Stand: 03.11.2019 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Obwohl Fed-Chef Jay Powell behauptet, dass die US-Wirtschaft gut laufe, hat er zum dritten Mal in Folge die Zinsen gesenkt. Damit liegen sie inzwischen unterhalb der Inflationsrate. Powell will zwar erst einmal eine Pause bei den Zinssenkungen einlegen, diese Prognose sollte sich allerdings einmal mehr als Fehleinschätzung herausstellen. 

Der Goldpreis hat einen Kurshüpfer nach oben auf mehr als 1.500 Dollar je Unze gemacht. Verantwortlich dafür ist neue Unsicherheit im Handelskrieg zwischen den USA und China. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zweifelt China wegen der impulsiven Natur von US-Präsident Donald Trump daran, dass ein langfristiger Handelsdeal möglich sei. 

Zudem bestehe das Risiko, dass sich Trump aus dem geplanten „Phase-1-Deal“ zurückziehen könnte, wobei noch immer nicht klar ist, wann er möglicherweise von Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping unterzeichnet werden soll, nachdem Chile wegen der dortigen Unruhen den APEC-Gipfel Mitte November in Santiago abgesagt hatte. Auf dem Treffen sollte der Deal eigentlich unterzeichnet werden. 

Außerdem hätten laut Bloomberg chinesische Regierungsbeamte gewarnt, dass sie in strukturellen Fragen nicht nachgeben würden. Wegen der neuen Unsicherheit brechen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 1,74 Prozent ein, und beflügeln damit den Goldpreis. 

Fed will Zinspause einlegen

Zuvor hatte die Fed-Sitzung von Mittwoch, 31. Oktober der Notierung des Edelmetalls Rückenwind gegeben. Dabei hatte die US-Notenbank FED die Zinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 1,5 bis 1,75 Prozent gesenkt, das war die dritte Reduktion innerhalb von drei Monaten.

Zudem hat die Fed signalisiert, dass sie erst einmal keine weitere Senkung plant. Nur wenn sich die Konjunktur überraschend stark abschwächen sollte, wären weitere Zinsschritte notwendig, so Powell. 

Der Fed-Chef gab sich zudem bezüglich der US-Wirtschaft optimistisch, zumal gerade der Arbeitsmarkt weiter gut laufe. Außerdem gäbe es eine Entspannung im Handelskrieg, während die Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit abgenommen hätte. 

US-Wirtschaft ist bei Weitem nicht so stark wie sie aussieht

Woher Powells Optimismus für die US-Wirtschaft kommt, ist allerdings sein Geheimnis. Zwar war sie im dritten Quartal um annualisiert 1,9 Prozent gewachsen, und damit etwas stärker als Volkswirte vorhergesagt hatten. Der annualisierte Wert wird errechnet, indem man die Veränderung gegenüber dem Vorquartal mit vier multipliziert. 

So haben die privaten Haushalte weiterhin Schulden gemacht und so kräftig konsumiert. Allerdings waren die Investitionen der Unternehmen um annualisiert 3,0 Prozent gesunken. Das zeigt, dass der Handelskrieg die US-Firmen immer stärker belastet, weshalb sie immer stärker auf die Investitionsbremse treten. 

Daher dürfte sich die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten deutlich abkühlen, und meiner Meinung nach zügig in Richtung einer Rezession abrutschen, zumal es bereits deutliche Bremsspuren am Arbeitsmarkt gibt.

So hat die Notenbank von New York ihre Prognose für das Wachstum der US-Wirtschaft für das vierte Quartal innerhalb weniger Wochen auf nur mehr annualisiert 0,9 Prozent halbiert. In den nächsten Wochen dürfte es rapide in Richtung null gehen. 

Das ist meiner Meinung nach der Grund weshalb die Fed die Zinsen drei Mal gesenkt hat und ein massives Gelddruckprogramm von 60 Mrd. Dollar pro Monat aufgelegt hat. 

Die Folge:

Weil Investoren befürchten, dass die Fed kurzfristig tatsächlich eine Zinspause einlegen könnte und damit die Wirtschaft nicht weiter stützen würde, sind die Zinsen für einjährige US-Anleihen auf 1,55 Prozent eingebrochen.

Damit liegen sie unterhalb der Inflationsrate von 1,7 Prozent, womit es negative Realzinsen in den USA gibt. Sie werden berechnet, indem man vom Nominalzins die Inflationsrate abzieht. 

Powell hat selbst auf der Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung gesagt hat, dass der negative Realzins die Wirtschaft ankurbeln soll. Wozu braucht man aber negative Realzinsen, wenn es der US-Wirtschaft angeblich so gut geht? 

Der negative Realzins beflügelt zudem den Goldpreis. Wenn die Zinsen immer weiter sinken, wird physisches Gold immer attraktiver.

Nach der Fed-Sitzung haben etliche Analysten geschrieben, dass die Fed trotz gegenteiliger Beteuerungen die Zinsen in den nächsten Monaten weiter deutlich reduzieren dürfte – meiner Meinung nach wird es im nächsten Jahr schnell in Richtung null Prozent gehen. Sollte die Inflation in den nächsten Monaten nicht kräftig zurückgehen, was praktisch kaum ein Volkswirt erwartet, würden die Realzinsen damit immer negativer werden. 

Egmond Haidt
Finanzjournalist

Negativer Realzins in den USA stützt den Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [2]
  • von der deutsche Michel | 03.11.2019, 11:42 Antworten

    100 Prozent der Anteilseigner der Fed sind private Banken . Kein einziger Anteil der Fed wird von der Regierung gehalten . Die JP Morgen Chase & Co , die Citygroup gleichzeitig der Eckpfeiler des Rockefeller - Imperiums . GEHÖRT die FED !!!

  • von M.D. | 03.11.2019, 10:47 Antworten

    Seriöser Artikel!!
    Danke

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