Stand: 08.03.2016  0 Kommentare

Die weltweite Nachfrage nach Platin wird auch in diesem Jahr das verfügbare Angebot übertreffen. Damit wird der Platinmarkt zum fünften Mal in Folge ein Defizit verzeichnen.

Der globale Platinmarkt wird von einem nachhaltigen Angebotsengpass gekennzeichnet. Bereits seit Jahren überflügelt die Nachfrage nach Platin das verfügbare Angebot. Im vergangenen Jahr etwa betrug das gesamte weltweite Angebot aus Hüttenproduktion und Recycling 7.825.000 Unzen (oder 7825 Tausend Unzen / Koz). Dieser Menge stand jedoch eine Nachfrage von insgesamt 8205 Koz gegenüber. Somit endete das Jahr 2015 mit einem Defizit von 380 Koz. Doch diese Lücke war im Jahr davor noch fast doppelt so groß. Die Bilanz für 2014 weist ein Defizit von 725 Koz aus (Angebot 7270 Koz / Nachfrage 7995). Und auch in 2013 wurde ein solches Defizit über 720 Koz gemeldet, wobei sich die weltweite Nachfrage nach dem Edelmetall auf insgesamt 8560 Koz belief (Angebot 7840 Koz). Dies geht aus der jüngsten Ausgabe des Platinum Quarterly hervor, die der World Platinum Investment Council (WPIC) mit Sitz in London am Mittwoch (02.03.16) per Medienmitteilung publik machte. Demnach wird dieser Trend auch in diesem Jahr anhalten, womit laut WPIC bereits im fünften Jahr in Folge ein Defizit auf dem Platinmarkt zu verzeichnen sein wird.

Hüttenproduktion von Platin - Südafrika führend

Den Angaben zufolge basiert das weltweite Angebot von Platin auf zwei Säulen: Der Hüttenproduktion (Bergbau) und dem Recycling. Laut WPIC stammten in den vergangenen fünf Jahren zwischen 72 und 77 Prozent des globalen Platinangebots aus der Hüttenproduktion (Bergbau). Demnach ist die Hüttenproduktion in 2015 um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf insgesamt 6040 Koz gestiegen (2014: 4880 Koz). Angeführt wurde dieser Anstieg von Südafrika, wo eine Steigerung der Fördermenge von 41 Prozent auf 4390 Koz registriert wurde. Damit zeichnete die Hüttenproduktion in Südafrika für weit mehr als die Hälfte vom weltweit verfügbaren Platin verantwortlich. Für das Jahr 2016 erwartet der WPIC jedoch ein negatives Wachstum der weltweiten Produktion von -2 Prozent.

Recycling von Platin soll 2016 wieder steigen

Das Recycling von Platin dagegen ging 2015 um 15 Prozent auf 1725 Koz zurück (2014: 2040 Koz). Dieser Rückgang wird hauptsächlich auf schwache Stahlpreise zurückgeführt, da diese die allgemeine Schrottverwertung von Fahrzeugen verringerten und somit den Zustrom von gebrauchten Katalysatoren schwächte. Den Prognosen des WPIC folgend soll aber das Platinangebot aus Recycling in 2016 wieder um 14 Prozent steigen. Zusammen mit dem negativen Wachstum der Hüttenproduktion ergebe dies für 2016 eine Steigerung des gesamten Angebots von Platin um drei Prozent. Der Geschäftsführer des WPIC, Paul Wilson, sagte dazu:

"Auf der Angebotsseite beruht die Prognose hinsichtlich eines dreiprozentigen Wachstums auf der Erholung des Recyclingangebots um 14 Prozent".

Steigende Nachfrage nach Platin kommt aus vier Kernsegmenten

Den Angaben des WPIC folgend wird die globale Nachfrage nach Platin auch in Zukunft weiter zunehmen. Auf absehbare Zeit wird somit das Angebot mit der Nachfrage weiterhin nicht Schritt halten können. Auch für das Jahr 2016 wird, wenngleich geringer als in den Vorjahren, abermals ein globales Defizit von 135 Koz prognostiziert. Darüber hinaus wird die Nachfrage nach Platin immer vielfältiger, sie kommt also aus immer mehr Segmenten. Dennoch gibt es bei der Platinnachfrage laut WPIC nach wie vor vier Kernsegmente: Das sind jeweils die Bereiche Automobil, Schmuck, Industrie sowie Investment (Platin zu Anlagezwecken).

