Stand: 28.03.2014  0 Kommentare

Minenstreiks in Südafrika, Angst vor einem russischem Lieferstopp und eine robuste Nachfrage aus der Automobilindustrie: Aus Sicht von Thorsten Proettel, Rohstoff-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, spricht derzeit viel für einen weiterhin steigenden Preis von Palladium. Im Interview mit dem DAF (Deutsches Anleger Fernsehen) von 26. März 2014 nennt Proettel sein optimistisches Kursziel für das Edelmetall. Seine Einschätzung der Goldpreisentwicklung 2014 fällt hingegen eher skeptisch aus.

Südafrika: Streiks bescheren Minenbetreibern hohe Einnahmeausfälle

Mit einem Anteil von 38 % an der weltweiten Fördermenge war Südafrika im letzten Jahr der zweitwichtigste Herkunftsmarkt von Palladium. Die inzwischen neunwöchigen Streiks bei drei großen Minengesellschaften haben laut Proettel bereits zu Einnahmeausfällen in Höhe von 1 Milliarde Dollar geführt. Akute Lieferengpässe seien beim Palladium zwar derzeit noch nicht feststellbar. Die Furcht vor einer künftigen Knappheit sei für die starken Preisanstiege in den letzten Wochen aber durchaus mitverantwortlich, so Proettel.

Russland: Angst vor Lieferstopp als Vergeltungsmaßnahme

42 % des weltweit geförderten Palladiums stammte 2013 aus Russland. Damit war das Land im letzten Jahr der wichtigste Anbieter des vorwiegend industriell genutzten Edelmetalls am Weltmarkt. Die Sanktionen des Westens infolge der Krim-Krise bergen laut Proettel die Gefahr, dass Russland mit einem Lieferstopp für Palladium als Vergeltungsmaßnahme reagieren könnte.

Für eine solchen Schritt gebe es auch historische Vorbilder: 1998 und dann noch einmal im Jahr 2000 habe Russland die Palladiumlieferungen eingestellt und damit für kurzfristige Preisverdoppelungen gesorgt. Allerdings hält Proettel eine Wiederholung des russischen Lieferstopps für Palladium unter den gegenwärtigen Umständen für nicht sehr wahrscheinlich. Nach dem Abzug westlichen Kapitals sei das Land zu sehr auf die Einnahmen von Devisen angewiesen, glaubt der Experte.

Automobilindustrie: Nachfrage nach Palladium robust

Während die Angebotsseite von Unwägbarkeiten in den wichtigsten Fördererländern gekennzeichnet ist, erkennt Proettel auf der Nachfrageseite einen anhaltend robusten Trend, der durch den weltweiten Boom der Automobilindustrie aufrechterhalten wird. Palladium ist für die Fahrzeughersteller unverzichtbar, da das Edelmetall für den Einsatz in Katalysatoren benötigt wird. Insbesondere das erwartete solide Wirtschaftswachstum in den USA werde die Absatzzahlen der Automobilindustrie beflügeln, vermutet der Experte. Insgesamt rechnet er mit einem Zuwachs der Nachfrage nach Palladium im Bereich von 3 % bis 4 %.

Kursziel für Palladium

Im Palladiumchart sei der Ausbruch aus einer längerfristigen Seitwärtsbewegung gelungen. Weiteren Preisanstiegen stehe nun, unterstützt durch die fundamentalen Einflussfaktoren, nichts mehr im Wege, so Proettel. Bis zum Jahresende hält der Analyst einen Palladiumpreis im Bereich von 850 Dollar für möglich. Da er zugleich von einem anziehenden Dollarkurs ausgeht, lohne sich der Einstieg bei Palladium aus Sicht europäischer Anleger ganz besonders.

(Erklärung: Wie alle Edelmetalle wird auch Palladium an den internationalen Märkten in der US Währung gehandelt. Ein - im Verhältnis zum Dollar - nachgebender Euro würde also bereits bei konstantem Palladiumpreis zu Kursgewinnen in der Gemeinschaftswährung führen. Steigt der Palladiumpreis in Dollar, liegen die Gewinne in Euro noch darüber.)

Goldpreis eher niedriger

Gold habe in der Krim-Krise seine Beliebtheit als sicherer Hafen durch steigende Preise gezeigt. Da die Märkte inzwischen jedoch nicht mehr von einer unmittelbaren Verschärfung der Situation in der Ukraine ausgehen, sei auch der Goldpreis wieder relativ deutlich zurückgekommen.

Wichtiger als die Krim-Krise seien für Gold nun die Entwicklungen in den USA und hier sieht Proettel wenig Unterstützung. Nach seiner Einschätzung wird die Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed wie geplant fortgeführt werden. Darüber hinaus könnte die von Notenbank-Chefin Janet Yellen für das Frühjahr 2015 in Aussicht gestellte Zinswende dem Goldpreis zu schaffen machen.

Proettel geht deshalb für dieses Jahr eher von eher niedrigeren Goldpreisen aus. Ebenso wie bei Palladium werde allerdings der starke Dollar den europäischen Anlegern zu Hilfe kommen und zumindest einen Teil der Goldpreisverluste in der US-Wahrung kompensieren. Von einem Goldverkauf rät Proettel deshalb ab.

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