Stand: 05.12.2018 von Florian Grummes 2 Kommentare

Während sich die Preise für Silber, Platin und Gold seit nunmehr über sieben Jahren in einem Bären- bzw. Seitwärtsmarkt befinden, kann der Palladiumpreis hingegen mit enormer Stärke und neuen Allzeithochs überzeugen.

Schon in den Jahren 2016 und 2017 war Palladium der klare Spitzenreiter unter den Edelmetallen. Nach einem scharfen Rücksetzer zu Beginn dieses Jahres konnten die Notierungen vom Tief bei 833 US-Dollar Mitte August in den letzten dreieinhalb Monaten massiv um fast 50 Prozent zulegen. Bei den derzeitigen Preisen um 1.250 US-Dollar pro Feinunze ist Palladium knapp 10 US-Dollar, teurer als Gold (Stand 05.12.2018).

Die Gründe für diese starke Performance sind vielschichtig. Fundamental betrachtet dürfte das physische Defizit im engen Palladium Markt einer der Haupttreiber gewesen sein. Laut einer Studie der CPM Group aus New York stammen knapp 70 Prozent der weltweiten Palladium-Nachfrage von der Autoindustrie.

Vor allem die strengeren Abgasregeln in China als auch die Veränderungen im Produktmix seitens der Automobilindustrie hinzu größeren Fahrzeugen sollten auch in diesem Jahr zu einem weiteren Anstieg der Palladium Nachfrage um 2% auf insgesamt 1,75 Mio. Unzen führen. Die immer größeren Fahrzeuge (SUVs und Pick-Ups) benötigen zudem einfach eine immer größere Menge an Palladium für die Abgaskatalyse.  

Hinzu kommt die besondere Zwitterstellung von Palladium, da es sich bei diesem Edelmetall im Grunde genommen um eine Kreuzung aus Aktie und Gold handelt. Einerseits profitiert Palladium vom technologischen Fortschritt und der in den letzten Jahren weiter gestiegenen Automobilnachfrage. Andererseits besitzt es aber auch alle Vorteile, die eine Anlage in physisches Gold mit sich bringt.

Dem gegenüber steht eine weltweite Palladium-Produktion, die vor allem aus Russland und Südafrika stammt. Während die Produktionsbedingungen in Südafrika seit Jahren aufgrund von Streiks, politischen Auseinandersetzungen und Unruhen immer schwieriger werden, erschweren Intransparenz und Sanktionen die Lage in Russland, dem größten Palladium Förderer der Welt.

Hier erzielt der größte Minenbetreiber Norilsk Nickel mit dem Palladium-Verkauf knapp 23 Prozent seiner gesamten Umsätze und ist gleichzeitig für 41 Prozent der globalen Palladium Produktion verantwortlich. Zwar will das russische Bergbau- und Hütten Unternehmen seine Metallproduktion (Kupfer, Nickel, Palladium) bis 2020 mit einem Produktionsausbau um fünf bis acht Prozent steigern, eine endgültige Investitionsentscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Weder Kanada, die USA noch Simbabwe können auch nur annähernd an die Palladium-Produktion dieser beiden Länder heranreichen, geschwiege denn mögliche Produktionsrückgänge bzw. eine gestiegene Nachfrage ausgleichen.

Palladiumpreis in US-Dollar - Ausbruch über das Allzeithoch

Charttechnisch betrachtet gelang dem Palladiumpreis in den letzten zwei Monaten der Ausbruch über das alte Allzeithoch bei 1.100 US-Dollar aus dem Jahre 2000. Damit muss der scharfe Rücksetzer im ersten Halbjahr 2018 lediglich als letzter Pullback vor dem großen Ausbruch eingeordnet werden. Im großen Bild besitzt Palladium daher nun um 1.100 US-Dollar sowie um 850 US-Dollar zwei extrem starke Unterstützungszonen.

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Ein möglicher Rücksetzer in Richtung 1.100 US-Dollar sollte in jedem Fall mit einkalkuliert werden. Dies würde den typischen Test des Ausbruch Niveaus bedeuten und zunächst eine Kaufchance mit sich bringen.

