Stand: 30.04.2020 von Hannes Zipfel
Wie der Interessenverband der Goldproduzenten und Verarbeiter World Gold Council (WGC) am heutigen Donnerstag berichtet, hat sich die weltweite Nachfrage nach goldgedeckten Investmentfonds im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem ersten Quartal 2019 massiv erhöht. 
Nachfrage nach Investmentgold vervierfacht

Gemäß dem aktuellen Bericht „Global Demand Trends“ verzeichneten goldgedeckte Fonds in den ersten drei Monaten dieses Jahres Zuflüsse von mehr als 298 Tonnen des gelben Edelmetalls. Damit stiegen die weltweiten Bestände in diesen Anlageprodukten auf ein Rekordhoch von 3.185 Tonnen an. 

Dies bedeutet einen Zuwachs der Goldbestände im ersten Quartal im Vergleich zum selben Zeitraum des letzten Jahres um mehr als 300 Prozent

Die gesamte weltweite Goldnachfrage erreichte den höchsten Stand seit dem zweiten Quartal 2013.

Große geografische Unterschiede bei der Nachfrage

Die Investitionen in Goldbarren und Goldmünzen sind im ersten Quartal auf 241,6 Tonnen gesunken, was einem Rückgang von 6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019 entspricht. Hinter diesem Rückgang verbergen sich extreme regionale Unterschiede:

  • So erreichte die westliche Nachfrage nach Goldmünzen mit 76,9 Tonnen eine Steigerung von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

  • Dahingegen fiel der Absatz von Goldbarren weltweit um 19 Prozent auf 150,4 Tonnen.

Die Analysten des WGC erklären dieses Phänomen folgendermaßen: 

„Die Nachfrage nach kleinen Goldbarren ist besonders stark in den ostasiatischen Märkten ausgeprägt, die aber auch zu den ersten Ländern gehörten, die von den Maßnahmen gegen das Coronavirus betroffen waren. Die lokalen Rekordpreise für Gold in den Währungen dieser Märkte haben zusätzlich zu Gewinnmitnahmen geführt“. 

Generell sind die Menschen in ärmeren Ländern in ihrem Kaufverhalten preissensibler. In den westlichen Volkswirtschaften wird Gold hingegen eher prozyklisch, also in steigende Preise hinein gekauft. 

Dies geschieht vor allem dann, wenn der Preisanstieg mit krisenhaften Erscheinungen einhergeht. Dies erklärt auch die hohe Nachfrage nach goldgedeckten Fonds, die vor allem im Westen eine große Rolle auf der Nachfrageseite spielen.

Gesamtnachfrage nur leicht gestiegen

Die gesamte Goldnachfrage zwischen Januar und März 2020 betrug 1.083,8 Tonnen, was einem Anstieg von 1 Prozent gegenüber der Goldnachfrage im ersten Quartal 2019 entspricht. Hauptverantwortlich für den geringen Anstieg waren neben der Kaufzurückhaltung in den Entwicklungsländern auch die Einbrüche bei der Schmucknachfrage.

Diese fiel gemäß den Analysten des WGC förmlich „von einer Klippe“.

Während die Investitionsnachfrage im ersten Quartal sehr stark war, galt dies nicht für den Schmuckmarkt, dem noch im vergangenen Jahr bedeutendsten Segment der Nachfrage nach physischem Gold.

"Fast ausnahmslos verzeichneten die Schmuckmärkte weltweit Verluste im Jahresvergleich, da die Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus die Auswirkungen steigender Goldpreise noch verstärkten", so die Analysten.
 „Der Schmuckkonsum sank im ersten Quartal, als die lokalen Goldpreise in verschiedenen Ländern in die Höhe schossen und die Märkte geschlossen wurden, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen“.

Insgesamt sank die weltweite Schmucknachfrage auf 325,8 Tonnen, was einem Rückgang von 39 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019 entspricht. Die Schmucknachfrage ging laut WGC auf das niedrigste Niveau seit Datenaufzeichnung des Verbandes zurück.

China war dabei am stärksten betroffen: Hier sank die Schmucknachfrage im ersten Quartal sogar um 65 Prozent.

Goldangebot im ersten Quartal rückläufig

Ebenfalls bedingt durch den Pandemie-Shutdown sank im ersten Quartal das Goldangebot um vier Prozent auf 1.066,2 Tonnen. Vor allem Schließungen von Minen und Raffinerien sowie die Unterbrechung von Lieferketten trugen zu diesem Rückgang bei. 

Allein das weltweite Minenangebot war in den ersten drei Monaten des Jahres um drei Prozent gefallen, da die Bergbauunternehmen im März ihre Produktion teilweise einstellen mussten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. 

„Der Rückgang der Minenproduktion im ersten Quartal ist angesichts des Ausmaßes der durch die globale Coronavirus-Pandemie verursachten wirtschaftlichen Störungen nicht überraschend. Die meisten Branchen sind von der Virus-Pandemie betroffen. Der Bergbau ist keine Ausnahme“ so das WGC.

Ab Mitte April begannen die Minen in Kanada und Südafrika ihre Produktion schrittweise wieder zu erhöht. 

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Mr.Silver | 03.05.2020, 02:56 Antworten

Gold ist einfach ein Vermögensschutz. Für Silber braucht man viel Platz. Doch Geld auf der Bank oder jetzt schon in Aktien kann das Vermögen vernichten. Gerade bei Aktien ist es so, das es in Crash Zeiten immer 3 Schübe gab. Dann kam eine Seitwärtsrange bevor es wieder aufwärts ging. Aktien kann man sich erstmal im Oktober wieder ansehen. Vom Mai bis Oktober fallen die Aktien sehr häufig, und das werden Sie dieses Jahr bestimmt tun. Da ist das Gold erstmal die bessere Anlage

2 Antworten an Mr.Silver anzeigen
von JosefH | 04.05.2020, 14:30 Antworten

Ist es derzeit überhaupt ratsam Gold zu kaufen für einige 10k bevor das Geld am Konto an wert verliert (zu wenig um was sinvolles zu tun - zu viel um es verschimmeln zu lassen), oder ist der Kurs bei über 1500 nicht wirklich eine Option

von Phoenix | 02.05.2020, 16:14 Antworten

...die Zeit für Silber wird kommen. Wenn Sie, Alfred, platz in ihrem Safe für Gold brauchen, ich nehm's gerne... ;-)

1 Antwort an Phoenix anzeigen
von Alfred | 02.05.2020, 12:06 Antworten

Nachfrage nach Gold steigt? Wer will sich auch schon einen Haufen Silberschrott in den Tresor legfen? Platzraubend und bisher im Vergleich Ag zu Au verlusteschaffend.

1 Antwort an Alfred anzeigen

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