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Stand: 15.11.2021 von Hannes Zipfel
Die türkische Lira fällt auf ein neues Rekordtief und heizt damit die Inflationsspirale am Bosporus weiter an. In Deutschland zeichnet das Statistische Bundesamt derweil ein düsteres Bild der Teuerungslage bei den Erzeugerpreisen. Gespannt warten die Anleger nun auf die Sitzung der türkischen Zentralbank am Donnerstag und auf neue Preisdaten von den Statistikern aus Wiesbaden am Freitag.
Lira-Crash und deutsche Erzeugerpreise auf Allzeithoch

Das passiert, wenn Zentralbanken scheitern

Während die Staatsschulden in der Türkei in nur einem Monat um knapp sieben Prozent auf einen neuen absoluten Rekordstand nach oben schießen, nähert sich die jährliche Inflationsrate unaufhaltsam der 20 Prozent Marke an. Gleichzeitig senkte die türkische Zentralbank (TCMB) seit August dieses Jahres den Hauptrefinanzierungssatz von 19 auf 16 Prozent ab.

Diese Kombination setzte die türkische Lira massiv unter Druck, was die Inflation wegen steigender Importpreise weiter befeuert. Dadurch kommt eine gefährliche Spirale aus Währungsaußenabwertung und Inlandspreisinflation in Gang. Am heutigen Montagmorgen mussten bereits zeitweise 10,05 Lira für 1 US-Dollar bezahlt werden – mehr als jemals zuvor.

US-Dollar in Türkischer Lira

Ebenso wie die Staatsführung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan glaubt auch der geldpolitische Rat der türkischen Zentralbank (TCMB), dass die Inflation lediglich durch Probleme auf der Angebotsseite verursacht und daher temporärer Natur sei. Das Thema Verschuldung kommt in der Wahrnehmung der politisch Verantwortlichen in Ankara nicht vor.

Zuletzt hatte der Staatschef seinen Einfluss auf die Zentralbank gestärkt, indem er Mitte Oktober drei weitere Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses der TCMB entlassen und an deren Stelle eigenmächtig zwei neue Vertreter gesetzt hatte. Ziel der Aktion war es, eine Mehrheit in dem Ausschuss für weitere Zinssenkungen trotz eines steigenden Inflations- und Verschuldungstrends zu erhalten. Auch für die Sitzung am kommenden Donnerstag wird mit einer weiteren Zinssenkung um 100 Basispunkte gerechnet (siehe Datenkalender unten).

In den westlichen Volkswirtschaften ist die politische Unabhängigkeit der Notenbanken zwar offiziell noch gewahrt, aber der hohe Schuldenstand führt auch dort zwangsweise zu verfehlter Geldpolitik und zu einer einseitigen Ursachenargumentation für die Inflation wie in der Türkei (temporärer Angebotsschock).

Im Anschluss an die Tagung des geldpolitischen Ausschusses der TCMB um 12:00 Uhr MEZ wird ab 13:00 Uhr MEZ mit der Verlautbarung des Ergebnisses gerechnet. Die Zentralbanker können sich dabei auch der Aufmerksamkeit der Goldanleger sicher sein. Da die Türken versuchen, ihr Geld vor der Inflation in Sicherheit zu bringen und die Fluchtmöglichkeiten für Kapital ins Ausland bereits stark eingeschränkt wurden, bietet sich Gold als "Sicherer Inlands-Hafen" an. Der Goldpreis in türkischer Lira befindet sich aktuell auf einem Allzeithoch.

Goldpreis in türkischer Lira

Erzeugerpreisanstieg für Deutschland auf Rekordniveau erwartet

Die Zeiten, in denen Inflation nur ein Problem der "Südländer" war, sind spätestens mit dem Zusammentreffen von Rekordverschuldung, Nullzinsen, Gelddrucken und Pandemie auch in Deutschland vorbei. Wie das Statistische Bundesamt heute Morgen mitteilte, stiegen die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im September dieses Jahres gegenüber September 2020 um 13,3 Prozent an. Gegenüber dem August 2021 fielen die Preise leicht um 1,3 Prozent.