Nachfrage von Platin zu Anlagezwecken steigt um 73 Prozent

Die Nachfrage nach Platin zu Anlagezwecken macht dabei zwar den geringsten Teil der globalen Platinnachfrage aus, dennoch soll diese Statistik an dieser Stelle vorgezogen werden, weil die Investmentnachfrage gegenüber dem Vorjahr eine fulminante Steigerung von 73 Prozent auf insgesamt 260 Koz (2014: 150 Koz) verbuchen konnte. Der jüngsten Studie zufolge waren für diesen Anstieg insbesondere die Nachfrage nach physischen Platinbarren und Platinmünzen verantwortlich, während der Anteil an börsengehandelten Fonds (ETFs) teils drastische Einbrüche verkraften musste.

Besonders in Japan soll es im letzten Quartal 2015 zu Rekordeinkäufen von Barren und Münzen aus Platin gekommen sein, hieß es. Allerdings ist die Nachfrage nach Platin zu Anlagezwecken meist starken Schwankungen ausgesetzt. Der Anteil vom Investmentbedarf an der Gesamtnachfrage nach Platin ist in den vergangenen fünf Jahren zwischen zwei und 11 Prozent geschwankt. Auch in 2016 soll der Prognose des WPIC zufolge die Nachfrage in diesem Segment wieder um bis zu 50 Prozent einbrechen.

Nachfrage aus dem Automobilsektor steigt um fünf Prozent

Den Erkenntnissen des WPIC zufolge entsprach die Nachfrage aus dem Automobilsektor in den letzten fünf Jahren zwischen 37 und 42 Prozent der gesamten globalen Nachfrage nach Platin. Vorrangig geht es dabei um die Herstellung von Abgaskatalysatoren. Im letzten Jahr hat sich die Nachfrage nach Platin aus diesem Segment um fünf Prozent gegenüber 2014 auf insgesamt 3455 Koz erhöht (2014: 3290 Koz / 2013: 3160 Koz). Nicht zuletzt aufgrund der neuen Euro-6-Norm habe sich die Platinmenge pro gebautem Fahrzeug erhöht, hieß es weiter. Für 2016 erwarte man deshalb einen Anstieg der weltweiten Nachfrage um drei Prozent auf 3545 Koz.

Nachfrage aus der Schmuckindustrie fällt um vier Prozent

In der Schmuckindustrie dagegen, dem Segment mit der zweitgrößten Platinnachfrage, ist die Nachfrage im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 2.880 Koz gefallen (2014: 3000 Koz / 2013: 2945 Koz). Als Hintergrund wird ein Rückgang des Bedarfs nach Platinschmuck in China genannt. In Indien sei die Nachfrage aufgrund des erhöhten Interesses von Männern an dieser Art Schmuck dagegen um 26 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre hielt die Schmuckindustrie einen Anteil von 34 Prozent an der globalen Nachfrage nach Platin. In 2016 soll sich die Nachfrage in diesem Segment mit einem leichten Plus von einem Prozent wieder auf hohem Niveau stabilisieren.

Nachfrage aus anderen Industrien steigt um vier Prozent

Derweil beliefen sich die vielfältigen anderweitigen industriellen Verwendungen von Platin im Durchschnitt der letzten fünf Jahre auf etwas mehr als 20 Prozent der gesamten weltweiten Nachfrage. In 2015 ist die Nachfrage aus diesem Segment um vier Prozent auf insgesamt 1610 Koz gestiegen (2014: 1555 Koz / 2013: 1520 Koz). Dieser Anstieg wurde einerseits durch eine zweiprozentige Erhöhung der Nachfrage aus dem Chemiesektor begünstigt. Richtig beflügelt wurde die gestiegene Nachfrage aber durch den Erdölsektor, wo sich der Platinbedarf sogar mehr als verdoppelte (von 65 Koz in 2014 auf 160 Koz in 2015). Für 2016 erwarten die Experten jedoch einen leichten Rückgang um zwei Prozent auf 1570 Koz.

Alles in allem zieht WPIC-Geschäftsführer Wilson eine rundum positive Bilanz: Die Studie zeige deutlich, so Wilson, dass die Nachfrage nach Platin in allen Bereichen stabil sei und die Fundamente des Platinmarkts intakt seien.

Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany