Gold: 1.731,76 € +0,08 %
Silber: 19,82 € +0,12 %
Stand: 15.06.2022 von Hannes Zipfel
Die Europäische Zentralbank (EZB) will heute wegen der Turbulenzen am Markt für italienische Staatsanleihen auf einer Sondersitzung das Pandemie-Notfall-Anleihenkauf-Programm (PEPP) reaktivieren!
Panik bei der EZB: Goldpreis steigt Richtung Allzeithoch

Wird die Notenpresse der EZB schon wieder angeworfen?

Während die US-Notenbank (Fed) heute zum dritten Mal in Folge die Zinsen um wahrscheinlich 0,75 Prozentpunkte anheben wird, um die Stark-Inflation von 8,6 Prozent einzudämmen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein Notfall-Meeting für heute anberaumt, um genau das Gegenteil zu tun: Die Geldpolitik in der Euro-Zone soll wieder gelockert werden, trotz 8,1 Prozent Inflation.

Damit erscheint die EZB panisch, da sie seit elf Jahren keinen einzigen Zinsschritt nach oben vollzogen hat und stattdessen ein Anleihekaufprogramm nach dem anderen auflegte. Aus diesem Teufelskreis scheint es wegen der grotesken Schuldensituation in einigen Eurostaaten, allen voran Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und Frankreich, kein Entrinnen zu geben.

Am heutigen Mittwoch soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg der EZB-Rat im Rahmen einer Notfallsitzung zusammenkommen und diskutieren, ob das aus der Not heraus kreierte Pandemie-Anleihen-Kaufprogramm als Reaktion auf die aktuelle Krise am europäischen Staatsanleihenmarkt reaktiviert werden soll. Diese Maßnahme wurde am letzten Donnerstag anlässlich der regulären EZB-Rats-Entscheidung bereits als Option für den Fall von Stress am Kapitalmarkt vorsorglich erwähnt (Quelle: EZB).

Hier das Zitat aus der Presseerklärung im Anschluss an die EZB-Ratssitzung vom 9. Juni:

„Der EZB-Rat ist daher bereit, ALLE seine Instrumente anzupassen und gegebenenfalls einzubeziehen. Die Pandemie hat gezeigt, dass die FLEXIBILITÄT bei der Gestaltung und Durchführung von WERTPAPIERKÄUFEN unter STRESSBEDINGUNGEN dazu beigetragen hat, der beeinträchtigten Transmission der Geldpolitik entgegenzuwirken.“

Und jetzt der entscheidende Satz, der die Grundlage für die heutige Sondersitzung bilden dürfte:

„Innerhalb des Mandats der EZB wird FLEXIBILITÄT auch unter angespannten Bedingungen ein Element der Geldpolitik BLEIBEN“.

Klartext: Die Lage ist angespannt und wir müssen die jetzt auslaufenden Anleihekäufe wieder aufnehmen. Es war geplant, dass noch einzige operative Wertpapierkaufprogramm (Asset Purchase Programm, APP) bis Ultimo Juni komplett herunterzufahren. Nun wird offenbar das genaue Gegenteil erwogen.

Digitales Gelddrucken der EZB beendet?

Infobox zum Pandemie-Anleihe-Kaufprogramm der EZB

Bei dem Pandemie-Notfallankaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme, kurz „PEPP“) handelt es sich um ein befristetes Ankaufprogramm für Anleihen öffentlicher und privater Schuldner durch die EZB, wie sie bereits im Rahmen des APP angekauft werden. Zusätzlich zum APP sind bei dem PEPP Commercial Paper nichtfinanzieller Schuldner (Schuldner außerhalb des Bankensystems, A. d. R.) bereits ab einer Restlaufzeit von 28 Tagen zugelassen. (Quelle: Deutsche Bundesbank)

Und so hat sich die Gelddruckorgie, also die Kombination aus PEPP und APP, auf die Bilanzsumme der EZB ausgewirkt:

Zentral & Notenbank-Bilanzen in Relation zum BIP

Aber im Vergleich zu anderen Zentral- und Notenbanken ist noch Luft nach oben: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bringt es in Sachen Bilanzsumme mittlerweile auf 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist der Spitzenplatz unter den Industriestaaten.

