Stand: 22.07.2013  0 Kommentare

Der Montagmorgen war erst wenige Minuten alt, als Gold für die erste kleine Sensation der neuen Woche sorgte: Nur wenige Minuten nach Mitternacht schoss der Goldpreis nach oben, die psychologisch wichtigen Marken von 1300 US-Dollar und 1000 Euro pro Feinunze wurden nach oben durchbrochen - an dieser Marke war der Goldpreis wochenlang gescheitert. Weitere Anstiege sind wahrscheinlich, denn die Schuldenkrise in Europa verschärft sich erneut.

Einer der wichtigsten Gründe für den Stimmungsumschwung auf dem Goldmarkt liegt im Kaufverhalten der Weltmarktteilnehmer - wie die "WELT " berichtet, nimmt die physische Nachfrage nach Gold stark zu. Vor allem China kauft im großen Stil das gelbe Metall. Die Goldbörse in China soll allein im ersten Halbjahr fast 1100 Tonnen des Edelmetalls physisch ausgeliefert haben - im vergangenen Jahr hat das Land im ganzen Jahr die Hälfte dieses Wertes erreicht. Bemerkenswert ist auch die Einrichtung des ersten Gold-ETFs in China, das Land befindet sich in einem regelrechten Goldrausch. Und auch außerhalb von China ist die Stimmung auf dem Goldmarkt gut: Die Verkäufe bei den Gold-ETFs gehen langsam zurück, was Commerzbank-Analysten dem Bericht zufolge als Zeichen für Stabilität werten - immerhin werden die Positionen zur langfristigen Absicherung gegen Finanzmarktrisiken und Kaufkraftverlust gehalten. Im Klartext: Gold hat seine Funktion als sicherer Hafen noch lange nicht verloren. Die Commerzbank erwartet daher eine Rückkehr des Goldpreises auf das Niveau von 1600 US-Dollar pro Feinunze bis zum Jahresende.

Unterstützend für den Goldpreis wirkt sich auch die politische Lage in Europa aus. Denn die Dramatik in der Euro-Schuldenkrise nimmt weiter zu. Die portugiesische Regierung hat es einem Bericht der Schweizer Zeitung "Cash " zufolge nicht geschafft, mit der linken Opposition einen Konsens zur "Nationalen Rettung" zu finden - die Krisengespräche gelten als gescheitert. Die Sozialisten warnen, dass die Sparpolitik das Land an den Abgrund treibt, und fordern ein Ende der Einschnitte. Nach dem Scheitern der Gespräche steht die Regierung erneut vor dem Aus, der Staatspräsident hatte eine Einigung zwischen den verfeindeten Lagern gefordert und dabei die Erfüllung des Sparprogramms als unverhandelbar klargestellt. Portugiesische Medien berichten, dass eine Neuwahl nun kurz bevor stehen könnte und nicht mehr, wie ursprünglich vom Staatsoberhaupt geplant, Juni 2014 stattfindet. Portugal hat bisher Hilfsgelder in Höhe von 78 Milliarden Euro bekommen, die wirtschaftliche Lage des Landes verschlechtert sich dennoch von Tag zu Tag - inzwischen sind über 18 Prozent der arbeitsfähigen Menschen ohne Job. Die Rezession hat das Land im dritten Jahr in Folge im Würgegriff. Und bei einer Neuwahl haben die Sozialisten beste Chancen auf eine absolute Mehrheit. Portugal bleibt also ein Unruhefaktor in der Eurokrise.

Und Portugal ist nicht der einzige Krisenherd in Europa - auch in Griechenland und Ungarn kündigen sich unangenehme Überraschungen an. Der Ökonom Hans-Werner Sinn erklärt in einem Gastbeitrag für den "Focus ", dass ein Schuldenschnitt für Griechenland unvermeidlich sei. Sinn fordert allerdings vorher einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und auch für andere Krisenstaaten die Möglichkeit eines geordneten temporären Austritts aus dem Euro mit einem Rückkehrrecht nach entsprechenden institutionellen Reformen. Sinn spricht sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum aus: Diese Maßnahmen seien kontraproduktiv, weil sie die strukturellen Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit "auf ewig zementieren". Sinn erinnert an die Kreditblasen in Südeuropa und erklärt, dass vergemeinschaftete Schulden die "falschen" Löhne aufrecht erhielten und aus der temporären Krise eine chronische Krankheit machten. Die Kritik des Präsidenten des Münchner IFO-Instituts trifft auch das Sorgenkind Ungarn - obwohl das Land sparen und reformieren müsste, setzt die Regierung in Budapest laut der "ZEIT " weiter auf Populismus und Steuern für ausländische Konzerne. Die Wirtschaft in Ungarn wächst kaum noch, eine Rezession steht bevor. Dazu kommt die hohe Verschuldung des Privatsektors, also der Haushalte und Unternehmen.

Während der Goldpreis kleine Schritte zu alter Stärke nimmt, bekommen die Minenbetreiber die Niedrigpreisephase weiter zu spüren: Das Unternehmen Anglo American will einem Bericht des Portals "finanztreff.de " zufolge insgesamt 14.000 Stellen in Südafrika abbauen. Betroffen sind vor allem Arbeiter in Platinminen des Konzerns. Insgesamt sind bei Ango American etwa 100.000 Menschen beschäftigt. Dem Bericht zufolge soll das Unternehmen nur bei jedem dritten Bergbauprojekt das Budget einhalten und die gesteckten Ziele erreichen. Dazu passen die Erkenntnisse, die der Fondsberater Joachim Berlenbach im Gespräch mit "finanzen.net " vermittelt: Viele Minenunternehmen treten angesichts des Preisverfalls verzweifelt auf die Kostenbremse. Berlenbach vermutet, dass viele Unternehmen wegen zu hoher Kosten schließen müssen, wenn sich der Goldpreis nicht signifikant erholt. Er weist darauf hin, dass ein Rückgang der Produktion für steigende Goldpreise eher förderlich sei, allerdings verschärfen die aktuellen Preise die Krise in der Minenbranche dramatisch: Neben drastischen Fehlspekulationen belasten auch die schlechten Arbeitsbedingungen die Lage, immer wieder gibt es Streiks und sogar Tote bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Minenarbeitern.

Nach einem regelrechten Eiertanz in den vergangenen Wochen mehrt sich die Kritik an der US-Notenbank und ihrem Präsidenten Ben Bernanke - die Worte des Chefs der "Federal Reserve Bank " werden stets auf die Goldwaage gelegt und hatten einen Einbruch der Edelmetallpreise hervorgerufen. Wie sich allerdings bei der Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle des letzten Offenmarktausschusses herausstellte, lässt sich die FED weiterhin alle Optionen offen und geht nicht davon aus, dass die geldpolitischen Lockerungen schnell zurückgefahren werden. Diese Informationspolitik kritisiert Angela Hemmersdorf in einem Kommentar für die "Wirtschaftswoche ". Sie beschreibt eindrucksvoll die Null-Informations-Strategie des "ruhigen, fast stoischen" Bernanke, der weder einen Zeitplan noch Argumente für eine konkrete Strategie vorlegen wollte. "Warum schweigt er nicht einfach still, anstatt mit widersprüchlichen Aussagen die Märkte weiter zu verwirren?", schimpft die Wirtschaftsjournalistin und erinnert an die Ankündigungen aus dem Mai und Juni, nach denen die Anleihekäufe zurück gefahren werden sollten, die sich nicht bewahrheitet hatten. Bernanke selbst weiß, dass die Arbeitslosigkeit in den USA mit 7,6 Prozent immer noch viel zu hoch und insbesondere die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen problematisch sei.

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