt haben.

  • Innerhalb einer Woche wurden im Kassahandel insgesamt 95 Millionen Feinunzen Gold und bei Termingeschäften (Swaps & Forwards) 46,5 Millionen Unzen Gold gehandelt.

Detaillierte Umsatzdaten der LBMA

Gold (in Mio. Unzen) Silber (in Mio. Unzen)
Kassamarkt 94,96 1.065,0
Swaps & Forwards 46,52 651,2
Optionen 4,09 36,7
Ausleihungen, Pfand u.ä. 5,44 43,7
insgesamt 151,01 1.796,6
Durchschnitt pro Tag 30,2 359,3
Euro-Umsatz pro Tag (in Mrd. Euro) 36,9 5,2
Quelle: LBMA, Stand: 20.11.2018

Der Rest verteilte sich auf das Geschäft mit Optionen (4,1 Millionen Unzen) und Ausleihungen (5,4 Millionen Unzen). Damit rangiert die LBMA gegenwärtig hinter der Comex auf Platz 2 der wichtigsten Goldhandelsplätze und „meilenweit“ vor der Shanghai Gold Exchange.

Wichtig zu wissen: Die ersten Umsatzzahlen stellen lediglich eine Momentaufnahme in relativ ruhigen Handelszeiten dar. Richtig aussagekräftig werden die Daten, die nach drei Monaten übrigens täglich veröffentlicht werden sollen, wenn man den Umsatzverlauf über mehrere Monate analysieren kann.

Im OTC-Handel von Silber wurden im Kassahandel innerhalb einer Woche fast 1,1 Milliarden Feinunzen und mit Swaps & Forwards 651 Millionen Unzen umgesetzt. Deutlich geringer fiel das Geschäft mit Optionen (36,7 Millionen Unzen) und Ausleihungen (43,7 Millionen Unzen) aus. Damit wurden pro Tag durchschnittlich 5,2 Milliarden Euro in Silber umgesetzt, was pro Tag einer Menge von 359,3 Millionen Feinunzen entsprach.

Noch transparenter will die LBMA im nächsten Jahr werden, wenn neben Gold und Silber auch die Umsätze im Platin- und Palladiummarkt kommuniziert werden. Aus Sicht der Investoren ist die Transparenz-Offensive auf jeden Fall zu begrüßen.

Im vergangenen Jahr beschloss die LBMA übrigens das regelmäßige Veröffentlichen der Gold- und Silberbestände in den Londoner Tresoren. Ende Juni waren laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters offiziell

7.684 Tonnen Gold im Wert von 309 Milliarden US-Dollar und 34.901 Tonnen Silber im Wert von 18 Milliarden US-Dollar in London „gebunkert“.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen erfahren die Anleger wie stark sich Geld in den verschiedenen Währungsregionen ermäßigt hat. Erinnern Sie sich noch an die Zeit als Deutschland ein Land mit besonders stabiler Währung galt? Lang, lang ist es her.

Mittlerweile übertrifft die deutsche Inflationsrate (Oktober: 2,5 Prozent) sogar die italienische Teuerung in Höhe von 1,6 Prozent recht deutlich. Damit sind wir übrigens auf dem höchsten Niveau seit zehn Jahren angelangt.

Aktuelle Novemberzahlen stehen am Donnerstag (Deutschland) und Freitag (Frankreich, Italien und Eurozone) auf der Agenda. Notenbanken wie die EZB und die Fed betrachten eine Inflation in Höhe von zwei Prozent als erstrebenswert.

Wendet man diese Rate auf den deutschen Schuldenberg (aktuell: 1.771 Milliarden Euro) würde sich dieser pro Jahr um über 35 Milliarden Euro entwerten. Bei Italiens Schulden (aktuell: 2.331 Milliarden Euro) würde sich der Betrag sogar auf über 46 Milliarden Euro erhöhen. Ob die Notenbanken ein deutliches Überwinden dieses Wunschwerts verhindern können, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.

LBMA meldet erstmals Wochenumsätze für Gold und Silber
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [2]
  • von Der Deutsche MICHEL | 27.11.2018, 08:38 Antworten

    Glaube keiner Statistik die du nicht selbst GEFÄLSCHT hast !!!

    • von Freddy | 29.11.2018, 18:00 Antworten

      Andre' Kostolany perfekt!!!

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany