Stand: 10.07.2018 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Unter den Edelmetallen herrscht insbesondere bei Platin und Palladium ein besonders hohes Maß an Unsicherheit. Beide werden nämlich vor allem in der Autobranche stark nachgefragt – und hier droht erhebliches Ungemach.

Der größte Risikofaktor heißt „Donald Trump“

In der vergangenen Woche wurden die Juni-Verkäufe vom US-Automarkt gemeldet. Diese fielen relativ robust aus, schließlich kauften die US-Amerikaner mit insgesamt 17,5 Millionen (Mai: 16,9 Millionen) mehr Fahrzeuge als erwartet.

Platinpreis 1 Jahr in US-Dollar

Bei der Zahl der in den USA gefertigten Autos war ein Anstieg von 13,0 auf 13,6 Millionen registriert worden. Trumps Drohung, die Zölle auf Autos auf 20 oder gar 25 Prozent zu erhöhen, könnte nicht nur die Geschäfte der globalen Autohersteller, sondern auch die Preise für Platin und Palladium kräftig durcheinanderwirbeln.

Platin wird vor allem in den Katalysatoren von Dieselfahrzeugen verarbeitet, während Palladium in erster Linie bei Benzinfahrzeugen zum Einsatz kommt. Dessen Preis ist aber auch aufgrund anderer Risikofaktoren (Diesel-Abgasskandal, generelle Umweltproblematik und den Brexit-Unsicherheiten) derzeit schwer prognostizierbar.

Palladiumpreis 1 Jahr in US-Dollar

Was bisher geschah: Während seit dem Jahreswechsel Platin (-9,2 Prozent) und Palladium (-7,5 Prozent) ähnlich starke Kursverluste zu verkraften hatten, fällt ein Performancevergleich auf Dreijahressicht um einiges heftiger aus.

Innerhalb dieses Zeitraums erzielte nämlich Palladium eine kräftige Wertsteigerung um 32 Prozent und Platin ein dickes Minus von über 23 Prozent (siehe Tabelle).

Platin versus Palladium

Platin Palladium
Aktuell: 857,00 US-Dollar 962,75 US-Dollar
Performance (12 Monate): -7,21 Prozent +13,08 Prozent
Performance (3 Jahre): -23,6 Prozent +31,9 Prozent
52-Wochentief/52-Wochenhoch: 798,50 / 1.028,15 Dollar 830,50 / 1.138,30 Dollar
250-Tage-Volatilität: 13,6 Prozent 21,8 Prozent
Stand: 09.07.2018

Bei Platin hat sich mittlerweile eine charttechnisch außerordentliche prekäre Lage eingestellt.

Grund: Das Edelmetall notiert nicht sonderlich weit von seinem Zehnjahrestief, welches der weltweiten Rezession des Jahres 2009 bei 787 Dollar markiert worden war. Damals stürzte der Platinpreis innerhalb weniger Monate um über 60 Prozent ab.

Palladium gelang hingegen im Januar dieses Jahres noch ein Rekordhoch bei 1.139 Dollar.

Platin- und Palladium-Investments haben Wettcharakter

Wer über den Kauf von Platin oder den Kauf von Palladium nachdenkt, sollte sich darüber bewusst sein, dass dies gewissermaßen den Charakter einer Wette haben würde.

Sollte Trump tatsächlich Strafzölle auf Autos einführen, würde dies höchstwahrscheinlich allen Autoherstellern schaden, schließlich wäre eine Verteuerung der Fahrzeuge unvermeidlich. Dies dürfte dann die Autonachfrage und somit auch den Bedarf an Platin und Palladium erheblich belasten. Markante Kurszuwächse wären in einem solch widrigen Umfeld eher unwahrscheinlich.

In diesem Jahr hat vor allem unter Großspekulanten (Non-Commercials) der Optimismus bezüglich Platin und Palladium empfindlich gelitten – wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß. Von Ende Dezember bis Ende Juni hat sich zum Beispiel bei Platin eine Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) in Höhe von 16.300 Futures in eine Netto-Short-Position (Pessimismus überwiegt) von 6.100 Kontrakte verwandelt.

Bei Palladium fiel der Stimmungsumschwung weniger heftig aus. Hier reduzierte sich die Netto-Long-Position innerhalb von sechs Monaten „lediglich“ von 25.500 auf 8.600 Kontrakte (-66,3 Prozent).

Zwei weitere Aspekte sollten Anleger hinsichtlich des Risikos ebenfalls nicht außer Acht lassen. Verglichen mit Gold weist sowohl Platin als auch Platin eine deutlich höhere Kursschwankungsintensität auf.

Dies lässt auf höhere Renditechancen hoffen, birgt aber zugleich ein höheres Verlustrisiko in sich. Mathematisch messbar wird Risiko unter anderem durch die Kennzahl Volatilität. Auf Basis der vergangenen 250 Tage weist Platin eine historische Volatilität von 13,6 Prozent und Platin ein Wert von 21,8 Prozent aus.

Dies stellt angesichts der schlechteren Performance von Platin eine große Überraschung dar. Normalerweise fallen Volatilitäten bei stark gefallenen Basiswerten höher aus. Im Vergleich dazu kann man angesichts einer deutlich niedrigeren Volatilität des Goldpreises (Stand 09.07.2018: 8,5 Prozent) den traditionellen Krisenschutz fast schon als „risikoarm“ bezeichnen.

Als weiteren großen Vorteil des gelben Edelmetalls kann man zweifellos die Tatsache werten, dass beim Kauf von Goldbarren und Goldmünzen keine Mehrwertsteuer anfällt. Bei Silber, Platin und Palladium werden durch die anfallende Steuer die Renditechancen erheblich reduziert.

Wichtig zu wissen: Bei Edelmetall-Wertpapieren mit physisch hinterlegtem Silber, Platin oder Palladium entfällt die Mehrwertsteuerpflicht und der damit verbundene Renditenachteil.

Platin und Palladium: Zwei ungleiche Schwestern
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von blingbling | 10.07.2018, 19:52 Antworten

    "Verglichen mit Gold weist sowohl Platin als auch Platin eine deutlich höhere Kursschwankungsintensität auf.
    ...
    Auf Basis der vergangenen 250 Tage weist Platin eine historische Volatilität von 13,6 Prozent und Platin ein Wert von 21,8 Prozent aus."

    ja genau und sowieso ;)

  • von Goldsammler | 10.07.2018, 11:41 Antworten

    Wenn die Kugel beim Gold nicht funktioniert, versuchen wir es mal mit Platin!

    • von Dummkopf | 10.07.2018, 21:43 Antworten

      Die Kugel wurde doch vom Autor garnicht verwendet. Also ich habe zumindest keine Aussage gefunden, dass P² demnächst auf xx Dolar steigen wird.
      Danke an den Autor, jetzt verstehe ich den aktuellen Hintergrund. Ich hätte momentan zu einem Platin-Kauf tendiert. Den setzte ich jetzt erst einmal noch aus. Aber man darf auch die alternativen Antriebe nicht vergessen, dort wird auch Platin benötigt. Stichwort Brennstoffzelle.

      • von blingbling | 11.07.2018, 11:58 Antworten

        es gibt noch andere länder mit vielen leuten aber mit ohne abgasgedöns.

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