Gold: 4.211,87 € 0,30 %
Silber: 83,97 € 2,63 %
Stand: 26.09.2025 von Florian Grummes
Seit dem Notenbanktreffen in Jackson Hole am 21. August erleben die Edelmetallmärkte eine beeindruckende Aufwärtsdynamik. Nach einer viermonatigen Konsolidierungsphase konnte der Goldpreis innerhalb weniger Wochen von 3.311 bis auf ein neues Rekordhoch von 3.791 US-Dollar pro Feinunze haussieren.
Platinpreis 2025: Historischer Ausbruch mit Rallye-Potenzial

Parallel dazu verbuchte Silber mit einem Stand von 45,23 US-Dollar das höchste Niveau seit 14,5 Jahren. Auch der Minensektor zeigt eine starke Performance: Der GDX Gold Miners ETF durchbrach mühelos die Hochs von 2012 und steigt seitdem weiter an.

Der unangefochtene Spitzenreiter der letzten beiden Quartale ist jedoch der Platinpreis. Seit dem 1. April stieg der Preis für eine Feinunze um beeindruckende 81,5 % und manifestiert damit ein bemerkenswertes Comeback. Insbesondere im Juni sorgte der Ausbruch über den fast 17-jährigen Abwärtstrend für deutliche Kursanstiege.

Ein gesunder Rücksetzer Ende Juli beruhigte den Markt zwar kurzfristig, trotzdem erholte sich Platin rasch und erreichte in der laufenden Handelswoche ein neues 12,5-Jahreshoch. Damit beendet Platin endgültig sein jahrelanges Schattendasein und positioniert sich wieder als starkes Investmentvehikel im Edelmetallsektor.

Obwohl Platin bereits von alten Kulturen, wie den Ägyptern und den präkolumbianischen Südamerikanern, genutzt wurde, wurde es in Europa lange Zeit als „Platina“, also „kleines Silber“, abgewertet, da es sich nur schwer schmelzen und verarbeiten ließ. Als die spanischen Eroberer im 17. Jahrhundert große Mengen Platin beim Goldwaschen in Südamerika fanden, hielten sie es für minderwertiges oder unreifes Gold und warfen es zurück in die Flüsse. Auch die unklare und schwer kontrollierbare Verfügbarkeit spielte politisch und wirtschaftlich eine Rolle.

Physikalische Eigenschaften und geologische Vorkommen von Platin

Dabei zeichnet sich Platin durch seine außerordentlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften aus. Es ist dicht, dehnbar, formbar, extrem beständig und äußerst widerstandsfähig gegenüber chemischer Reaktion und aggressiven Säuren. Zudem besitzt Platin eine hohe Schmelztemperatur und ausgezeichnete katalytische Fähigkeiten, die es in der Industrie unersetzlich machen. Mit seinem silbrig-weiß-glänzenden Schimmer zählt es zu den begehrtesten Edelmetallen und ist rund 30-mal seltener als Gold.

In der Erdkruste ist Platin nur in sehr geringen Konzentrationen vorhanden. Häufig tritt es in Verbindung mit Nickel- und Kupfererzen auf oder in Form sogenannter Seifenlagerstätten, wo es durch natürliche Erosion aus dem Muttergestein ausgewaschen und in Flussablagerungen angereichert wird.

Etwa 90 Prozent der jährlichen Förderung stammen aus wenigen Regionen weltweit – darunter Russlands Ural-Gebirge, Kolumbien, Kanadas Sudbury-Becken und vor allem Südafrika, das die größten Reserven besitzt und 70 bis 80 % der jährlichen Gesamtförderung liefert.

Weltweit werden nur ca. 170 bis 200 Tonnen pro Jahr produziert, was die Knappheit und den Wert des Metalls zusätzlich unterstreicht.

Seine breite industrielle Bedeutung macht Platin zu einem gefragten Rohstoff. Besonders in der Automobilbranche ist es unverzichtbar für Katalysatoren. Hinzu kommen Anwendungen in Laborgeräten, Elektroden, Messinstrumenten, der Glasindustrie sowie als hochwertiges Material in der Zahnmedizin.

