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Stand: 25.01.2022 von Jörg Bernhard
Die Aktivitäten der Notenbanken werden seit Jahrzehnten mit Argusaugen beobachtet. Bei den hauptverantwortlichen Entscheidungsträgern von Fed und EZB wird nahezu jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Dies führt an den Finanzmärkten regelmäßig zu heftigen Reaktionen.
Notenbanken und ihr „goldener Notgroschen“

Geld oder Gold, das ist hier die Frage

Am morgigen Mittwoch könnte es wieder einmal so weit sein. Dann wird die US-Notenbank das Ergebnis ihrer zweitägigen Beratungen veröffentlichen (20.00 Uhr) und im Anschluss daran eine Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell abhalten (20.30 Uhr).

Höchstwahrscheinlich erfolgt das erste Anheben der US-Leitzinsen seit Dezember 2018 auf dem für März anberaumten Treffen der US-Notenbanker. Darauf deutet zumindest das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group hin.

Dieses weist nämlich eine Wahrscheinlichkeit von über 93 Prozent an, dass wir im März höhere Zinsen als heute sehen werden, nachdem vor einem Monat hier lediglich ein Wert von 48 Prozent angezeigt worden war.

Die Angst vor steigenden Zinsen, muss nicht zwangsläufig dem Goldpreis schaden, schließlich kommt es immer darauf an, wie es um die inflationsbereinigte Realrendite bestellt ist – und die bewegt sich derzeit eindeutig im negativen Bereich. Außerdem sollte man sich im Zuge des größten geldpolitischen Experiments aller Zeiten stets darüber bewusst sein, dass steigende Zinsen bei Staaten, Unternehmen und Privathaushalten zu einem erhöhten Ausfallrisiko führen.

Übrigens: Auf den jüngsten Zinserhöhungszyklus der Fed (Dezember 2015 bis August 2019) reagierte der Goldpreis mit einem Wertzuwachs in Höhe von 32 Prozent. In einer aktuellen Studie weist der World Gold Council zudem darauf hin, dass eine Goldpreisschwäche meist im Vorfeld von Zinserhöhungen zu beobachten ist, während Gold danach meist eine Outperformance gegenüber US-Aktien und dem US-Dollar erzielt.

Die meisten Notenbanken „schwören“ auf Gold

Seit dem Platzen der Internetaktien-Blase im Jahr 2000 sind die internationalen Notenbanken regelmäßig als Retter in der Not in Erscheinung getreten. Durch ihre Zinssenkungen, ihre Anleihekäufe und ihre Einlagenzinsen haben sie ungedecktes Fiat-Geld immer unattraktiver gemacht.

Aufgrund des fehlenden Kontrahentenrisikos wuchs im Gegenzug das Interesse an Gold.

Doch nicht nur Investoren mit Schutzbedürfnis deckten sich mit dem Edelmetall ein, auch diverse Notenbanken stockten ihre nationalen Goldreserven massiv auf. Laut aktuellen Daten des World Gold Council beliefen sich allein in den vergangenen zehn Jahren die Nettokäufe der Notenbanken weltweit auf 4.529 Tonnen.

Der offizielle Goldbestand sämtlicher Notenbanken beläuft sich aktuell auf 35.571,3 Tonnen, wovon immerhin 10.771 Tonnen auf Länder der Eurozone fallen. Bei den Zentralbanken folgender Länder (siehe Tabelle) mit einem Goldbesitz von über 500 Tonnen entspricht der Goldanteil mehr als 50 Prozent der jeweiligen Währungsreserven:

  • USA (66,4 Prozent)
  • Deutschland (66,0 Prozent)
  • Italien (62,9 Prozent)
  • Frankreich (57,8 Prozent)
  • Niederlande (55,4 Prozent)

Aus diesem Grund sollte jeder Privatanleger eine möglichst hohe Goldquote innerhalb seines Vermögensportfolios anstreben. Das Vergleichsportal Gold.de empfiehlt hier einen Anteil von 5-10%, je nach individuellem Schutzbedürfnis.

Notenbanken mit Goldreserven von über 500 Tonnen

Land aktuell % der Währungsreserven
USA 8.133,50 66,40
Deutschland 3.362,40 66,00
Italien 2.451,80 62,90
Frankreich 2.436,40 57,80
Russland 2.298,50 21,40
China 1.948,30 3,30
Schweiz * 1.040,00 5,50
Japan 846,00 3,50
Indien 750,40 6,80
Niederlande 612,50 55,40
EZB 504,80 34,00

Quelle: World Gold Council, IWF, Stand: November 2021 * Oktober 2021

Ausblick für die laufende Woche

Hohe Wellen könnten in den kommenden Handelstagen nicht nur die anstehende Fed-Entscheidung, sondern auch wichtige US-Konjunkturdaten schlagen. Vor allem in der zweiten Wochenhälfte steigt die Spannung, schließlich erfahren die Marktakteure dann, wie sich die US-Einzelhandelsumsätze, die Handelsbilanz, der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter, das BIP-Wachstum in Q4, die wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe sowie die persönlichen Einnahmen und Ausgaben der US-Amerikaner entwickelt haben.

Sollte die US-Wirtschaft einen robuster als erwarteten Eindruck hinterlassen, könnte dies die Zinssorgen verstärken und aufgrund höherer Opportunitätskosten der Attraktivität von Goldinvestments schaden.

Der gute Ruf als langfristiger Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz dürfte darunter aber wohl kaum leiden.

Die Gefahr, dass das gelbe Edelmetall durch digitales Gold wie den Bitcoin abgelöst wird, kann nach dessen Kurseinbruchs um ein Drittel innerhalb von vier Wochen als vernachlässigbar eingestuft werden.

Verunsicherte Anleger dürften hohe Kursschwankungen auch in Zukunft eher abschrecken als anziehen.

Mit einer historischen 250-Tage-Volatilität von 72 Prozent beinhaltet der Bitcoin ein deutlich höheres Risiko als der Kauf von Gold, wo aktuell lediglich eine Vola von elf Prozent zu Buche schlägt.

Autor: Jörg Bernhard
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von Aus Spaß wird Ernst | 26.01.2022, 14:39 Antworten

Bitcoin -> Gold

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