Auf der Oberseite hat der Ausbruch neue Kursziele aktiviert, die sich im charttechnisch unbekannten Fahrwasser nur sehr theoretisch mit Fibonacci-Extensions bestimmen lassen. Die nächsten abgeleiteten Kursziele liegen um 1.320 US-Dollar und 1.420 US-Dollar.

Palladium in US-Dollar Tageschart - Steiler Aufwärtstrend

Auf dem Tageschart bewegt sich Palladium seit siebzehn Wochen in einem sehr steilen Aufwärtstrendkanal, der auf Dauer nicht zu halten sein wird. Die Stochastik ist dabei zuletzt erneut in die überkaufte Zone vorgedrungen.

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Dem Oszillator fehlt allerdings nur noch ein weiterer starker Handelstag um in den „eingebetteten“ bzw. trend-verstärkenden Zustand zu wechseln. Da nun auch der Goldpreis Stärke zeigt, könnte die Rally Palladium Markt kurzfristig noch weiterlaufen und in eine parabolische Übertreibung übergehen. Im Anschluss dürfte ein scharfer Rücksetzer in Richtung 1.100 US-Dollar nur noch eine Frage der Zeit sein.

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Trotz der grundsätzlich überkauften charttechnischen Lage ist die Konstellation am Terminmarkt eher ausgeglichen. Die kommerzielle Short Position bewegt sich hier mit aktuell 14.663 leer verkauften Kontrakten im neutralen Bereich.

Palladium in Euro - Die Luft wird dünn

In Euro gerechnet stiegen die Palladiumpreis seit Mitte August ähnlich stark an. Aktuell hat sich der Preis für eine Feinunze von 740 Euro auf 1.075 Euro um über 45 Prozent verteuert. Dabei respektieren die Notierungen weiterhin den seit Anfang 2016 intakten Aufwärtstrendkanal.

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Dieser bietet aktuell noch bis ca. 1.120 - 1.140 Euro Platz auf der Oberseite. Spätestens hier sollte der zuletzt fast schon parabolische Anstieg ein Ende finden und in eine scharfe Korrektur übergehen. Diese könnte mittelfristig eine sinnvolle Einstiegschance im Bereich um 900 - 925 Euro mit sich bringen.

Kurzfristig sollte man den stark gestiegenen Kursen jedenfalls nicht hinterherlaufen.

Fazit

Palladium stellt weiterhin alle anderen Edelmetalle in den Schatten und kann mit enormer Stärke überzeugen. Gleichzeitig nimmt der bereits steile Anstieg zunehmend parabolisch Züge an. Investoren, die Palladium als sinnvolle Diversifizierung und Beimischung für ihr Edelmetall Portfolio erwerben möchten, sollten sich daher momentan gedulden. Früher oder später wird es die Feinunze zu deutlich besseren Preisen als aktuell geben. Eine realistische Nachkauf-Chance sollte sich im Bereich um 900 Euro in den kommenden Monaten ergeben.

Hinweis

Bitte erwarten sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt! Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.

Palladium teurer als Gold?
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
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Kommentare [2]
  • von Fritzthecat | 06.12.2018, 11:11 Antworten

    Das kann man wieder sehen, wie man will. Der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell, daher dürfte der Hunger nach Palladium eher zurückgehen. Es ist wie immer und alles: Spekulanten bestimmen den Preis und nichts Anderes. Wer jetzt noch meint mitgehen zu wollen, verliert.

  • von PGM_Pal | 05.12.2018, 19:35 Antworten

    Palladium wie auch Rhodium und Iridium sind stark strategische Metalle und zwar nicht finanztechnisch. Länder, die noch in der Lage sind weiter als bis zur nächsten Wahl zu denken werden da vorsorge treffen. Auch eine super Art den $ loszuwerden. Ich denke mal Unternehmen, die über das nächste Quartal denken können werden da mitspielen. Mal sehen.

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