Auch die Schmuckbranche profitiert, insbesondere, wenn der Goldpreis wie aktuell Rekordstände erreicht. Dann greifen viele Konsumenten, vor allem in China, verstärkt zu Platin als elegante und zugleich erschwinglichere Alternative zu Gold. Im Gegensatz zu Gold und Silber, die seit Jahrhunderten als Geldmetalle etabliert sind, wird Platin fast ausschließlich industriell genutzt. Der Anteil der Investitionsnachfrage liegt bei nur etwa acht Prozent am Gesamtbedarf.

Angebotsengpässe und steigende Nachfrage als Preistreiber bei Platin 2025

Fundamental lassen sich die Preissteigerungen in diesem Jahr nicht nur mit dem starken Goldpreis erklären, sondern auch mit dem strukturellen Angebotsdefizit sowie aufgrund widriger Wetterbedingungen und anderer logistischer Probleme im wichtigsten Förderland Südafrika.

Trotz leichter Erholungen bleibt das Produktionsvolumen auf einem der niedrigsten Niveaus der letzten fünf Jahre. Recycling spielt eine ergänzende, aber nicht ausgleichende Rolle bei der Menge des geförderten Platins. Neue Projekte wie die Platreef-Mine in Südafrika sollen mittelfristig zusätzliche Mengen liefern, sind aber noch im Aufbau.

Dem gegenüber steht eine stabile bzw. sogar steigende Nachfrage aus China und dem Schmuckbereich. Zudem sorgt ein schwacher US-Dollar in Verbindung mit dem wachsenden Investment-Interesse und ETF-Zuflüssen für zusätzlichen Aufwärtsdruck.

Geopolitische Spannungen wie die Sanktionen gegen Russland, Handelsbarrieren und Unsicherheiten tragen ebenfalls zur erhöhten Nachfrage nach Platin als sicheren Hafen bei. Insgesamt macht die begrenzte Verfügbarkeit Platin zu einem Metall mit hoher geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Platin in US-Dollar - Der Durchbruch ist geschehen

Platin in US-DollarPlatin in US-Dollar, Monatschart vom 26. September 2025. Quelle: Tradingview

Der Platinpreis erreichte im März 2008 mit 2.308,80 US-Dollar pro Feinunze sein bisheriges Allzeithoch. Gründe für den starken Anstieg waren damals vor allem das Wachstum der Staatsverschuldung in den USA und Europa, die Schwächung des US-Dollars gegenüber anderen Weltwährungen, ein weltweiter Versorgungsengpass sowie eine steigende Nachfrage, vor allem aus der Autoindustrie, da Südafrika, das rund 75 Prozent des Platins produziert, aufgrund von Stromknappheit Förderprobleme hatte.

Im Verlauf der internationalen Finanzkrise, die im Sommer 2007 mit der US-Immobilienkrise begann, kam der Platinpreis jedoch gewaltig unter Druck. Bis Oktober 2008 fiel der Platinpreis von seinem Allzeithoch um rund 67 Prozent bis auf 762 US-Dollar zurück, da die Liquiditätskrise damals alle Anlageklassen stark belastete und die Nachfrage nach Industriemetallen drastisch zurückging.

Mit dem Ende der Finanzkrise und befeuert durch die Goldhausse konnte sich der Platinpreis bis zum Herbst 2011 auf 1.915 US-Dollar pro Feinunze erholen. Allerdings blieben neue Allzeithochs, wie sie beim Gold verzeichnet wurden, aus.

Im Rahmen der mehrjährigen Korrekturphase im Edelmetallsektor fiel der Platinpreis anschließend wieder auf das Niveau der Tiefs vom Herbst 2008 zurück. Fast ein Jahrzehnt verharrte Platin in einer Seitwärtsbewegung innerhalb der bedeutenden Unterstützungszone zwischen 750 und 900 US-Dollar und führte ein Schattendasein. Der Covid-Crash im Februar 2020 drückte den Preis zwischenzeitlich sogar auf ein Tief von 565 US-Dollar.

