Gold: 3.641,20 € -0,58 %
Silber: 53,63 € -1,65 %
Stand: 29.07.2025 von Jörg Bernhard
US-Präsident Donald Trump fordert bereits seit Längerem niedrigere US-Leitzinsen. Fed-Chef Jerome Powell hat sich diesem Druck bislang jedoch nicht gebeugt. Am Mittwochabend steht die nächste Zinsentscheidung der Fed inklusive anschließender Pressekonferenz an.
Powell vs. Trump: Fed-Entscheidung bringt Gold in Bewegung?

Powell kontert Trumps Angriff souverän

Bei einem von Kameras begleiteten Treffen kam es am vergangenen Donnerstag zu einem öffentlichkeitswirksamen Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Im Zentrum der Auseinandersetzung standen Trumps Vorwürfe über angeblich ausufernde Kosten im Zusammenhang mit der Renovierung mehrerer Fed-Gebäude in Washington.

Trump präsentierte dabei einige Tabellen, die laut ihm die Unverhältnismäßigkeit der Fed-Maßnahmen belegen sollten. Powell jedoch entgegnete umgehend und wies die Zahlen vor laufender Kamera nach einem kurzen Blick als nicht korrekt zurück.

Der Fed-Chef machte deutlich, dass die präsentierten Daten fehlerhaft seien und nicht die tatsächliche Kostenstruktur der Maßnahmen widerspiegeln würden. Die Szene, in der Powell mit wenigen Worten und einem knappen Blick Trumps Vorwurf entkräftete, wurde vielfach in den Medien aufgegriffen und zeigt einmal mehr die angespannte Beziehung zwischen dem US-Präsidenten und dem Chef der US-Notenbank.

Trumps Zahlen enthielten nämlich die Renovierung eines Gebäudes, das bereits vor fünf Jahren saniert worden sei. Damit entkräftete Powell mit minimalem Aufwand die Behauptung zeitnah und klar als fehlerhaft

Bei diesem Pressetermin sah Trump, der den Fed-Chef Powell in der Vergangenheit mehrfach beleidigt und dessen Entlassung angedroht hatte, einmal mehr ziemlich „dämlich” aus.

Zinssenkung am Mittwoch sehr unwahrscheinlich

Dass die Zinsen bereits am 30. Juli um 25 Basispunkte gesenkt werden, gilt als ausgesprochen unwahrscheinlich. Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group beläuft sich die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario auf weniger als drei Prozent.

Um einiges wahrscheinlicher gilt eine Zinsreduktion um mindestens 25 Basispunkte am 17. September (62,0 Prozent). Bis Ende des Jahres deutet das Tool mit einem Wert von fast 63 Prozent darauf hin, dass die Fed Funds bis dahin ihr derzeitiges Niveau um 50 Basispunkte unterschreiten werden (siehe Chart).

US-Leitzinsen in den vergangenen zehn Jahren

US-Leitzinsens seit 2015

In der internationalen Finanzwelt genießt Fed-Chef Powell zweifellos mehr Vertrauen als Trump, der seit seiner Amtszeit vor allem durch ein hohes Maß an Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit in Erscheinung getreten ist.

Durch seine Handelspolitik sind zwar die Zolleinnahmen der USA gestiegen, die ausländischen Direktinvestitionen in die USA sind im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorquartal jedoch von 77,7 Mrd. auf 66,7 Mrd. Dollar gefallen und damit auf den niedrigsten Wert seit Q2 2023 abgerutscht.

Aktuelle Zahlen zum zweiten Quartal stehen in der zweiten Septemberhälfte zur Bekanntgabe an.

Trumps unstete Politik dürfte das Ansehen und die Anziehungskraft der USA als Produktionsstandort nicht gerade gefördert haben, schließlich bevorzugen Unternehmen bei ihren Investments in Länder vor allem eines – rechtliche, politische und wirtschaftliche Planungssicherheit.

All dies scheint jenseits des Atlantiks akut gefährdet zu sein.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen erfahren die Marktakteure, wie sich im Juli die Inflation in Deutschland (Donnerstag) bzw. in der Eurozone (Freitag) entwickelt hat.

Laut von Trading Economics veröffentlichten Umfragen unter Analysten sollen die Teuerungsraten in beiden Fällen den von der EZB vorgegebenen Zielwert von zwei Prozent p.a. unterschritten haben. Den Blick auf die USA gerichtet, dürften nach der Fed-Entscheidung wichtige US-Konjunkturindikatoren genau verfolgt werden – insbesondere die Datenflut zum US-Arbeitsmarkt, die am Freitag mit dem Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums ihren Höhepunkt erreichen wird. Zudem soll sich laut einer weiteren von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten die Arbeitslosenrate von 4,1 auf 4,2 Prozent erhöht haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 147.000 auf 102.000 gesunken sein.

Ein noch niedrigerer Wert wurde letztmals im Oktober 2024 registriert. Auf dem derzeitigen Niveau mag man dem Goldpreis eine leichte Konditionsschwäche attestieren, angesichts des seit zehn Jahren zu beobachtenden „Marathon-Berglaufs“ sei ihm dies allerdings gegönnt.

Ein echter Leistungseinbruch dürfte aufgrund des Mix an zahlreichen Kaufargumenten relativ unwahrscheinlich sein.

Profilbild von Jörg Bernhard
Stand: 29.07.2025
geschrieben von:
Freier Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Börseninvestments

Copyright © 2009-2025 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Stand: 09:16:31 Uhr