Gold: 1.580,15 € 0,00 %
Silber: 20,43 € +0,01 %
Stand: 22.11.2021 von Hannes Zipfel
Die weltweit steigenden Zahlen zu den Covid-19-Erkrankungen sowie der Lockdown in Österreich und neue Einschränkungen in Deutschland rücken das Thema Pandemie wieder in den Blickpunkt der Märkte.
Pandemiezahlen, ifo-Geschäfts- und GfK-Konsumklima

Eine ausgeprägte vierte Corona-Welle, einhergehend mit neuen Restriktionen, hätte auch Auswirkungen auf die Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium. Zudem wäre die Verfügbarkeit des stationären Edelmetallhandels erneut gefährdet.

Jenseits der Pandemie sind in dieser Woche folgende Konjunkturdaten beachtenswert:

  • Dienstag: Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, Eurozone und USA

  • Mittwoch: ifo-Geschäftsklimaindex

  • Donnerstag: GfK-Konsumklima

  • Freitag: Im- und Exportpreise für Deutschland

Neue Welle – neue Turbulenzen

Die ersten drei globalen Wellen der Pandemie haben die Weltwirtschaft ebenso durchgerüttelt wie die Finanzmärkte. Eine sich in den Infektionszahlen abzeichnende hochdynamische vierte Welle dürfte durch neuerliche Sanktionen bis hin zu Total-Lockdowns erneut zu Turbulenzen führen.

Lieferengpässe durch Unterbrechungen der Logistikketten sorgen seit einigen Monaten für Material- und Produktknappheiten. An dieser Front sind weitere Verspannungen zu befürchten.

Die daraus resultierende Preisinflation erreicht bereits jetzt Niveaus, wir sie schon seit mehreren Dekaden nicht mehr erlebt haben.

Auch die Verschuldung der Staaten hat sich durch diverse Hilfsprogramme stark erhöht. Ob alle durch Restriktionen finanziell Geschädigten erneut auf Kompensationen vonseiten der Staaten in gewohnter Höhe hoffen dürfen, bleibt in Anbetracht der globalen Rekordverschuldung fraglich.

Das Risiko einer Stagflation steigt damit weiter an. Wahrscheinlich stecken einzelne Volkswirtschaften, zu denen auch Deutschland gehört, im aktuellen vierten Quartal schon mittendrin in der Stagflation. Bereits im dritten Quartal war die Wirtschaft hierzulande mit 1,8 Prozent zum Vorquartal deutlich langsamer gewachsen. Erwartet wurden 2,2 Prozent. Im Jahresvergleich sank das Wachstum, auch bedingt durch Basiseffekte, von 10,3 Prozent im zweiten Quartal auf nur noch 2,5 Prozent im dritten Quartal.

Für das Abschlussquartal 2021 werden aktuell nur noch 1,5 Prozent Quartalswachstum prognostiziert (Quelle: Thomson Reuters). Die Inflationsrate dürfte hingegen bis Jahresultimo die Marke von 5 Prozent in Deutschland überschreiten (Prognose: Deutsche Bundesbank).

Stagflation

Bedeutung für die Edelmetalle

Für die hauptsächlich industriell genutzten Metalle Platin und Palladium, die v. a. vom stark betroffenen Automobilsektor nachgefragt werden, könnte es temporär erneut zu einem signifikanten Preisrückgang kommen. Nochmals niedrigere Preisniveaus könnten sich perspektivisch gleichwohl als Einstiegschance erweisen, wenn die Lockdowns enden und sich die Produktion wieder erholt.

Das monetäre Edelmetall Gold dürfte von einem stagflationären Umfeld profitieren. Silber, dessen Produktion zu ca. der Hälfte industriell verarbeitet wird, hat sich in den ersten drei Pandemie-Wellen mehr am Goldpreis als an den Preisen für Platin oder Palladium orientiert.

Weitere Stagflationshinweise durch ifo und Co.

