Stand: 02.03.2020 von Hannes Zipfel
Das Coronavirus verursacht den weltweit größten Wirtschaftseinbruch seit der Finanzkrise. Die Notenbanken werden darauf mit noch aggressiveren Maßnahmen reagieren. Das Aufeinandertreffen von Inflation und Rezession könnte in einen Crack-up-Boom münden. Die Edelmetallpreise würden daraufhin förmlich explodieren.
Löst das Coronavirus einen Crack-up-Boom aus?

Das Coronavirus verursacht sowohl Rezession als auch Inflation

Die sich global verbreitende Seuche Namens „Covid-19“ verursacht ökonomisch einen giftigen Cocktail aus Wirtschaftseinbruch und Inflation. Dennoch reagieren die Notenbanken mit den einzigen Waffen, über die sie verfügen: der Verbilligung des Geldes via Zinssenkungen und die massive Ausweitung der Geldmenge (QE-Programme). 

Bereits vor dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie waren die Leitzinsen in den OECD-Staaten nahe null oder darunter. Die einzige bedeutende Ausnahme stellte der US-Leitzins dar (US Fed Funds Rate). Doch auch die Zinsen im US-Dollar-Raum werden in Kürze eine Null vor dem Komma aufweisen. Ablesbar ist dies bereits jetzt an den in die Höhe geschossenen Zinssenkungserwartungen des Marktes, die für den 18. März einen „großen“ Zinsschritt von 50 Basispunkten (0,5 Prozent) nach unten signalisieren.

Weitere Zinssenkungen werden für Ende April und Anfang Juni erwartet. Wobei auch kurzfristige Notzinssenkungen vor und zwischen den regulären Zinssitzungen der Fed zur Stützung des zuletzt förmlich kollabierenden Aktienmarktes denkbar sind. 

Die jüngsten Äußerungen von US-Notenbank-Chef Jerome Powell signalisieren eine erhöhte Wachsamkeit der US-Geldpolitiker und die Bereitschaft, auch kurzfristig „angemessen“ auf Risiken aus dem Finanzsystem zu reagieren.

Die richtungsweisenden US-Kapitalmarktzinsen zeigen ebenfalls den schnellen Zinsverfall an. Befanden sich die Renditen für US-Staatsanleihen vor 6 Monaten noch bei über 2 Prozent, so sind es aktuell nur noch 0,93 Prozent. Bis zu einer Laufzeit von fünf Jahren bieten US-Staatsanleihen nur noch eine Zinsrendite mit einer Null vor dem Komma. Das Volumen der weltweit mit einem Negativzins ausgestatteten Anleihen erreichte zuletzt ein Volumen von 13,6 Billionen Euro.

Darüber hinaus sind bereits jetzt bei den bedeutendsten drei Notenbanken der Welt Gelddruckprogramme aktiv: bei der Bank of Japan (BoJ), der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der US-Notenbank Fed. Im Rahmen dieser „QE“-Programme werden hauptsächlich Staatsanleihen aber auch Aktien und Exchange Traded Funds (ETF) aufgekauft.

Nötig geworden waren diese Maßnahmen, da sich die Schulden weltweit im Jahr 2019 so stark ausgeweitet hatten, wie zuletzt im Rekordschuldenjahr 2016. Die Weltbank warnte deshalb bereits Anfang Januar 2020 vor einer neuen weltweiten Finanzkrise, da die globale Schuldenlast nun das Doppelte des Gewichts aus der letzten Finanzkrise von 2008 erreicht hat. Ohne die massive Senkung der Kreditzinsen und den massenhaften Aufkauf von Schuldpapieren und Vermögenswerten, wäre die Schuldenlast schon vor dem Ausbruch des Coronavirus nicht mehr tragbar gewesen.

Nun jedoch kommt zusätzlich ein signifikanter Einbruch der Konjunktur auf die Welt zu. Im ersten Quartal dieses Jahres wahrscheinlich sogar eine globale Rezession. Damit kommt es zu dem größten anzunehmenden Unfall für das Finanzsystem: Die bereits mit faulen Krediten vollgesogenen Bankbilanzen drohen in Folge der jetzt zu erwartenden Pleitewelle bei Staaten (Argentinien, Venezuela, Chile, Türkei, etc.), Unternehmen und Bürgern umzukippen.

Bei einer „normalen“ Rezession würde sich die Teuerung bei Produkten und Dienstleistungen wegen der rückläufigen Nachfrage abschwächen und die Notenbanken könnten problemlos die Instrumente Zinssenkungen und Geldflutung einsetzen.

Im aktuellen ökonomischen Umfeld, ausgelöst durch das Coronavirus, haben wir es jedoch mit einer Kombination aus Angebots- und Nachfrage-Schock gleichzeitig zu tun. Die unterbrochenen Lieferketten zwingen betroffene Unternehmen, Vor- und Zwischenprodukte, z. B. aus China, anderswo zu beschaffen. 

Meist deutlich teurer, wenn sie denn überhaupt verfügbar sind.

Einen Teil dieser Mangel-Teuerung müssen die Unternehmen an die Konsumenten weiterreichen, was wiederum zu steigenden Konsumgüterpreisen führt. Darüber hinaus sorgen Hamsterkäufe und Versorgungsengpässe in vielen Bereichen ebenfalls für steigende Preise.