Bei der EZB ist also in Sachen Anleihekäufe, finanziert aus der digitalen Notenpresse, noch reichlich Luft nach oben, wenn da nur nicht die Inflation von aktuell 8,1 Prozent im Euroraum wäre. Aber einen Tod müssen die Geldpolitiker jetzt sterben: entweder den einer Eurokrise XXL oder eine weiter eskalierende Inflationsspirale (inkl. Lohn-Preis-Spirale).

Der Stress ist da

Wie hoch der Handlungsdruck auf die EZB ist, zeigt die Entwicklung der Renditen für europäische Staatsanleihen, die sich im Falle von Italien innerhalb von nur 16 Monaten von 0,5 Prozent p. a. auf aktuell über 4,1 Prozent p. a. Verachtfacht haben (Stand: 14. Juni 2022). Ohne den außerordentlichen Anleihe-Käufer Käufer EZB droht der Anleihemarkt zu kollabieren.

Renditen für Staatsanleihen explodieren

Daher hat die Schuldentragfähigkeit der überschuldeten Eurostaaten im Moment klar Priorität gegenüber der Geldwertstabilität des Euro. Dies verdeutlicht auch folgende Grafik, die die Korrelation zwischen dem nominellen Leitzinssatz der EZB (hellblau), der jährlichen Inflationsrate (rot) und dem inflationsbereinigten Leitzinssatz zeigt (pink):

Ist EZB Inflation egal?

Goldpreis nähert sich in Euro seinem Allzeithoch

Die Panik der Europäischen Zentralbank überträgt sich auf die Anleger. Der Wunsch nach Risikoabsicherung und „Sicheren Häfen“ steigt in dem Maße, wie die EZB die Kontrolle über ihre Geldpolitik zu verlieren scheint.

So wundert es nicht, dass der Goldpreis heute sowohl in US-Dollar als auch in Euro im Plus notiert – Silber pro Unze (Spot-Preis) notiert sogar deutlich über 2 Prozent im Plus. Wohingegen die Aktienmärkte in eine Art abwartende Angststarre verfallen zu sein scheinen.

Denn mit großer Spannung erwarten die Anleger heute sowohl das Ergebnis der EZB-Notfallsitzung als auch das der regulären US-Notenbanksitzung in Washington, D.C.

Bereits im Wochenausblick hatten wir in böser Vorahnung getitelt:

Eurokrise reloaded, US-Notenbanksitzung und Crash-Gefahr
„Diese Handelswoche wird an Spannung kaum noch zu überbieten sein. Ein Hauch von Weltuntergangsstimmung weht über das virtuelle Börsenparkett. Aber Gold steht wie der Fels in der Brandung. Im Gegensatz zu Aktien, Anleihen, Kryptowährungen und unserer Gemeinschaftswährung notiert das gelbe Edelmetall in Euro seit Jahresbeginn nach wie vor im Plus.“

Nun überschlagen sich die Ereignisse und es bleibt zu hoffen, dass die Geldpolitiker die Kontrolle über die Inflation und die Anleihemärkte zurückgewinnen können. Das ist kein einfaches Unterfangen in Anbetracht der herausfordernden Gemengelage aus Krieg, Konjunkturabkühlung, Stark-Inflation und Rekordverschuldung.

Da diese Aufgabe der Quadratur des Kreises gleicht, bleibt das Nachdenken über Anlagen in monetäre Edelmetalle als „sicherer Hafen“ obligatorisch.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Peter L Ustig | 18.06.2022, 00:57 Antworten

Nun kommt sie wieder....die Weltwirtschaftskrise hatten wir bereits schon einmal vor 100 Jahren.

Was aus den ganzen Papierlappen mit bunten Zahlen drauf damals geworden ist , kann man in den Geschichtsbüchern und Aufzeichnungen nachlesen.

Ein Wertespeicher von vielen ist und war da Edelmetall.

Schauen wir mal. ????

von Christoph | 16.06.2022, 16:23 Antworten

Der Euro scheint ohne Herz Lungen Maschine nicht überlebensfähig.
Nicht ganz überraschend.

von Hut Klein | 16.06.2022, 10:31 Antworten

Pump.Dump.Repeat.

Copyright © 2009-2022 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.