Bereits heute hat die Bundesbank in ihrem Monatsbericht auf das Risiko einer Teuerungsbeschleunigung bei gleichzeitig anhaltender Wachstumsabkühlung hingewiesen. Am morgigen Dienstag werden die deutschen Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor Aufschluss über die aktuelle Entwicklung bei den Lieferzeiten, Einkaufspreisen und Auftragseingängen geben (9:30 Uhr).

Im weiteren Tagesverlauf werden auch die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone (10:00 Uhr) und für die USA (15:45 Uhr MEZ) veröffentlicht.

Besonders gespannt warten die Anleger auf den wichtigsten Frühindikator für unsere Volkswirtschaft, den ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober, der am kommenden Mittwoch um 10:00 Uhr gemeldet wird. Das Ergebnis dieser repräsentativen Umfrage unter mehr als 7.000 Unternehmen aus den wichtigsten Branchen wird das fünfte Mal in Folge rückläufig erwartet.

Per Definition bedeutet dies einen konjunkturellen Abschwung in Deutschland, der in der ifo-Konjunktur-Uhr bereits für den Oktober 2021 als „Abkühlung“ angezeigt wird. Im Falle eines landesweiten Lockdowns könnten sich die Werte in den kommenden Monaten auch wieder in Richtung des Quadranten „Krise“ entwickeln.

Ifo Konjunktur-Uhr Deutschland

Ebenso wie beim ifo-Geschäftsklimaindex dürfte sich auch im Konsumklimaindex der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die ganz aktuelle Pandemieentwicklung noch nicht widerspiegeln – wohl aber den bereits existierenden Anstieg bei den Verbraucherpreisen.

Das vom größten deutschen Marktforschungsinstitut ermittelte Konsumklima soll sich laut Konsensprognose auf einen Wert von -0,5 abgekühlt haben. Zuletzt hatte der Index jedoch positiv überrascht. Allerdings befindet sich das aktuelle Niveau von 0,9 Punkten weit unter dem historischen Mittelwert von knapp 10 Punkten und sogar unter dem Niveau der Weltfinanzkrise sowie der Eurokrise.

Wie hart der Inflationshammer in Deutschland in diesem Winter noch zuschlagen wird, lässt sich auch aus den für kommenden Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Importpreisen ableiten. Im Oktober sollen diese laut Prognose auf Jahresbasis um happige 19,6 Prozent emporgeschnellt sein, auf Monatsbasis um 2,1 Prozent.

In den USA wird am Donnerstag Erntedank gefeiert, weshalb die Märkte dort am 25. November geschlossen bleiben und sich am 26. November bereits um 19:00 Uhr MEZ ins Wochenende verabschieden.

Vor Thanksgiving wird am Mittwoch um 20:00 Uhr MEZ noch das Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed veröffentlicht. Marktteilnehmer erhoffen sich von den „Minutes“ (Minutenprotokoll) mehr Hinweise auf die Reduzierung der Wertpapierkäufe (Tapering).

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 47 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Dienstag 9:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe (Nov.) 56,9 57,8
DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor (Nov.) 51,5 52,4
DE: Einkaufsmanagerindex Gesamtindex (Nov.) 51,0 52,0
10:00 Uhr EU: Einkaufsmanagerindex Eurozone Gesamtindex (Nov.) 53,2 54,2
15:45 Uhr USA: Einkaufsmanager Gesamtindex (Nov.) 58,0 57,6
Mittwoch 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklimaindex (Nov.) 96,6 97,7
16:00 Uhr USA: Universität Michigan Verbrauchervertrauen national (Nov.) 66,9 66,8
20:00 Uhr USA: Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed (Minutes) - -
Donnerstag 8:00 Uhr DE: GfK-Konsumklimaindex (Dez.) -0,5 0,9
14:30 Uhr EU: EZB-Präsidentin Lagarde nimmt Stellung zur Geldpolitik - -
Freitag 8:00 Uhr DE: Importpreise (Okt. / Monatsbasis) 2,1 % 1,3 %
DE: Importpreise (Okt. / Jahresbasis) 19,6 % 17,7 %
19:00 Uhr EU: EZB-Präsidentin Lagarde äußert sich zur Geldpolitik der EZB - -
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"