Hamsterkäufe wegen Corona Virus 2020 - COVID-19

Anhand der Zahlen von IHS Market für den Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes für Deutschland konnte man diesen Effekt bereits Mitte Februar beobachten: Die Unterkomponenten für die Einkaufspreise der Unternehmen und die Lieferfristen stiegen signifikant an.

Diese Entwicklung dürfte erst der Beginn einer ausgeprägten Mangel-Teuerung sein.

Die Notenbanken müssen trotz Inflation Geld drucken und die Zinsen senken

Die Notenbanken stellt diese Gemengelage vor die Entscheidung, das Finanzsystem zu retten oder die Geldwertstabilität zu wahren. Beides gleichzeitig wird sehr schwierig. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Geldpolitiker sich schon entschieden haben, und zwar für die Stabilisierung des Finanzsystems und gegen die Eindämmung der Teuerung.

Dafür wurden die Inflationsziele der EZB und der Fed, die normalerweise bei zwei Prozent Konsumententeuerung (HVPI) pro Jahr liegen, aufgeweicht. Ein Überschießen der Inflationsziele wird nun ausdrücklich toleriert. Dazu wurde die Inflations-Steuerung von asymmetrisch auf symmetrisch umgestellt. Im Klartext heißt dies, dass die Zielmarke von zwei Prozent Teuerung pro Jahr deutlich überschritten werden darf, da sie jahrelang unter der Zielmarke verweilte.

Wie weit und wie lange die Teuerung überschießen darf, ist gleichwohl bisher nicht definiert. Dies öffnet einer stark ansteigenden Teuerungsrate Tür und Tor.

Die Folge dieser durch die Coronavirus-Krise erzwungenen „unkonventionellen“ Geldpolitik könnte eine unkontrollierbare Inflation sein. Diese würde zuallererst die Vermögenspreise erfassen und zu einem Crack-up-Boom führen (Katastrophen-Hausse).

Dabei treibt die Angst vor der Inflation Anleger in die Vermögensmärkte. Die Folge ist ein Boom am Aktien-, Immobilien- und Rohstoffmarkt, der sich primär aus der Panik vor dem Wertverlust des Geldes speist. Die wirtschaftlichen Aussichten der Aktiengesellschaften oder die Industrienachfrage nach Rohstoffen spielt dann keine Rolle mehr.

Die Kurse, vor allem der Sachwerte, steigen dann nominal und auch real (inflationsbereinigt) sehr stark an.

Für die knappen Geldmetalle Gold und Silber würde solch ein Szenario mit massiven Lieferengpässen und einem enormen Anstieg der Verfügbarkeitsprämien einhergehen – so wie wir es bereits im Zuge der Lehman-Krise 2008 erlebt haben. Eine Explosion der Preise im Zuge von Panikkäufen wäre dann unausweichlich.

Fazit und Ausblick

Die Notenbanken sind um die auf sie zukommenden Zwickmühle, ausgelöst durch das Coronavirus, nicht zu beneiden. Bedingt durch die Unterbrechung von Lieferketten und Hamsterkäufen kommt es zu Knappheitsteuerung, bei gleichzeitig einbrechender Wirtschaftsleistung.

Die Folge ist eine Kombination aus Inflation und Rezession. 

Der Werkzeugkasten der „modernen“ Geldpolitik beinhaltet vor allem zwei Instrumente: die Zinspolitik und die Geldmengensteuerung. Zur Bekämpfung der Inflation müssten die Zinsen steigen und die Geldmenge verknappt werden. Zur Rettung der Banken und der Realwirtschaft muss aber genau das Gegenteil passieren.

Im Grunde haben sich die Geldpolitiker aber bereits für die Prolongierung unseres heutigen Wirtschafts- und Finanzsystems und gegen die Preisstabilität entschieden.

Umso wichtiger erscheint die Notwendigkeit, sich mit monetären Edelmetallen gegen diese „unkonventionelle“ Geldpolitik vor steigendem Kaufkraftverlust der Fiat-Währungen zu schützen.

Daher sollten die aktuellen Turbulenzen an den Edelmetallmärkten temporärer Natur sein, bis die ersten aggressiven Maßnahmen der bedeutenden Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantik folgen und sich die Edelmetallpreise, wie bereits im Jahr 2008, sehr schnell wieder erholen und neue Rekordmarken erreichen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Helge Zabelt | 14.03.2020, 17:30 Antworten

Nomen est omen

von Mein Senf | 02.03.2020, 17:59 Antworten

Jede Ausrede scheint gut um Geld zu erschaffen und die Verschuldung anzutreiben. Wenn keine zur Hand ist, erschafft man auch diese. Wie lange? Na ja, bis der Einkaufswagen zu klein ist, um damit Geld zum Becker zu bringen. Aber Bargeld ist nicht mehr, also, 'wie lange' ist eine sehr gute Frage.

2 Antworten an Mein Senf anzeigen
von Klaus von Ambacher | 04.03.2020, 12:47 Antworten

Kauft Zertifikate von Beerdigungsinstituten

von Commander Crash | 02.03.2020, 21:00 Antworten

DDR goes global or how I learned to love the corona-virus...
Herr Zipfel, warum gehen Sie eigentlich nicht mit dem mainstream und sprechen gleich vom Super Größten Anzunehmenden Unfall!?
In solchen Zeiten ist ein Mietendeckel wie ein geldwerter Vorteil, der von den Mietern über die Schenkungssteuer abgegolten werden sollte.

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