Stand: 22.03.2020 von Egmond Haidt
Trotz des Crashs am Aktienmarkt ist der Goldpreis eingebrochen. Für Gegenwind sorgt vor allem der starke Anstieg des Dollar. Die Fed und die EZB reagieren mit immer aggressiveren Maßnahmen auf die heraufziehende weltweite Rezession. 
Notenpresse der EZB auf Hochtouren

Dramatischer Einbruch bei DAX und S&P500 innerhalb weniger Wochen: Wegen der Sorge, dass viele Länder mit ihren Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie, wie Ausgangssperren, eine weltweite Rezession auslösen dürften, ist der S&P500 gegenüber dem Rekordhoch vom 19. Februar um 30 Prozent kollabiert, der DAX sogar um 40 Prozent. 

Weil viele US-Banken befürchten, dass es in dem Umfeld trotz des geplanten Rettungsprogramms der US-Regierung zu massiven Kreditausfällen bei privaten Haushalten und Unternehmen kommen dürfte, saugen sich die Geldhäuser mit Liquidität voll, was die Nachfrage nach Dollar massiv erhöht. Gleichzeitig ziehen in dem Krisenumfeld viele US-Unternehmen und -Banken ihr Geld aus dem Ausland ab, gerade aus den Emerging Markets, was für zusätzlichen Aufwärtsdruck beim Greenback sorgt, während viele Investoren in die mit weitem Abstand wichtigste Weltreservewährung flüchten.

Daher ist der Dollar Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, widerspiegelt, in den vergangenen sieben Handelstagen um herbe 7,5 Prozent nach oben geschossen.

Das ist der stärkste Kurssprung seit Jahrzehnten. Im Gegenzug ist der Goldpreis eingebrochen und nähert sich mit rund 1.470 Dollar je Unze rapide dem Sechs-Monats-Tief von knapp über 1.450 Dollar.

Fed finanziert die Schuldensause mit der Notenpresse

Die Fed stemmt sich mit immer neuen Maßnahmen gegen den Crash am Aktien- und Anleihenmarkt, wobei gerade der Kurseinbruch – sprich der kräftige Zinsanstieg - bei Unternehmensanleihen, sowohl bei Investment Grade-Anleihen, als auch bei High Yield-Anleihen (Ramschanleihen), für massive Probleme sorgt, signalisiert er doch die stark steigenden Sorgen vor Kreditausfällen im Firmenbereich unmissverständlich.

Daher hat die Fed zuletzt die Leitzinsen um herbe 100 Basispunkte (1,0 Prozentpunkte) auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt und ein neues QE-Gelddruckprogramm von 700 Mrd. Dollar zum Kauf von Staats- und Hypothekenanleihen aufgelegt. Damit drückt die Fed die Zinsen nach unten, und macht es so möglich, dass gerade die US-Regierung weiter massiv Schulden machen kann.

So hat Finanzminister Steven Mnuchin ein Fiskalprogramm von 1,2 Billionen Dollar ins Spiel gebracht. Dabei sollen viele Erwachsene einen Scheck von 1.000 Dollar – Kinder von 500 Dollar – vom Staat bekommen, damit sie weiter konsumieren können. Weil man mit der Kohle aber nicht weit kommt, soll Ende April noch einmal die gleiche Summe folgen.

Das Programm beläuft sich allerdings auf herbe 5,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Inklusive der ohnehin üblichen Neuverschuldung würde das Haushaltsdefizit auf insgesamt mehr als zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung explodieren. Kein Wunder, dass US-Präsident Donald Trump jeden Tag Strafzinsen von der Fed fordert. 

Damit dürfte es innerhalb weniger Monate oder sogar Wochen auch in den USA Strafzinsen geben – eine verheerende Entwicklung für die dortigen Banken, wie das Beispiel der Geldhäuser der Euro-Zone und Japans klar zeigt. 

Umso besser würde hingegen das Umfeld für Gold sein, weil Investoren damit Strafzinsen umgehen können. 

EZB stemmt sich mit Notenpresse gegen Italien-Krise

Noch viel aggressiver als das Gelddrucken der Fed ist jenes der EZB – Wahnsinn! 

Zuletzt hat sie ein neues Programm von 750 Mrd. Euro aufgelegt, mit dem bis Jahresende Staats- und Unternehmensanleihen gekauft werden. Die EZB hat besonders die „Flexibilität“ des Programms bedroht. 

Im Klartext: Damit bekämpft die Notenbank vor allem den vorherigen massiven Zinsanstieg in Italien, damit sich das sehr hochverschuldete Land trotz des neuen Fiskalprogramms aufgrund der Corona-Pandemie weiter finanzieren kann. 

