Stand: 16.04.2019 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Am vergangenen Montag veröffentlichte der World Gold Council aktuelle Februar - Zahlen bezüglich der Goldreserven von Notenbanken. Per Saldo wurde für diesen Monat ein Anstieg um 51 Tonnen gemeldet.

Gold bleibt für Notenbanken ein Must-Have

Bei der Vorlage der für Goldanleger stets besonders interessanten Daten fiel vor allem eines auf: Die Goldverkäufe der „Währungshüter“ tendierten im Februar gegen null. Lediglich 200 Kilogramm Gold verließen die Tresore der Notenbanken.

In den Monaten November, Dezember und Januar gab es hingegen Goldkäufe zwischen 17 und 25 Tonnen Gold zu vermelden. Außerdem wurden neun Zentralbanken bedeutsame Zuwächse der Goldreserven attestiert, von denen der Löwenanteil mit mehr als 31 Tonnen auf das Konto Russlands ging.

Den zweitstärksten Goldappetit konnte man der chinesischen Notenbank attestieren, gefolgt von Katar (plus 3,1 Tonnen) und Kasachstan (plus 3,0 Tonnen). Alles in allem kann man die weltweit registrierten Nettokäufe mit 51 Tonnen aber lediglich als „durchschnittlich“ bezeichnen, schließlich war im Oktober noch ein Wert von 105 Tonnen und im Dezember ein Volumen von lediglich fünf Tonnen registriert worden.

Ein Trend scheint sich aber weiterhin fortzusetzen: Die Notenbanken großer Industrieländer sehen ihre Goldbestände offensichtlich als Halteposition, während vor allem in einigen Schwellenländern die Kauflaune der Zentralbanken relativ ausgeprägt und von nachhaltiger Natur zu sein scheint.

Sie haben diesbezüglich erheblichen Nachholbedarf, wenn man sich vor Augen führt, dass ihr Goldanteil lediglich einen kleinen Anteil der nationalen Währungsreserven ausmacht.

Top Ten der offiziellen Goldreserven

Land in Tonnen Währungsreserven
United States 8133,5 t 74,9 %
Germany 3369,7 t 70,6 %
IMF 2814,0 t 1)
Italy 2451,8 t 66,9 %
France 2436,0 t 61,1 %
Russian Federation 2150,5 t 19,1 %
China, P.R.: Mainland 1874,3 t 2,5 %
Switzerland 1040,0 t 5,5 %
Japan 765,2 t 2,5 %
Netherlands 612,5 t 65,9 %
Quelle: World Gold Council, IWF, Stand: April 2019 oder früher
1) Die Bilanzen von BIZ und IWF erlauben keine Berechnung dieses Prozentsatzes.

Schwellenländer haben Nachholbedarf

Laut aktueller WGC-Statistik über die offiziellen Goldreserven weisen die vier oben erwähnten besonders kaufhungrigen Länder wie:

  • Russland (19,1 Prozent)
  • China (2,5 Prozent)
  • Katar (5,6 Prozent)
  • Kasachstan (51,9 Prozent)

deutlich geringere Goldquoten aus als die drei Länder mit den üppigsten Goldreserven.

So beläuft sich diese Kennzahl bei den USA (8.133,5 Tonnen) auf 74,9 Prozent, Deutschland (3.369,7 Tonnen) weist mit 70,6 Prozent ebenfalls einen relativ hohen Wert auf und selbst Italien (2.451,8 Tonnen) kann noch mit einer Goldquote von 66,9 Prozent glänzen.

Dass Gold auch als Notreserve fungieren kann, hat im April die aktuelle Entwicklung in Venezuela gezeigt, dessen offizielle Goldreserven sich auf 161,2 Tonnen belaufen sollen. Doch die tatsächlich vorhandenen Goldbestände sollen mittlerweile gesunken sein.

Allein im April sollen acht Tonnen zur Bewältigung der Wirtschafts- und Staatskrise abgeflossen sein. Damit soll das rohstoffreiche Land seit dem Jahreswechsel um 30 Tonnen Gold ärmer geworden sein.

Ausblick für die laufende Woche

Obwohl US-Präsident Trump Anfang April eine Einigung im Handelsstreit mit China in Aussicht gestellt hat, warten die Akteure an den Finanzmärkten weiterhin auf eine Lösung des Handelskonflikts. Aber selbst, falls sich dieser Unsicherheitsfaktor in Luft auflösen sollte, stehen die nächsten bereits vor der Tür.

Das heißt: Ein massiver Kurseinbruch des Goldpreises dürfte eher unwahrscheinlich sein. Zuletzt hatte Trump wieder verstärkt gegen Europa und Mexiko gewettert.

Die globalen Konjunkturperspektiven dürften angesichts dieser Drohgebärden und dem ungelösten Brexit nach wie vor eher trübe ausfallen. So hat der Internationale Währungsfonds erneut die Prognosen zum globalen Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 nach unten revidiert.

Weltweit soll sich ein Plus von 3,3 Prozent (2018: 3,6 Prozent) einstellen, während die deutsche Wirtschaft nunmehr lediglich um 0,8 Prozent wachsen soll und damit weniger dynamisch zulegen wird als Großbritannien (1,2 Prozent).

Besonders spannend dürfte es in diesem Zusammenhang am Mittwoch werden. Dann wird nämlich China die Wachstumsraten der weltweit zweitgrößten Wirtschaft vermelden und zudem aktuelle März - Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion bzw. der Einzelhandelsumsätze kommunizieren. Das Interesse der Chinesen an Gold dürfte weder bei einem markanten Konjunktureinbruch noch im Falle eines robusten Wachstums sonderlich stark nachlassen.

Es ist und bleibt halt eine Vermögensklasse für die Ewigkeit.

Notenbanken vertrauen weiterhin auf Gold
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von Wolf | 16.04.2019, 16:26 Antworten

    Sonderangebote gibt's erst unter 1200 Dollar, erst dann wird reichlich zugegriffen.

  • von Gisela Flickenbild | 16.04.2019, 11:26 Antworten

    Jetzt kommt die Bodenbildung, Kaufbereitschaft einnehmen.

    • von dummkopf^2 | 16.04.2019, 18:32 Antworten

      Bitte definieren Sie "jetzt". Es ist gerade erst ein Wendepunkt/Hochpunkt überwunden und der Preis im Spot gefallen. Dass dann irgendwann ein "Boden" kommt, ist... durchaus logisch... Aber "jetzt"?
      Oder reden Sie bei "Kaufbereitschaft" von Aktien? Dann weiterhin viel Spaß beim Zocken.

      • Gold.de Redaktion   Gold.de - Redaktion | 16.04.2019, 19:35 Antworten

        Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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