Stand: 12.09.2016 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

An den Goldmärkten beobachten die Akteure weiterhin besonders intensiv den Dollar sowie die US-Zinsen und reagieren entsprechend. Geht es mit ihnen bergauf, leidet der Goldpreis unter zunehmendem Verkaufsdruck.

Diskussionen um Xetra-Gold

Heiße Diskussionen um Deutschlands gewichtigstes und umsatzstärkstes Papiergold-Finanzprodukt „Xetra-Gold“ haben dessen Image im September einen „Kratzer verpasst“. Eine Filiale der Deutschen Bank, die übrigens an der Emittentin Deutsche Börse Commodities GmbH beteiligt ist, verweigerte nämlich einem Kunden laut Medienberichten die physische Auslieferung der verbrieften Goldmenge. Dass dies kein Einzelfall ist, belegt auch eine konkrete Anfrage bei der Consorsbank. Auch sie verweigert Inhabern von Xetra-Gold die Auslieferung von physischem Gold. 

Zur Erinnerung: Ein Anteil von Xetra-Gold repräsentiert den in Euro umgerechneten Gegenwert von einem Gramm Gold und ist – was für verunsicherte Investoren besonders wichtig ist – mit einem (kostenpflichtigen) Lieferanspruch ausgestattet. Gerade das zugesagte Hinterlegen von physischem Gold inklusive Lieferanspruch, dürfte für den großen Erfolg von Xetra-Gold maßgeblich verantwortlich gewesen sein. Zweifel an diesen Features könnten nun dessen guten Ruf und damit auch das Geschäft schädigen.

Dies hat man offensichtlich auch bei den zwei betroffenen Unternehmen erkannt und reagiert. So hat zum Beispiel die Deutsche Börse Commodities GmbH betont, „dass Inhaber von Xetra-Gold-Anteilen jederzeit das Recht auf Auslieferung des verbrieften Goldes geltend machen können. Die Auslieferung erfolgt durch eine vom Investor bezeichnete Geschäftsstelle einer Bank.“ Zugleich wies man jedoch darauf hin, dass die jeweilige Geschäftsstelle diesen Service anbieten muss, denn die Auslieferung kann nur über die depotführende Bank des Anlegers erfolgen. Falls bei der depotführenden Bank Fragen oder Probleme auftreten sollten, stünde die Deutsche Börse Commodities GmbH jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung - sowohl für Anleger als auch für Banken, war auf der Website von Xetra-Gold zu lesen. 

Dass der Lieferanspruch in der Vergangenheit durchaus funktionierte, belegt die Tatsache, dass seit der Einführung von Xetra-Gold im Jahr 2007 laut Emittentin bereits 900mal davon Gebrauch gemacht wurde. Dabei seien insgesamt 4,5 Tonnen Gold ausgeliefert worden.

Preisvergleich Xetra-Gold versus physisches Gold

Kosten für
1 kg Gold
Diff. (in Euro) Diff. (in %)
1.000 Xetra-Gold 38.000,00 €
1.000 Xetra-Gold inkl. Auslieferung für 1 kg 38.275,00 € 275,00 € 0,7%
1.000-Gramm-Barren Händlerpreis 38.209,00 € 209,00 € 0,6%
1.000 Xetra-Gold inkl. Auslieferung für 10 x 100 g 38.625,00 € 625,00 € 1,6%
10 x 100-Gramm-Barren Händlerpreis 38.374,00 € 374,00 € 1,0%
Stand: 12.09.16, 08:00 Uhr 

Deutsche Bank: Um Schadensbegrenzung bemüht

Während in den Filialen der Deutschen Bank „Kollege Rotstift“ regiert, scheint in der Rechts- und Presseabteilung die Arbeit niemals auszugehen. In einer „Stellungnahme zu Xetra-Gold“ ließ der Branchenprimus am 2. September verlautbaren, dass die Deutsche Bank als eines der emissionsbegleitenden Institute selbstverständlich den im Verkaufsprospekt von Xetra-Gold genannten Verpflichtungen nachkomme. Die Erfüllung des damit verbundenen verbrieften Lieferanspruchs auf physisches Gold sei eingeschlossen und müsse über die Hausbank des Anlegers erfolgen, die auch das Depot führt. Für Aufträge zur Auslieferung entstünden dem Anleger die im Verkaufsprospekt beschriebenen Kosten. Zugleich empfahl die Deutsche Bank aber die individuelle Überprüfung der Wirtschaftlichkeit einer physischen Auslieferung.

Und dieser Tipp kann wahrlich Gold wert sein. In den auf der Website von Xetra-Gold veröffentlichten „Hinweisen zum Prozess der Ausübung von Xetra-Gold“ sind allerdings lediglich geschätzte Auslieferungskosten zu finden. Wer zum Beispiel 1.000 Xetra-Gold-Anteile besitzt, könnte die Auslieferung von einem Kilogramm Gold beantragen. Die Kosten für einen 1000-Gramm-Barren werden für eine Auslieferung innerhalb Deutschlands mit 275 Euro angegeben und erhöhen sich im Falle einer Auslieferung von zehn 100-Gramm-Barren auf 625 Euro. 

Problem dabei: Die tatsächlich entstehenden Kosten (inkl. Fremdspesen) können erheblich höher ausfallen, da sie von der Entfernung zum Lieferort, dem aktuellen Goldpreis und den allgemeinen Energie- und Transportkosten abhängig seien. Außerdem könne die Hausbank dem Anleger weitere Bearbeitungsgebühren in Rechnung stellen. So richtig kalkulierbar scheinen die Kosten der Auslieferung daher nicht zu sein. In der Tabelle haben wir auf Basis der Marktdaten vom Montag den Gegenwert von 1.000 Xetra-Gold-Anteilen mit den Preisen von einem Kilogramm-Goldbarren bzw. zehn 100-Gramm-Goldbarren gegenübergestellt (siehe Tabelle oben). 

Dies lässt nur einen Schluss zu: Wer kein Geld zu verschenken hat, sollte auf den überteuerten „Lieferservice“ verzichten und Xetra-Gold lieber über die Börse verkaufen und zeitgleich Goldmünzen oder -barren derselben Menge erwerben. Bei so manchem Goldhändler ist die Lieferung von einem Kilogramm Gold bereits für weniger als 25 Euro zu haben.

Ausblick für die laufende Woche

Das Wohl und Wehe des Goldpreises hängt weiterhin in hohem Maße von den Notenbanken ab. Derzeit geht man an den Finanzmärkten mehrheitlich davon aus, dass die Fed auf ihrer nächsten Sitzung vom 20. bis 21. September keine Zinserhöhung beschließen wird. Sollte sich die US-Wirtschaft allerdings robuster als erwartet entwickeln, kann es durchaus zu einem Comeback der Zinsängste kommen. 

Eine regelrechte Flut an US-Konjunkturindikatoren steht am Donnerstag auf der Agenda. Neben den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe erfahren die Investoren nämlich auch, wie sich im August die Produzentenpreise, die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion entwickelt haben. Außerdem veröffentlicht die Philadelphia Fed ihren aktuellen Konjunkturausblick. Sie könnten dem Dollar und den US-Zinsen – und damit auch dem Goldpreis neue Impulse verleihen.

Papiergold: Heiße Diskussionen um Xetra-Gold
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Fabio | 20.09.2016, 06:06 Antworten

    Erschienen 2008!!!
    http://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/goldschatz-vom-reiz-der-barren/5351950.html

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