So waren die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen zwischen dem 4. und dem 18. März von knapp unter 1,0 Prozent auf 2,99 Prozent nach oben geschossen – da konnte die EZB natürlich nicht länger zuschauen. Außerdem will die Notenbank nun auch erstmals griechische Anleihen kaufen.

Gleichzeitig hat die EZB klar gemacht, dass sie das Programm jederzeit aufstocken oder verlängern kann. Das können viele Euro-Besitzer nur als Drohung auffassen.

Dabei hatte die EZB erst bei der Sitzung am 12. März ihr vorheriges Anleihenkaufprogramm von 20 Mrd. Euro pro Monat um insgesamt 120 Mrd. Euro bis zum Jahresende aufgestockt. Bei all den Zahlen dürfte vielen normalen Menschen ganz schwindelig werden, ich habe die Zahlen dennoch mal addiert. 

Ergebnis:

Im Neun-Monats-Zeitraum zwischen April und Dezember wird die EZB aus reiner Luft insgesamt 1.050 Mrd. Euro drucken, um sicherzustellen, dass hochverschuldete Länder, allen voran Italien, die zusätzlichen Stimulusprogramme zur Bekämpfung der Pandemie finanzieren können, ohne dass die Zinsen nach oben schießen.

Das sind horrende 116,7 Mrd. Euro pro Monat! Damit laufen die Notenpressen der EZB viel schneller als jemals zuvor. Auf dem bisherigen Höhepunkt der QE-Programme waren es zwischen April 2016 und März 2017 „nur“ 80 Mrd. Euro pro Monat. 

Damit entwertet die Notenbank den Euro stärker als jemals zuvor, zumal die Programme schon bald aufgestockt, oder neue aufgelegt werden dürften. 

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach physischem Gold in Deutschland kräftig steigt. 
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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Kommentare [6]
  • von Peter | 22.03.2020, 13:06 Antworten

    Das Problem ist nur das das Geld nicht beim vor allen betroffenen Bürger und Klein und Mittelständler ankommt.. Dieses Geld wird in erster Linie dafür gebraucht damit unsere Politiker Beamte und Migranten weiter in der vom Steurzahler finanzierten Hängematte bequem weiterliegt...Wenn jetzt zig Leute Kurzarbeit evtl. Arbeitslos bzw. Kleinst und Mittelständler oder soloselbständige wegbrechen ja wer bezahlt dann noch die ganzen Wohltaten für die og Gruppen..Glaubt jemand im Ernst daran das auch nur einPolitiker Beamter oder Migrant hier auf irgendwas verzichten wird,nee...Also wird Geld gedruckt die Rückzahlung kann dann über erhöhte SV Beiträge Rentenkürzungen oder Anhebung des Rentenalters der Normalo wieder bezahlen,siehe Bankenrettung ,Migrantenkosten,Pensionskosten.. und dann am besten noch Goldverbot und Bargeldverbot

    • von Chris | 23.03.2020, 13:53 Antworten

      sehe ich auch so, Danke

    • von Steffi | 22.03.2020, 19:12 Antworten

      Das sehe ich ganz genauso und ganz sicher sind wir da nicht die Einzigen.
      Die Politiker (übrigens nicht meine Politiker, weil sie Politik für andere machen, nur nicht für uns) interessiert es nicht im Geringsten, dass dem deutschen Steuerzahler so langsam die Luft ausgeht - im Gegenteil! Es wird rausgepresst was geht. Die Enteignung der Deutschen begann schon mit der Euroeinführung. Ich habe damals schon mit dem Kopf geschüttelt, als man uns einreden wollte, es wäre alles nur "gefühlt".

      • von Hans | 22.03.2020, 19:55 Antworten

        Na, den Kapitalismus gibt es aber nicht erst seit der "Euroeinführung". Auch die gute, alte DM hätte es irgendwann zerbröselt. Wenn in diese Richtung argumentiert werden will, dann ab dem Zeitpunkt mit der Aufhebung der Golddeckung.
        Aber hey, sehen wir es positiv: Wir hatten eine lange Friedenszeit und konnten intensivst die Vorteile des Lebens über dem Verhältnis auskosten. Daran hat jeder seinen Teil abbekommen, nicht nur die Politiker.

  • von Fazit des Goldhamsters | 22.03.2020, 18:09 Antworten

    Wird immer mehr Geld in die bestehende Geldmenge eingestreut, verliert das vorherige Fiatgeld weiter an Wert.

  • von Ex Orbit | 22.03.2020, 13:07 Antworten

    Von hier oben sieht alles ganz normal aus...wie immer und recht schön. Wird es einen Rückholflug geben? Wird Frau Klöckner vor 3 Paletten frisch gedruckter EURO-Noten stehen und fröhlich verkünden, dass jene schon bald in deutschen Supermarktregalen lagern werden?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"