Am kommenden Freitag um 8:00 Uhr werden die Statistiker aus Wiesbaden den gesamten Erzeugerpreisindex für Deutschland veröffentlichen. Sollte sich die Prognose erfüllen und die Preise für im Inland verkaufte Produkte und Dienstleistungen auf Jahresbasis tatsächlich um 16,2 Prozent angestiegen sein, dann wäre dies die stärkste Preisinflation auf Erzeugerebene seit Beginn der Datenaufzeichnung.

Selbst während der Ölkrise in den 70ger-Jahren wurden im Mai und Oktober 1974 Maximalwerte bei den Erzeugerpreisanstiegen von jeweils "nur" 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erreicht. Damit würde der Erzeugerpreisindex auch absolut betrachtet im Oktober 2021 den höchsten Wert in der bundesrepublikanischen Geschichte erreichen.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 46 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 14:30 Uhr USA: New York Empire State Index Herstellungsindex Nov. 21,6 19,8
Montag 16:45 Uhr EU: EZB-Vizepräsident De Guindos äußert sich zur Geldpolitik der EZB
Dienstag 11:00 Uhr EU: Bruttoinlandsprodukt Q3´2021 3,7 % 14,2 %
Dienstag 14:30 Uhr USA: Einzelhandelsumsatz (Okt. / Jahr) 13,95 %
Dienstag 15:15 Uhr USA: Kapazitätsauslastung Okt. 75,7 % 75,2 %
Dienstag 15:15 Uhr USA: Industrieproduktion Okt. / Jahr) 4,62 %
Mittwoch 11:00 Uhr EU: Verbraucherpreisindex endgültig (Okt. / Jahr) 4,1 % 4,1 %
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Baugenehmigungen Okt. in Millionen 1,638 1,586
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel 1,001
Donnerstag 8:00 Uhr DE: Auto-Zulassungen (Okt. / Jahr) -25,7 %
Donnerstag 12:00 Uhr Türkei: Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der TCMB (Ergebnis gegen 13:00 Uhr) / Festsetzung Repo-Satz Nov. 15,0 % 16,0 %
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Philadelphia Fed Herstellungsindex Nov. 23,9 23,8
Freitag 08:00 Uhr DE: Erzeugerpreisindex (Okt. / Jahr) 16,2 % 14,2 %
Freitag 15:3 Uhr Türkei: Staatsschulden Okt. in Billionen TRY 2,181
Freitag 19:00 Uhr EU: EZB-Präsidentin Lagarde äußert sich zur Geldpolitik der EZB
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Niemand hat gesagt das wir eine Mauer bauen | 16.11.2021, 19:57 Antworten

Was wird kommen? Sehr wahrscheinlich folgendes:
1. Das Politbüro wird für einen Lockdown sorgen und weitere Hetze gegen ungeimpfte die sich nicht "wegimpfen" lassen veröffentlichen (man braucht einen Sündenbock)
2. Dann werden wieder Betriebe "gerettet" werden müssen was Geld kostet
3. Logistikketten werden noch stärker durcheinander geraten durch das on/off was sehr wahrscheinlich unheitlich erfolgen wird
4. Lieferketten werden noch stärker strapaziert werden, da Betriebe und Privatleute klügerweise sich eindecken werden
5. Um das Spiel - erst Recht im Panikmodus - am laufen zu halten muss weiteres Geld in den Markt gepumpt werden um z.B den Aktienmarkt zu stützen
6. Unser Politbüro wird den Sprit noch weiter verteuern, da Sie die Einnahmen benötigen. Gleichzeitig wird der Euro weiter nachgeben was Importe verteuern wird.
7. Ein schwacher Euro wird die Exporte steigen lassen was eine noch stärkere Materialnachfrage hervorruft. Es wird nur bedingt produziert werden können was die Preise noch steiler steigen lassen wird.
usw.... usw.... und ab einem Punkt wenn vielleicht die Inflationsrate auch offziell zweistellig wird werden die Leute allmählich die Lage verstehen.....

von Inflanator Drölf+ [Verordnungsday] | 16.11.2021, 10:35 Antworten

Mir scheint mit jeder neuen Ver[un]ordnung sinkt der Euro um 0,01. Er sollte eigentlich bei 1,40 USD stehen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"