Stand: 24.09.2013  0 Kommentare

Frank Stronach, Parteiobmann und Spitzenkandidat des Team Stronach im Interview mit philoro.



philoro:
Herr Stronach, ein Credo von Ihnen lautet: „Wer das Gold hat, macht die Regeln" - Halten Sie Edelmetalle in Ihrem Portfolio?


Stronach:
Ich verfüge über ein überaus breit gestreutes Portfolio, welches natürlich auch über einen gewissen Edelmetallanteil verfügt.

philoro:
Das Ausmaß der Verschuldung in den OECD-Staaten hat ein historisch einzigartiges Ausmaß angenommen und beträgt teilweise ein Vielfaches des jeweiligen BIPs. Der Grund dafür war, dass die Verschuldung von der Privatwirtschaft - vor allem aus der Finanzindustrie - in die öffentlichen Haushalte transferiert wurde. Wie sehen Sie diese Entwicklung?


Stronach:
Jeder, absolut jeder Mensch in Europa muss diese Entwicklung mit großer Sorge betrachten. Die Politiker haben gewaltige Vorschüsse auf die Zukunft genommen, welche natürlich zulasten der nächsten Generation gehen. Die Tatsache, dass wir mehr Geld für Zinsen als für Bildung ausgeben lässt nur einen traurigen Rückschluss zu: wir wenden mehr Geld für die Vergangenheit auf als für die Zukunft. Speziell zu den Bankenhaftungen und Hilfen ist zu sagen, dass hier umgehend ein Umdenken eingefordert werden muss. Wir vom Team Stronach verlangen eine Abkehr von der Bankenhörigkeit der Politik und ein klares Nein zur „too-big-to-fail-Mentalität" und die Wiedereinführung des Trennbankensystems.

philoro:
Die Währungen der großen Industrienationen - vor allem USD und Euro - haben im letzten Jahrzehnt deutlich gegenüber Sachwerten wie Gold abgewertet. Wie sehen Sie die Zukunft des Euros?


Stronach:
Ohne eine wesentliche Änderung des Eurosystems wird das Währungsexperiment scheitern. Nicht zuletzt deshalb haben wir im Team Stronach den Euro/Europa-Expertenrat einberufen, welcher unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof Wilhelm Hankel das duale Währungssystem entwickelt hat. Die Volkswirtschaften müssen sich wieder währungstechnisch gemäß ihren wirtschaftspolitischen Gegebenheiten darstellen können. Dies würde durch unser duales Währungssystem gewährleistet sein.

philoro:
Vor mehreren Dekaden war die Wirtschaft geprägt von einem goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung. Was würden Sie von einem neuerlichen Goldstandard halten und an welche Währungen wäre dieser gekoppelt?


Stronach:
Es gibt bei uns in der Bewegung einige Experten (z.B. Bachheimer) die den Goldstandard für machbar halten. Ich persönlich sage, wenn alle sich an die Abmachungen, wie die Konvergenzkriterien, hielten, wäre eine Goldhinterlegung nicht vonnöten.

philoro:
Die Konvergenzkriterien für die Euromitglieder würden de facto die Rahmenbedingungen eines modernen Goldstandards erfüllen (keine ausufernde Geldmengenausweitung, Verschuldungsgrenzen etc.). Was halten Sie davon, dass die Konvergenzkriterien immer mehr aufgeweicht werden?


Stronach:
Wie schon in der Vorantwort erwähnt bildet das Gold ja nur den Anker, bzw. zwingt es die Teilnehmer zur Ehrlichkeit was das Vertrauen stärkt. Würden die Finanzpolitiker dieser Welt sich an die Abmachungen halten, wäre Gold in der Zentralbankenwelt nicht so wichtig. Abmachungen werden gebrochen zum Wohle der Politik. Die Politiker möchten ihre Amtsperiode verdoppeln, gut dastehen und Probleme immer weiter hinausschieben. Und um dies zu gewährleisten, brechen sie die Währungsabmachungen, weil dies der einfachste Weg für die Politik ist aber der teuerste fürs Volk.

philoro:
Welche Rolle könnte Ihrer Meinung nach Gold in einer modernen Wirtschafts- und Finanzwelt spielen?


Stronach:
Wenn man genau beobachtet, was sich hinter den Kulissen in China abspielt und wenn man bedenkt dass die Gesamtheit der Zentralbanken seit 2010 wieder „Nettokäufer" sind, dann kann man davon ausgehen, dass zumindest mit der Möglichkeit einer Rollenveränderung des Goldes innerhalb der Wirtschaftswelt rechnen muss.

philoro:
Viele Leute haben Angst vor Inflation, flüchten daher in Sachwerte wie Gold, können Sie dieses Verhalten nachvollziehen?


Stronach:
Natürlich ist dies nachvollziehbar. Gold war immer eine Krisenwährung und wird auch immer eine solche bleiben. Je größer der Kaufkraftverlust in einer Währung desto mehr Akteure fliehen ins Gold. Aus der Sicht des Individuums absolut verständlich. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist es natürlich nicht begrüßenswert, weil ein Parken von Werten in Gold nicht förderlich für die Ökonomie ist.

philoro:
In den USA, der Eurozone, Großbritannien und in Japan repräsentieren Zentralbanken 60 % des Kreditvolumens, die öffentlichen Haushalte nehmen 75 % der gesamten Kreditaufnahme in Anspruch. Befinden wir uns auf dem Weg zu einer zentralen Wirtschaftsplanung?


Stronach:
Zumindest sieht es ganz danach aus. Die monetäre Staatsfinanzierung (Finanzierung durch die Notenpresse) weitet sich aus und dies hat bisher immer noch zu einer Zerrüttung des Währungssystems geführt.

philoro:
Es gibt Wirtschaftstheoretiker die meinen Zentralbanken sollten die gesamte Staatsverschuldung aufkaufen, mit Liquidität die sie selbst schaffen, um dann sämtliche Schulden abzuschreiben. Wäre das eine Lösung?


Stronach:
Zumindest in der Eurozone war (wäre) dies verboten gewesen. Ich möchte an dieser Stelle an die Verträge! (Art. 125 Abs. 1 Satz 2 und 123 Abs. 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der EU bzw. Art 104b und 104 des Maastrichter Vertrages). Dies war die Geschäftsgrundlage für die Einführung des Euro:

• Kein Mitgliedstaat haftet für Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten.
• Kredite der EZB an Regierungen der Mitgliedstaaten sind verboten
• Ebenso ist der Erwerb von Schuldtiteln durch die EZB verboten.

Der Bruch dieser Vereinbarung war gleichzeitig ein geldpolitischer Tabubruch und zwingt die Gesellschaft zu einer Neuaufnahme des Währungsthemas.

philoro:
In Japan wird ein riesiges Konjunkturprogramm bereits direkt von der Zentralbank finanziert; was halten von einem derartigen Ansatz?


Stronach:
In Japan herrschen ganz eigene Strukturen, da muss man sich schon näher damit beschäftigt haben um ein Urteil abgeben zu können. Generell erkennen Sie aber aus meinen vorherigen Statements, dass ich kein großer Freund derartiger Maßnahmen bin.







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