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Stand: 16.12.2021 von Hannes Zipfel
Im Anschluss an die Bekanntgabe der Entscheidung der US-Notenbank Fed blieben die Kurse für Gold und Silber stabil. Neben der beschleunigten Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe plant die Fed drei Zinsanhebungen im kommenden Jahr. Beides war bereits erwartet worden. Die Drosselung der Liquiditätsversorgung durch die Fed birgt jedoch erfahrungsgemäß enorme Risiken für die Finanzmärkte und die Konjunktur.
Perspektiven für den Goldpreis nach der Fed-Entscheidung

Was hat die Fed entschieden?

Die jüngsten Inflationszahlen aus den USA gaben der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) kaum Spielraum in Sachen Straffung der Geldpolitik. Die Konsumentenpreisteuerung stieg im November mit 6,8 Prozent p. a. auf den höchsten Stand seit April 1982.

Die Erzeugerpreise erhöhten sich im gleichen Zeitraum gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um rekordhohe 9,6 Prozent.

Um der Inflationsdynamik entgegenzuwirken, entschied die Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch, das Volumen ihrer Gelddruckorgie weiter zu verringern. Das Ankaufvolumen von Staats- und Hypothekenanleihen wird ab Mitte Januar um 30 Mrd. US-Dollar pro Monat reduziert.

Bereits im November hatte die Fed begonnen, ihre monatlichen Käufe von US-Staatsanleihen um 10 Mrd. US-Dollar und die der Hypothekenanleihen um 5 Mrd. US-Dollar, also zusammen um 15 Mrd. US-Dollar zu verringern.

Diese Drosselung wird nun ab Januar verdoppelt.

Damit enden die Wertpapierkäufe der US-Notenbank, die in diesem Dezember noch 105 Mrd. US-Dollar betragen, bereits im Frühjahr 2022 und nicht wie zuvor geplant erst im kommenden Juli.

Bereits im Mai 2022 könnte es zur ersten Zinserhöhung seit Dezember 2018 kommen. Aktuell liegt der effektive Leitzins in den USA bei 0,08 Prozent p. a. Für Mai 2022 wird mit einer Zinsanhebung um 25 Basispunkte bzw. 0,25 Prozentpunkte gerechnet.

Die Angst vor dem "Policy Mistake"

Mit der ultralaxen Geldpolitik hat die US-Notenbank nicht nur diverse Notfallprogramme zur Rettung der US-Wirtschaft während der Pandemie finanziert, sondern indirekt auch die Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt weiter aufgepumpt.

Bereits in der Vergangenheit führte ein Politikwechsel der Notenbank zu platzenden Immobilienblasen, Finanzkrisen und Rezessionen. Dabei steigt die Zinssensitivität von Zyklus zu Zyklus an. Der Zinstrend entwickelt sich entgegengesetzt zum Verschuldungstrend sukzessive Richtung null, unabhängig von der Höhe der Inflation.

Zinsanhebungen führen regelmäßig zu Rezession

Die Angst der Finanzmärkte vor einem "Policy Error" der Notenbanker ist daher groß und auch nicht unberechtigt.

War er doch in der Vergangenheit die Regel und nicht die Ausnahme.

Davon abgesehen, dass Zinsanhebungen in den letzten drei Zyklen zuverlässig zu Rezessionen führten, war die Abhängigkeit sowohl der Wirtschaft als auch der Vermögensmärkte von der lockeren Geldpolitik noch nie so hoch wie jetzt.

Die Gesamtverschuldung der USA beträgt aktuell rekordhohe 86 Billionen US-Dollar. Dafür fallen jährliche Zinszahlungen in Höhe von 3,5 Billionen US-Dollar an. Höhere Zinsen belasten die privaten und öffentlichen Budgets enorm - zulasten von Investitionen und Konsum.

Natürlich steht dann auch weniger Geld für Investitionen in Vermögenswerte zur Verfügung.

Das ist die Kehrseite einer Medaille, bei der mitten in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg die Vermögenspreise auf Rekordhöhen schossen. Der Grund dafür war einzig und allein die Gelddruckorgie der Notenbanken.

Fed-Chef Jerome Powell hat in der an die Fed-Sitzung anschließenden Pressekonferenz selbst auf den Zusammenhang zwischen lockerer Geldpolitik, explodierenden Immobilienpreisen und steigenden Mieten hingewiesen.

Man darf gespannt sein, wie lange es dieses Mal dauert, bevor die geldpolitische Straffung eine neue Krise am Immobilienmarkt auslöst, da die Blase heute größer ist als vor der Lehman-Krise. Die Fed könnte schnell gezwungen sein, erneut Geld zu drucken und die Zinsen wieder zu senken, um eine neue Krise am Häusermarkt abzuwenden.

Möglicherweise muss sie das jetzige geldpolitische Normalisierungs-Experiment aufgrund der hohen Abhängigkeit der Märkte von der Fed-Liquidität noch vor der ersten Zinsanhebung abbrechen, um einen Crash zu verhindern. Schließlich finanzierte die US-Notenbank bis vor kurzem durch den Ankauf von Hypothekenanleihen einen großen Teil der Immobilienkäufe in den USA.

Spätestens dann, wenn der erste Stress an den Aktien- und Immobilienmärkten sichtbar wird, sollte auch die neue Generation von Anlegern lernen, dass es keine Normalisierung der Geldpolitik mehr geben kann und der Pfad zur Zerrüttung des Fiat-Geldes vorgezeichnet ist.

Die Risiken im Geldsystem sind unverändert vorhanden und bedürfen nach wie vor einer Absicherung. Daher sind günstigere Preise bei Gold und Silber auch nicht per se negativ zu betrachten.

Gold und Zinsen

Mit den anziehenden Inflationsraten und in der Erwartung einer Reaktion der Notenbanken darauf sind die Zinsen am Kapitalmarkt bereits seit Sommer dieses Jahres angestiegen. Das zinslose Gold hat auf diesen Anstieg negativ reagiert, obwohl die Realzinsen unvermindert weiter rückläufig waren. Es scheint bei vielen Investoren ein reines Nominaldenken vorzuherrschen, anders ist diese Entwicklung nicht zu erklären.

Der Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung des Goldpreises und den nominalen Renditen "risikoloser" US-Staatsanleihen ist sehr eng.

Goldpreis in US-Dollar vs. 10-jährige US Staatsanleihen

Aber bereits jetzt ist eine deutliche Abflachung der Zinsstrukturkurve eingetreten. Das heißt, dass die Renditen länger laufender Anleihen zum Teil sogar unter denen kürzer laufender Anleihen liegen. Normalerweise ist dies nicht so, da für längere Laufzeiten auch ein höheres Ausfallrisiko besteht, das mit höheren Zinsen vergütet wird.

Wenn die Renditen länger laufender Renditen fallen, dann bedeutet dies eine Vorwegnahme einer Rezession und erneuter Zinssenkungen.

Der Anstieg der Renditen, der den Goldpreis belastete, könnte mit der gestrigen Entscheidung der Fed seinen Zenit bereits überschritten haben, da der Kapitalmarkt die nächste Rezession schon jetzt antizipiert. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass sich der Goldpreis nach der Notenbanksitzung mit einem leichten Plus auf Tagesbasis robust zeigte.

Goldpreis in Euro pro Unze

Am heutigen Donnerstag folgen noch die Sitzungen der Europäischen Zentralbank, der Bank of England, der Türkischen Zentralbank sowie der Schweizerischen Notenbank, über deren Entscheidungen und die Relevanz für den Goldpreis wir separat berichten werden.

Autor: Hannes Zipfel
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