Stand: 14.05.2020 von Egmond Haidt
US-Präsident Donald Trump hat von Fed-Chef Jay Powell wiederholt die Einführung von Strafzinsen gefordert. Auf seiner jüngsten Rede hat der Fed-Chef derartige Pläne nur halbherzig verneint. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er noch vor der Präsidentschaftswahl im November zur Tat schreiten dürfte.
Powells Strafzins-Dementi ist unglaubwürdig

Nach einer kräftigen Erholung von den Mehr-Jahres-Tiefs vom März sind S&P500 und DAX zuletzt deutlich nach unten gedreht. Dafür gab es eine Reihe von Gründen.

Zuerst hatten die US-Hedgefonds Manager Stanley Druckenmiller und David Tepper vor der gigantischen Blase am US-Aktienmarkt gewarnt.

Zudem hatten die Spannungen zwischen den USA und China wegen der Corona-Pandemie weiter zugenommen, nachdem eine Gruppe republikanischer Abgeordneter eine Gesetzesvorlage eingebracht hatte, demnach China gegenüber einer unabhängigen Stelle, wie der UN, „volle Rechenschaft“ wegen des Ausbruchs des Virus ablegen solle. Im Gegenzug war Gold als sicherer Hafen gefragt und notiert mit rund 1.720 Dollar je Unze nur knapp unter den Sieben-Jahres-Hochs.

Falls das Gesetz verabschiedet werden sollte, bekäme US-Präsident Donald Trump 60 Tage Zeit, um dem Kongress einen Bericht vorzulegen und anschließend Sanktionen gegen China zu verhängen.

Da China bereits Gegenmaßnahmen vorbereitet, trüben sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft deutlich ein, was trotz des gigantischen Gelddruckens der Fed für Verkaufsdruck am Aktienmarkt gesorgt hat.

Powell dementiert halbherzig die Einführung von Strafzinsen

Für zusätzlichen Rückenwind beim Goldpreis hat die Rede von Fed-Chef Jay Powell am Mittwoch, 13. März gesorgt.

Für viele Investoren stand dabei vor allem ein Thema im Vordergrund: Strafzinsen.

Schließlich waren die Fed Funds-Futures, also Derivate auf die US-Leitzinsen, in den vergangenen Wochen weiter gestiegen, womit die Zinsen für die Futures ab November 2020 am 7. Mai zum ersten Mal unter die Nulllinie gerutscht waren – damit hatten die Futures eingepreist, dass es innerhalb von sechs Monaten Strafzinsen in den USA geben werde. Anschließend sind die Zinsen wieder leicht über die Nulllinie geklettert.

Auf seiner Rede und in der darauffolgenden Fragerunde hat Powell ein sehr trübes Bild der US-Wirtschaft gezeichnet und vor „signifikanten“ Abwärtsrisiken aufgrund der Pandemie gewarnt. Laut der Analyse der Fed hätten fast 40 Prozent der privaten Haushalte mit einem Jahreseinkommen von weniger als 40.000 Dollar im März den Verlust eines Arbeitsplatzes erlitten.

Da viele dieser Amerikaner keinerlei Notgroschen, sondern häufig nur immense Schulden haben, dürfte das in den nächsten Monaten verheerende Folgen für die Wirtschaft haben, zumal die Arbeitslosenquote im Mai laut den Schätzungen von Experten von zuletzt 14,7 auf 20 Prozent nach oben schießen dürfte.

„Wir schauen uns (das Thema) Strafzinsen nicht an“, sagte Powell dennoch. Zwei Minuten später fügte er „derzeit“ an.

Das war allerdings nur ein sehr halbherziges Dementi. Schließlich wissen Investoren, dass die Arbeitslosenquote in den nächsten Monaten weiter steigen und trotz des anschließenden Rückgangs auf einem sehr hohen Niveau bleiben wird, weshalb nach den bisherigen Billionenschweren Rettungsprogrammen weitere Billionenschwere Konjunkturprogramme notwendig sein werden.

Sie werden immer stärker mit der Notenpresse der Fed finanziert, wobei Strafzinsen die hochverschuldete Wirtschaft zusätzlich ankurbeln sollen.

Strafzinsen drohen

Nach Powells Rede sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen allerdings deutlich nach unten gedreht, weil Investoren der Überzeugung sind, dass je länger Powell mit der Einführung von Strafzinsen wartet, umso mehr Gegenwind würde die Wirtschaft trotz der zunehmenden Lockerung der Ausgangsbeschränkungen bekommen.

Gleichzeitig notieren die Zinsen für Fed Funds-Futures ab Januar 2021 in der Nähe der Nulllinie und könnten bei den kleinsten schlechten Nachrichten, wie zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China, erneut Strafzinsen anzeigen.

Wie groß die Angst der Investoren vor Strafzinsen ist zeigt, dass der KBW Nasdaq Bank Index, der die Kursentwicklung der US-Bankaktien widerspiegelt, seit Jahresanfang um 45 Prozent eingebrochen ist und damit auf dem gleichen Niveau wie Ende Mai 2013 notiert.

Der Branchenindex ist häufig ein Vorläufer für die Performance des Gesamtmarktes. Welche Katastrophe Strafzinsen für Geldhäuser sind lässt sich am Stoxx Europe 600 Banks, der die Entwicklung der europäischen Bankaktien abbildet, und in der Nähe des Rekordtiefs notiert, unschwer erkennen.

Trump fordert Strafzinsen und dürfte sie bekommen

Ich bin der Überzeugung, dass die Fed nicht bis zum Jahresende warten, sondern bereits im Sommer Strafzinsen einführen dürfte, zumal wenn die Fed auf einen möglicherweise erneuten Einbruch am Aktienmarkt reagieren würde.

Trump hat seit Mitte des vergangenen Jahres das von der Fed bekommen, was er gefordert hatte: zuerst kräftige Zinssenkungen, später sogar eine Reduktion auf 0 bis 0,25 Prozent, anschließend QE-Gelddrucken und schlussendlich sogar unbegrenztes Gelddrucken.

Daher dürfte Powell auch Trumps Drängen auf Strafzinsen schon bald nachgeben, und sie deutlich vor der Präsidentschaftswahl am 3. November einführen.

Damit gäbe es nicht nur in der Euro-Zone, Japan, und etlichen anderen Ländern, wie der Schweiz, sondern auch in den USA Strafzinsen.

Sie können zwar nicht die Wirtschaft stimulieren, sondern führen nur zu massiven Verzerrungen am Anleihenmarkt und pumpen damit weiter Luft in die gigantische Blase beim S&P500. Das dürfte die Fed aber nicht davon abhalten, diesen Teil des größten geldpolitischen Experiments aller Zeiten durchzuführen.

Umso mehr dürfte in dem Umfeld der Goldpreis in den nächsten Monaten in den Fokus der Investoren rücken.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Karin Liebesmeier | 15.05.2020, 20:49 Antworten

Man wird jagd auf Sparer machen ,sich verschulde wird erste Bürgepflicht macht mit beim
Totentanz

von Unsinn | 15.05.2020, 09:55 Antworten

Guter Artikel, danke. Die Strafzinsen sind so sicher wie das Amen in der Kirche; jetzt Trump, Powell, Corona hin oder her. Welcome to la-la land...

2 Antworten an Unsinn anzeigen

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