Gold: 1.686,82 € -0,33 %
Silber: 21,30 € +0,43 %
Stand: 21.11.2022 von Jörg Bernhard
Trotz Ukraine-Krieg, gestiegener Rezessionsängste und einer extrem hohen Inflation kann man von einer Flucht in den „sicheren Hafen“ Gold derzeit eher nicht sprechen. Dennoch spricht weiterhin vieles für den Goldkauf – unter anderem die relativ niedrige Kursschwankungsintensität bzw. Volatilität.
Niedrige Kursschwankungsintensität spricht für Gold

Gold mit Outperformance gegenüber Aktien und Kryptos

Grundsätzlich kann man dem gelben Edelmetall auch für das noch laufende Jahr durchaus eine wirksame Schutzfunktion attestieren – insbesondere, wenn man die in Euro berechnete Performance des Goldpreises mit der Entwicklung wichtiger Aktienindizes bzw. Kryptowährungen vergleicht.

Dank der markanten Dollarstärke erfuhr der Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz bislang eine Wertsteigerung von über fünf Prozent und hat damit zumindest die Hälfte der aktuellen Inflation kompensiert und gegenüber den meisten Aktienindizes und Kryptowährungen eine beträchtliche Outperformance erzielt. Bitcoin und Ethereum – die beiden wichtigsten digitalen Währungen – sind in diesem Jahr zum Beispiel um über 65 bzw. fast 70 Prozent eingebrochen.

Wer Gold kauft, sollte das Investment weniger als „Renditebringer“, sondern vielmehr als „Stabilitäts-Bringer“ ansehen.

Dank seiner auf lange Sicht zu beobachtenden negativen Korrelation gegenüber Aktien, dem Dollar sowie den Zinsen wirkt Gold innerhalb eines Portfolios wie ein „Beruhigungsmittel“ mit eingebautem Steigerungspotenzial hinsichtlich der Gesamtrendite.

Besonders interessant wird ein Goldinvestment aber auch durch einen anderen Begleitumstand: Verglichen mit anderen Anlageklassen schwankt es nämlich, trotz nicht vorhandener Diversifikation, weniger stark als Rohstoffe, Bitcoin & Co. sowie wichtige Blue-Chip-Aktienindizes, in denen bis zu mehrere hundert (S&P-500) oder gar mehrere tausend Aktiengesellschaften (Russell-2000) enthalten sein können. (siehe Tabelle)

Gold – weniger riskant als andere Anlageklassen

Die in den Tabellen vom US-Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange (CBOE) entwickelten und berechneten Volatilitätsindizes kann man als besonders aussagekräftig einordnen, weil sie nicht aus Vergangenheitswerten (-> historische Volatilität) abgeleitet, sondern aus aktuellen Optionspreisen auf den jeweiligen Basiswert (-> implizite bzw. erwartete Volatilität) ermittelt wurden.

Diese finanzmathematische Kennzahl spiegelt somit die vom Markt erwartete Kursschwankungsintensität wider und nicht die in der Vergangenheit registrierte Volatilität.

Bei der Interpretation von Volatilität sollten Anleger stets beachten, dass diese sowohl bei der Einschätzung des potenziellen Verlustrisiko als auch der konkreten Renditechance eines Investments herangezogen wird.

Je höher (niedriger) nämlich dessen Volatilität ausfällt, desto höher (niedriger) ist zum einen die damit verbundene Verlustgefahr und zum anderen aber auch die potenzielle Gewinnchance anzusehen.

Stark vereinfacht kann man die Tabelle folgendermaßen interpretieren: Der Kauf von Gold kann als deutlich weniger riskant als ein Rohölinvestment angesehen werden. Und selbst ein Indexinvestments in den Dow-Jones, den S&P-500, Nasdaq-100 oder den Russell-2000 birgt derzeit – ungeachtet seines Diversifikationseffekts – ein höheres Risiko als der Erwerb von einfachem Gold.

Volatilitätsindizes diverser Anlageklassen im Vergleich

CBOE-Volatilitätsindizes aktuell 52-Wochentief 52-Wochenhoch
Gold (GVZ) 16,5 % 14,6 % 31,7 %
Dow-Jones (VXD) 20,9 % 15,6 % 32,1 %
S&P-500 (VIX) 24,1 % 16,6 % 36,5 %
Nasdaq-100 (VXN) 29,3 % 21,2 % 41,4 %
Russell-2000 (RVX) 28,2 % 23,3 % 41,9 %
Rohöl (OVX) 45,9 % 34,3 % 78,9 %
Stand: 21.11.2022 Quelle: Chicago Board Options Exchange

Ausblick für die laufende Woche

Der Goldpreis scheint nach der rasanten Rally um in der Spitze neun Prozent binnen weniger als zwei Wochen erst einmal eine Atempause eingelegt zu haben. Trotz einer nachlassenden Inflation in den USA waren von den Fed-Notenbankern zuletzt überwiegend „falkenhafte“ Kommentare zu hören.

Das heißt: Weiterhin steigende Leitzinsen dürften die Akteure an den Goldmärkten vor massiven Käufen tendenziell zurückhalten. An den Terminmärkten ist aber vor allem unter großen Terminspekulanten die Stimmung von „skeptisch“ auf „optimistisch“ umgesprungen.

Erfahrungsgemäß beeinflusst die Entwicklung an den Terminmärkten den Goldpreis besonders stark.

Aus charttechnischer Sicht kann man dem gelben Edelmetall weiterhin einen gelungenen Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtskanal attestieren. In den kommenden Handelstagen könnten wichtige Konjunkturindikatoren aus den USA und Europa der Krisenwährung Gold neue Impulse verleihen.

Sollten die Wirtschaftsdaten schwächer als erwartet ausfallen, dürften die Zinsängste nachlassen und dadurch möglicherweise dem Goldpreis in höheren Regionen verhelfen.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Herbert | 22.11.2022, 16:35 Antworten

Wer Gold kauft, sollte das Investment weniger als „Renditebringer“, sondern vielmehr als „Stabilitäts-Bringer“ ansehen. ???????????????

Da ich seit 2010 kontinuierlich gekauft habe, kann ich diese Aussage nur diskriminierend zur Kenntnis nehmen, da meine Aurumanlagen als € -Käufe jährlich um über 8% Zinsen gegenüber dem Fiatgeld wuchsen.

Sorry, aber wer mehr will soll lieber spekulieren und sich wirecard oä. suchen.

Grüsse aus Team von Herbert

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