Stand: 10.09.2021 von Hannes Zipfel
Nach dem Ende der Lockdowns nimmt die Platinproduktion besonders an den Hauptproduktionsstandorten in Südafrika und Simbabwe wieder Fahrt auf. Im zweiten Quartal konnte der weltweite Minenausstoß im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent gesteigert werden. Die Nachfrageseite profitierte von der Normalisierung der Produktion bei den Abnehmern. In einem Bereich ist die Nachfrage jedoch entgegen dem Gesamttrend stark rückläufig.
Platin: Aktuell mehr Angebot als Nachfrage

Angebot erholt sich kräftig

Die vom Platinum Investment Council (WPIC) zusammen mit dem Analysehaus Metals Focus am 9. September veröffentlichten Daten zum diesjährigen Verlauf der Platinproduktion und dem Platinabsatz zeigen eine sehr schnelle Erholung auf beiden Seiten.

Nach dem Einbruch des Gesamtangebots im Jahr 2020 um 17 Prozent von 8,2 Mio. Unzen auf 6,8 Unzen erwarten die Analysten von WPIC für das Jahr 2021 eine Angebotssteigerung um 17,2 Prozent auf 7,94 Mio. Unzen. Der größte Anteil wird von der Minenproduktion mit 6 Mio. Unzen Platin erwartet, weitere 1,94 Mio. Unzen soll das Recycling beisteuern.

Nachfrageentwicklung stark verzerrt

Auf der Nachfrageseite gibt es stark gegenläufige Entwicklungen. Deutlich mehr Bedarf an Platin haben in diesem Jahr im Vergleich zu 2020 die Automobilindustrie (+22 Prozent), die Schmuckindustrie (+4 Prozent) und die sonstige Industrie (+25 Prozent). Auf der anderen Seite wird mit einem deutlichen Rückgang der Investmentnachfrage bei Münzen und Barren (-38 Prozent), bei den Beständen der Exchange Traded Funds (-78 Prozent) sowie bei der Lagerhaltung der Börsenplätze (-89 Prozent) gerechnet.

Insgesamt steigt damit die Nachfrage nach Platin im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um lediglich 1 Prozent an.

Platin profitiert zunehmend von der Palladiumsubstitution

Trotz anhaltender Schwierigkeiten durch gestörte Lieferketten und Mikrochipknappheit bleibt die Automobilindustrie mit 2,895 Mio. Unzen auch in diesem Jahr der größte Platinverarbeiter. Im Vorjahr war der Bedarf der Autobauer pandemiebedingt um 16,6 Prozent auf 2,366 Mio. Unzen eingebrochen. Für dieses Jahr wird nun mit einem Nachfragewachstum von 22 Prozent gerechnet und sogar mit einem moderaten Plus von zwei Prozent (58K Unzen) gegenüber dem Niveau von 2019.

Der Grund für das robuste Wachstum sind die Auswirkungen strengerer Emissionsnormen in den Absatzschlüsselmärkten. Darüber hinaus gewinnt Platin als Substitut für Palladium in den großen europäischen, nordamerikanischen und chinesischen Märkten an Bedeutung. Das Preisverhältnis zwischen Palladium und Platin befinden sich mit 0,44 auf einem Allzeittief. Beide Metalle verfügen über die gewünschten Eigenschaften zur Abgasreinigung in Katalysatoren von Verbrennungsmotoren.

Eine noch schnellere Erholung wird vom WPIC bei der Industrienachfrage außerhalb der Automobilfertigung prognostiziert. Über 25 Prozent mehr Platin soll hier verarbeitet werden. Die industrielle Gesamtnachfrage geht dabei mit 2,448 Mio. Unzen weit über die Bedarfsmengen der Jahre 2020 (1,955 Mio. Uz.), 2019 (2,192 Mio. Uz.) und 2018 (1,935 Mio. Uz.) hinaus.

Zu verdanken ist diese Nachfragedynamik vor allem neuen Technologien. Besonders stechen hier die Wachstumszahlen bei der Glasbearbeitung heraus (2021: +69 Prozent). Durch die Behandlung von Glas mit Platin wird dieses widerstandsfähiger und erhält einen brillanten Oberflächenglanz. Das Glas wird extrem spülmaschinenfest, sehr stabil und kommt dennoch mit einem geringen Gewicht aus.

Übersicht zur Platinnachfrage nach Sektoren und der Gesamtbedarf in 2021 vs. 2020

Platinnachfrage nach Sektoren Gesamtbedarf 2021 vs. 2020

2021 erstmals wieder Angebotsüberschuss bei Platin

In Folge der stark rückläufigen Nachfrage nach Münzen, Barren und ETF-Anteilen kam es im zweiten Quartal dieses Jahr nach vier aufeinanderfolgenden Defizitquartalen zu einem kleinen Angebotsüberschuss in Höhe von 161.000 Unzen. Für das Gesamtjahr rechnen die Experten von The Metals Focus mit einem Angebotsüberschuss in Höhe von 190.000 Unzen Platin. Dies entspräche lediglich ca. 2,4 Prozent des Gesamtangebotes und könnte sehr schnell durch einen Stimmungsumschwung bei den Platininvestoren absorbiert werden.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"