Stand: 24.06.2020 von Hannes Zipfel
Die Nachfrage nach Gold als Investment bleibt in Indien trotz der Coronakrise sehr robust. Indien ist nach China und der Schweiz der drittgrößte Goldimporteur der Welt. Vor allem die Zuflüsse in goldgedeckte ETF überraschen positiv.
Nachfrage nach Anlagegold in Indien überraschend stark

Wirtschaft fragil - Investmentgoldnachfrage stabil

Trotz des seit 25. März in ganz Indien geltenden Shutdowns zog die Investment-Nachfrage in der Gold-Nation Indien im Mai gemäß jüngster Daten der Reserve Bank of India (RBI) und des World Gold Council (WGC) im Mai überraschend wieder an.

Die Schmucknachfrage erholte sich hingegen nur in Südindien, blieb in anderen Regionen des Landes aber sehr schwach, was in Anbetracht des stark rückläufigen Konsumentenvertrauens von 63,7 Indexpunkten im Mai nach noch 85,6 im März, der stark rückläufigen Schmuckverarbeitung sowie der geschlossenen Juweliergeschäfte keine Überraschung ist.

Die Nettozuflüsse in Gold-ETFs stiegen im Mai dieses Jahres auf das höchste Niveau seit Februar und damit auf ein Niveau vor dem Shutdown an. Insgesamt verzeichneten die goldgedeckten Investmentfonds in Indien Mittelzuflüsse von 8,15 Mrd. indische Rupie (Rs/ 95 Mio. Euro) im Mai 2020, verglichen mit 7,3 Mrd. Rs im April und einem Mittelabzug von 2 Mrd. Rs im März.

Die Reserve Bank of India (RBI) hat zwischen Februar und April ebenfalls Gold akkumuliert und ihre Goldreserven in diesem Zeitraum um 19,9 Tonnen aufgestockt. 

Offensichtlich waren es vor allem Umschichtungen aus indischen Standardaktien, die zu dem Anstieg bei den Bestände der Gold-ETFs führten. Der landesweite Shutdown und die steigende Anzahl von COVID-19-Fällen in dem eng besiedelten Land mit über 1,35 Mrd. Menschen hat die Anleger stark verunsichert.

Indiens Aktienmarkt, repräsentiert durch den Leitindex BSE Sensex, notierte Ende Mai 3,8 Prozent unter dem Stand des Vormonats und schloss zum Monatsultimo bei 32.424 Punkten. Zum Jahresauftakt notierte der BSE Sensex noch bei 41.306 Punkten.

Der Goldpreis ist in der indischen Rupie seit Jahresbeginn hingegen um über 20 Prozent angestiegen.

Zentralbank senkt die Zinsen – Rupie wertet ab

Um die Wirtschaft zu stabilisieren, verfolgt auch die RBI eine lockere Geldpolitik. Die Zentralbank senkte den Leitzins seit März um 75 Basispunkte. Der Außenwert der indischen Rupie gab seit Jahresbeginn gegenüber US-Dollar um über 6 Prozent nach, was den Goldpreis in der Landeswährung zusätzlich verteuerte.

Im Jahresvergleich macht dieser Abwertungseffekt der Rupie gegenüber Dollar sogar 8,5 Prozent aus. 

Außerdem schnürte die Zentralregierung in Mumbai zusammen mit der RBI ein Wirtschaftspaket in Höhe von 20,97 Billionen Rupie (ca. 250 Mrd. Euro). Das Paket konzentriert sich auf die Unterstützung der Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) und auf die Landwirtschaft in Indien, die nach wie vor knapp 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. In Deutschland ist dieser Anteil mit 0,9 Prozent des BIP deutlich geringer (Land- und Forstwirtschaft inkl. Fischerei/ Quelle: Statista.de). Daher kommen 22 Prozent des Konjunkturpakets indischen Landwirten zugute, die traditionell zu den eifrigsten Goldkäufern zählen.

Gesamtimporte leiden unter dem Shutdown

Die gesamten indischen Goldimporte waren im Mai 2020 im Jahresvergleich dennoch sehr stark rückläufig. Laut indischem Zoll beliefen sie sich auf nur noch 1,9 Tonnen und damit 98 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Vor allem die Raffinerien und die Schmuckindustrie importierten bedingt durch den Shutdown deutlich weniger des gelben Edelmetalls.

In der Woche ab dem 18. Mai wurden in Kochi im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens wieder Juweliergeschäfte eröffnet. Die täglichen Goldumsätze im Mai erreichten dort schon wieder ein Umsatzniveau von ca. 60-70 Prozent des Vergleichszeitraums des Vorjahres. Im gesamten südindischen Bundesstaat Tamil Nadu durften gemäß der Anweisung der Landesregierung kleine Juweliergeschäfte ohne Klimaanlage wiedereröffnen.

Große Juweliergeschäfte und Geschäfte in Shopping Malls blieben hingegen weiterhin geschlossen. Auch die Juweliergeschäfte im südwestlichen Bundesstaat Karnataka wurden Anfang des Monats wiedereröffnet. Die Einzelhändler dort meldeten einen durchschnittlichen Tagesumsatz von rund 25 bis 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In anderen Regionen sowie in der Hauptstadt Mumbai blieben die Juweliergeschäfte aufgrund der hohen Anzahl von Covid-19-Fällen weiterhin geschlossen. Das dürfte auch erklären, warum sich die Schmucknachfrage nur im Süden des Landes wieder erholte. Dies ist dennoch ein positives Signal dafür, dass sich im Zuge der Lockerung des Shutdowns die für die Weltgoldnachfrage so wichtige indische Schmucknachfrage relativ schnell wieder erholen dürfte.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"