Platin in US-Dollar TageschartPlatin in US-Dollar, Tageschart vom 26. September 2025. Quelle: Tradingview

Erst im Mai 2025 gelang der Durchbruch über den 17-jährigen Abwärtstrend. Dieser deutliche Befreiungsschlag veränderte die Marktstruktur grundlegend und leitete eine steile und nachhaltige Haussephase beim Platinpreis ein, welche bis heute anhält.

Dabei wurde zu Wochenbeginn das zweimonatige Konsolidierungsdreieck klar und deutlich nach oben aufgebrochen. Das nächste Kursziel aus dieser Formation liegt bei mind. 1.600 US-Dollar.

Im übergeordneten Kontext fehlen dem Platinpreis bis zum Erreichen seines Allzeithochs noch etwa 48 %. Aufgrund der äußerst bullischen Entwicklungen im gesamten Edelmetall-Sektor gehen wir davon aus, dass Platin schon im kommenden Jahr problemlos Kurse oberhalb von 2.000 US-Dollar erreichen wird.

Kurzfristig ist die Marktsituation sicherlich etwas heiß gelaufen, dennoch lässt sich im großen Bild weiterhin ein sehr gutes Chancen/Risiko-Verhältnis für Platin konstruieren. Jegliche Rücksetzer sollten daher als Kaufgelegenheiten interpretiert werden, um von der gerade erst gestarteten Hausse zu profitieren.

Konklusion: Platin – Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Der Platinpreis ist im Mai dieses Jahres aus seinem 17-jährigen Dornröschenschlaf erwacht und hat sich daran gemacht, den großen Rückstand auf das Gold in kürzester Zeit aufzuholen.

Langjährige Edelmetall-Investoren werden sich daran erinnern, dass Platin früher doppelt so teuer war wie Gold. Aktuell handelt die Platin/Gold-Ratio bei lediglich 0,415! Es besteht also enormes Aufholpotenzial für den Platinpreis.

Dabei ist die kräftige Aufwärtsbewegung der letzten sechs Monate nicht nur eine Konsequenz aus der beeindruckenden Gold- und Silber-Hausse. Vielmehr folgt der neue Bullenmarkt beim Platin vor allem fundamentalen Veränderungen im Markt. Das strukturelle Angebotsdefizit, verursacht durch Förderprobleme in Südafrika und verstärkt durch die Sanktionen gegen Russland, kombiniert mit einer stabilen und wachsenden Nachfrage, insbesondere aus China und der Schmuckindustrie, bilden die Basis für die nachhaltige Preisrallye.

Geopolitische Unsicherheiten, ein schwacher US-Dollar sowie eine anziehende Investment-Nachfrage verstärken diese Dynamik zusätzlich.

Historisch wurde Platin lange unterschätzt und spielte gegenüber Gold und Silber eine eher untergeordnete Rolle. Doch mit seinen herausragenden physikalischen Eigenschaften und seiner unverzichtbaren industriellen Bedeutung, vor allem im Automobilsektor, weist es eine hohe geopolitische als auch wirtschaftliche Relevanz auf. Die begrenzte Verfügbarkeit bei gleichzeitig steigender Investment-Nachfrage macht Platin zu einem hochspannenden und deutlich unterbewerteten Asset im Edelmetall-Universum.

Technisch gesehen markiert der Ausbruch über den langen Abwärtstrend einen Wendepunkt mit erheblichen Chancen. Auch wenn kurzfristig Rücksetzer möglich sind, präsentiert sich das Risiko-Chancen-Verhältnis für Platin äußerst günstig. Anleger sollten jegliche Rücksetzer und Korrekturen als Chancen begreifen, um von der gerade erst begonnenen Hausse zu profitieren und Platin als wertvolles Investment in ihren Portfolios zu berücksichtigen.

Profilbild von Florian Grummes
Stand: 26.09.2025
geschrieben von:
Technischer Analyst, Edelmetallexperte
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von Goldie | 10.10.2025, 07:08 Uhr Antworten

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