Stand: 16.11.2013  1 Kommentare

Im Interview mit dem DAF (Deutsches Anleger Fernsehen) vom 13. November 2013 spricht Günther Luitz, Vermögensverwalter bei der HDV Leimen, über die Potentiale für Edelmetalle im nächsten Jahr, den Einfluss der Terminmärkte auf die Goldpreisentwicklung, geschönte Konjunkturdaten und die Vorteile eines Zollfreilagers beim Kauf von Silber, Platin und Palladium.

Aktuelle Goldpreisschwäche

Nachdem der Goldpreis Ende August ein Hoch von mehr als 1.400 Dollar erreicht hatte, notiert das gelbe Edelmetall inzwischen wieder unterhalb der Marke von 1.300 Dollar. Dazu hat nach Einschätzung von Luitz auch die Europäische Zentralbank beigetragen, die den Leitzins kürzlich von 0,5 % auf ein historisches Tief von nur noch 0,25 % abgesenkt hat.

Auch die "Flut von Papiergeld" diesseits und jenseits des Atlantiks habe dem Goldpreis eher geschadet als genützt. Es waren vor allem die Aktienmärkte, die von der zusätzlichen Liquidität oder der Aussicht auf zusätzliche Liquidität profitierten, während Gold Kursverluste hinnehmen musste.

Einen großen Einfluss auf den Goldpreis übt nach wie vor der Futures-Handel an der Warenterminbörse COMEX aus, meint Luitz und erläutert: "Wenn heute 58 Händler hingingen und die Auslieferung ihres physischen Goldes verlangen, würden 57 Händler leer ausgehen. Wenn das Verhältnis von Papiergold zu echtem Gold so hoch ist, können Sie sich vorstellen, welchen Einfluss das auf den Goldpreis hat. Papiergold kann man so viel drucken, wie man will. Echte Waren - Fragezeichen."

Tatsächlich erreicht das Gold in den Lagern der COMEX, das für die Erfüllung von Futures-Kontrakten vorgesehen ist, laufend neue Tiefststände. Diese sogenannten Registered Stocks sanken kürzlich sogar unter die Grenze von 20 Tonnen.

Steigende Goldpreisentwicklung

Die aktuelle Goldpreisentwicklung beschreibt Luitz als einen "Rückwärtsgang oder Seitwärtsgang, den wir aber nur noch für eine ganz begrenzte Zeit haben werden.". Im nächsten Jahr erwartet der Experte einen höheren Goldpreis. Die Produktionskosten der Goldminengesellschaften liegen bereits heute bei 1.580 Dollar und werden bis zum Jahr 2016 voraussichtlich auf 2.000 Dollar ansteigen.

Bei einem Goldpreis auf aktuellem Niveau werden die Minenbetreiber "nur noch auf ganz kleiner Flamme produzieren", sagt Luitz. Auch würden die Gesellschaften versuchen, ihre Kosten niedrig halten, indem sie geplante Explorationen einstellen. Geringere Förderung und nachlassende Exploration führen dann zu einem rückläufigen Angebot an neu gefördertem Minengold.

Zugleich sei eine enorme Nachfrage nach physischem Gold feststellbar, erklärt Luitz. "Wenn man alleine sieht, was der asiatische Markt an physischem Gold aufnimmt: Das ist mehr als jemals zuvor und die Nachfrage ist so extrem stark, dass wir auf jeden Fall andere (also höhere) Preise bekommen werden.

Potential für Silber, Platin und Palladium

Die Mannigfaltigkeit der Einsatzmöglichkeiten von Silber (dazu gehören neben dem Bereich Investment, Schmuck und dem klassischen Tafelsilber zum Beispiel die Solarindustrie, Elektrotechnik, medizinische Anwendungen und vieles mehr) werden zu einem steigenden Gebrauch und Verbrauch von Silber führen und deutlich höhere Preise als heute nach sich ziehen.

Beim Platin sei neben der wichtigen Nachfrage aus der Automobilindustrie vor allem ein Bedarf aus der Chemie- und Elektroindustrie feststellbar. Bereits heute liege das Defizit, also der Nachfrageüberhang, bei 18,8 Tonnen Platin, sodass ein steigender Platinpreis wahrscheinlich sei. Das Edelmetall Palladium könne ebenfalls von einer stabilen industriellen Nachfrage profitieren. Darüber hinaus würden Streiks in Palladiumminen, die vor allem in Südafrika an der Tagesordnung sind, Angebotsengpässe schaffen und dadurch einen höheren Palladiumpreis rechtfertigen.

Vorteile eines Zollfreilagers

Beim Kauf von Platin, Palladium und Silberbarren wird bereits heute der volle Mehrwertsteuersatz von 19 % fällig. Dasselbe gilt ab dem 1. Januar auch für Silbermünzen, für die Deutschland in Umsetzung einer EU-Richtlinie den bisherigen ermäßigten Steuersatz von 7 % anheben muss.

Aus diesem Grund empfiehlt Luitz beim Kauf der weißen Edelmetalle Silber Platin und Palladium grundsätzlich die Vorteile eines Zollfreilagers zu nutzen, die es zum Beispiel in der Schweiz gibt und die es dem Anleger ermöglichen, die Mehrwertsteuer zu sparen beziehungsweise 19 % mehr Edelmetall zu kaufen. Goldbarren und Goldmünzen gelten hingegen als Anlagegold, das grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreit ist, sodass eine Aufbewahrung im Zollfreilager keinen Vorteil gegenüber der Lagerung in Deutschland mit sich bringt.

Geschönte Konjunkturdaten

Die Aussichten für die Konjunkturentwicklung sind nach Einschätzung von Luitz weniger rosig als man annehmen könnte. Die diesjährigen Anstiege der Bruttoinlandsprodukte mancher Länder, insbesondere der USA, betrachtet der Experte mit Skepsis. Durch die überproportionale Aufnahme immaterieller Vermögenswerte in die Bilanzen und Statistiken seien die Wachstumszahlen künstlich aufgebläht worden.

Als immaterielle Vermögenswerte gelten zum Beispiel Markennamen, die den Unternehmen zwar einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern verschaffen können, der aber schwer quantifizierbar ist. Eine Übertreibung ist bei immateriellen Vermögenswerten also wesentlich leichter möglich als zum Beispiel bei Lagerbeständen.

Allein im BIP der Vereinigten Staaten im 2. Quartal 2013 seien 560 Milliarden USD an neuen immateriellen Vermögenswerten enthalten gewesen, die ein zusätzliches nominelles Wachstum von 0,5 % generiert haben, ohne dass dieses Wachstum durch eine tatsächliche Expansion wirtschaftlicher Aktivität gedeckt wurde. Ab September 2014 werde derselbe Effekt auch in EU-Ländern wie Deutschland und sogar in der Schweiz feststellbar sein.

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Kommentare [1]
  • von Luppo | 18.11.2013, 08:21 Antworten

    All diese Artikel zum Thema Goldpreis sind doch BULL SHIT !
    Steigende Preise werden seit Monaten erwartet, der Goldpreis sinkt aus dubiosen Gründen wo es der Wirtschaft immer schlechter geht und auch die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Wirtschaftskriese ist alles andere als vorbei, noch mehr EU Länder sind dem Abgrund nahe doch alles wird schön totgeschwiegen! Also lasst in Zukunft Prognosen zum Goldpreis lieber bleiben und hört auf mit der Propaganda dass der Goldpreis auf mehrere tausend Dollar steigen wird!

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